Erfolgreiches Online-Angebot des Vorleseclubs Hiltrup
5000 unsichtbare Zuhörer

Münster-Hiltrup -

„Vorlesen lebt doch eigentlich vom unmittelbaren Kontakt mit den Zuhörern?“, schreibt der Vorleseclub. Er suchte deshalb nach anderen Wegen, sein vor 15 Jahren gestartetes Angebot auch in Zeiten von Corona-Beschränkungen aufrecht zu erhalten. Offenbar war er damit erfolgreich.

Montag, 18.01.2021, 07:32 Uhr aktualisiert: 18.01.2021, 07:40 Uhr
Erst war der Vorleseclub skeptisch, ob Online-Lesungen wirklich funktionieren – doch das Angebot wird gut angenommen.
Erst war der Vorleseclub skeptisch, ob Online-Lesungen wirklich funktionieren – doch das Angebot wird gut angenommen. Foto: Grottendieck

Kultur füllt selten Stadien. Auch dem Hiltruper Vorleseclub reichten in der Vergangenheit das Café Klostermann, das Hiltruper Museum, das Welthaus und andere ähnlich große Räume für die Lesungen. Im Frühjahr 2020 war deshalb die Sorge um so größer: Welche Konsequenzen würde Corona für diesen Teil des Hiltruper Kulturlebenshaben?

Einen Podcast höre er gern, das sei jetzt aktuell – diesen Tipp gab der IT-Spezialist, der die Homepage hiltrup.eu/vorleseclub betreut. Podcast, das war weit weg vom Stöbern in Literatur. Aber einen Versuch war es wer. Das professionelle Ohr von Günter Rohkämper-Hegel bestätigte nach der ersten Runde: Ja, qualitativ können die Aufnahmen sich durchaus hören lassen.

Als IT-Basis für den Download diente die vorhandene Internetseite. Dem Vorleseclub war es wichtig, das Angebot seiner Audio-Aufnahmen in der eigenen Hand zu behalten und nicht kommerziellen Anbietern wie zum Beispiel Youtube zu überlassen.

Neue Probleme waren bei jüngeren Texten zu bewältigen: Für öffentlich angebotene Audio-Aufnahmen erteilt nicht jeder Verlag ohne weiteres die urheberrechtliche Genehmigung. Häufig liegen diese Rechte bei Hörbuch-Verlagen. Aber manchmal hilft auch einfach zähes wiederholtes Nachfragen, bis der Verlag zustimmt und auf ein Honorar verzichtet – Honorare kann der ehrenamtlich arbeitende Vorleseclub schließlich nicht zahlen.

Dann wurde es spannend. Würde das Stammpublikum des Vorleseclubs dies Angebot überhaupt annehmen? Der Download-Zähler der Internetseite gab schnell Entwarnung. Die erste Online-Lesung „Frühlingsmomente“ im April 2020 „kam an“. Aber es gab auch Irritationen. „Einige Zuhörer waren zunächst überfordert“, erinnern sich die Akteure. Erst musste man die Audio-Datei herunter laden, die Datei speichern und dann mit irgendeinem Mediaplayer abspielen – das war zu kompliziert. Es dauerte, bis der IT-Spezialist den Mediaplayer direkt in die Internetseite integrieren konnte.

Zum Jahreswechsel sah die Bilanz gut aus: Der Vorleseclub hatte trotz aller Corona-Beschränkungen jeden Monat eine neue Online-Lesung produziert, „und es hatte ausgesprochen Spaß gemacht“, so die Pressemitteilung. Erst hätten sich nur die ganz mutigen Vorleser an die Arbeit mit dem Mikrofon herangetraut. Nach kurzem Zuhören seien weitere dazu gestoßen. Versprecher würden vom Mikrofon zwar gnadenlos dokumentiert, aber sie ließen sich korrigieren.

Bis zum 30. Dezember stieg die Zahl der Downloads auf 4236. Die Zugriffe über den Mediaplayer in der Internetseite sind darin nicht einmal enthalten. Wenn der Vorleseclub also von 5000 unsichtbaren Zuhörern spricht, dann ist diese Zahl sicher optimistisch (denn viele hören sich auch mehrere Texte an) – „aber sie belegt eine respektable Reichweite des Vorlese-Angebots“, schreibt der Vorleseclub. Für Januar und Februar 2021 sind bereits zwei Online-Lesungen terminiert, die nächste wird voraussichtlich am 26. Januar online gehen. Das Programm für die Zeit bis Februar 2022 ist in Vorbereitung. Themen-Ideen können noch per E-Mail an vorleseclub@hiltrup.eu vorgeschlagen werden.

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