Der Maler Erwin Löhr wagt sich an die ganz Großen
Erst Michelangelo, jetzt Raffael

Münster-Hiltrup -

Erwin Löhr hat sich an den nächsten großen Meister der Kunstgeschichte gewagt. Erst Michelangelo, jetzt Raffael. Das Ergebnis ist beeindruckend.

Sonntag, 17.01.2021, 08:18 Uhr aktualisiert: 17.01.2021, 08:20 Uhr
Erwin Löhr in seinem Atelier: Auf der Staffelei ist sein neuestes Werk zu sehen, das eine Nachempfindung von Raffaels Darstellung „Madonna della Sedia“ ist.
Erwin Löhr in seinem Atelier: Auf der Staffelei ist sein neuestes Werk zu sehen, das eine Nachempfindung von Raffaels Darstellung „Madonna della Sedia“ ist. Foto: gro

Erwin Löhr hat es wieder getan. Er hat sich an den nächsten großen Meister der Kunstgeschichte gewagt. Erst Michelangelo, jetzt Raffael .

Ausgerechnet, könnte man sagen. Denn nie hat es einen schärferen Wettstreit zwischen zwei Künstlern gegeben als vor 500 Jahren. Manche sprechen gar von einem Kunst-Krimi, der sich im Herzen des Vatikans abspielte: Michelangelo gestaltete die Sixtinische Kapelle. Der junge Raffael malte 1509 die nicht minder berühmten „Stanzen“ des Papstes, ein Appartement im Vatikan .

Etwa in diese Zeit geht Raffaels Darstellung „Madonna della Sedia“ zurück. Der Künstler malt die Gottesmutter, allerdings in einer ganz anderen Weise als zuvor, betont Erwin Löhr. Marias Rolle als Mutter komme in der Gestaltung der Nähe zu ihrem Kind schön zum Ausdruck. „Mit religiös begründetem Abstand hat das nichts mehr zu tun“, sieht Löhr eine Abkehr Raffaels von den bis dahin vorherrschenden mystisch-himmlischen Darstellungen.

Als „stimmig und stimmungsvoll“, hebt Löhr die Komposition hervor. Raffael hatte die klassische kreisrunde Form gewählt, auch Tondo genannt. „Die Rundgestaltungen ermöglichen eine verstärkte Themenkonzentration.“

Für seine Version hat der 86-jährige Löhr die Originalgröße von 71 Zentimeter Durchmesser gewählt. Allerdings hat er auf einige Details verzichtet. Die bei Raffael angedeutete Gloriole hat er ebenso wenig übernommen wie das Kreuz des Johannes, dem zweiten Kind auf dem Bild. Zwischen den beiden Kindern hat die Distanz ein wenig vergrößert. Da er bei Maria die Mustergestaltung des Schultertuches als zu kleinteilig empfand, hat er sie lieber außen vorgelassen.

Nach seinem Michelangelo-Bild, das er Ende November mit einem unverkennbaren Hauch von Florenz fertiggestellt hat, ist Raffael nun der zweite Vertreter der italienischen Hochrenaissance, dem Löhr sich künstlerisch annähert. „Du kannst dich mal versuchen an dem nächsten Weltmeister“, habe er sich nach der durchweg positiven, fast schon hymnischen Resonanz gedacht, die seine „Michelangelo-Nachempfindung“ erfahren habe.

Beim Vergleich der beiden Arbeiten sei ein kleines Geheimnis verraten: Raffael scheint Löhr eine Spur besser zu liegen. Er sieht es ebenfalls so.

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