Ökumenische Trauung bereits im Jahr 1942
„Wir mussten nach Münster“

Münster-Hiltrup -

Der Vater war evangelisch, die Mutter katholisch. Bereits im Jahr 1942 konnten die Eltern von Elisabeth Gortheil mit kirchlichem Segen in Münster heiraten. Dabei kamen sie aus Burgsteinfurt beziehungsweise aus Leer bei Horstmar. Wie es dazu kam, ist ihr bis heute ein Rätsel.

Montag, 22.03.2021, 09:54 Uhr aktualisiert: 22.03.2021, 17:26 Uhr
Elisabeth Gortheil und Heinz-Dieter Thiele blättern in dem Familienstammbuch. Bereits im Jahr 1942 heirateten die Eltern von Elisabeth Gortheil trotz unterschiedlicher Konfessionen in Münster.
Elisabeth Gortheil und Heinz-Dieter Thiele blättern in dem Familienstammbuch. Bereits im Jahr 1942 heirateten die Eltern von Elisabeth Gortheil trotz unterschiedlicher Konfessionen in Münster. Foto: gro

Elisabeth Gortheils Vater war evangelisch, ihre Mutter katholisch. Sie kam aus Leer bei Horstmar, er aus Burgsteinfurt, das bekannt traditionell evangelisch geprägt ist. Geheiratet wurde 1942 in Münster.

„Wir durften in Burgsteinfurt nicht heiraten, wir mussten nach Münster“, erzählt Elisabeth Gortheil, was sie und ihre beiden älteren Kinder stets von den Eltern hörten. Ganz offensichtlich war die Liebe stärker als Hindernisse, die sich dem jungen Paar damals in den Weg gestellt haben dürften.

Ökumenische Hochzeiten waren auch im katholischen Münster lange eine Seltenheit. Neulich stand in der Zeitung, die erste ökumenische Trauung habe es 1971 gegeben. Das kann gar nicht sein, sagt Heinz-Dieter Thiele , während er ein in Leinen gebundenes Stammbuch der Familie in den Händen hält. Er ist der Lebensgefährte von Elisabeth Gortheil.

Was in den kleinen Orten des Münsterlandes damals ein Ding der Unmöglichkeit war, war in Münster bereits machbar. Wenn auch hier Hochzeiten zwischen Angehörigen unterschiedlicher Konfessionen nicht gerne gesehen waren. Hartnäckig halten sich in vielen münsterischen Familien die Erzählungen, wie noch in der Nachkriegszeit so mancher Pfarrer den Bräutigam bei der Bestellung des Aufgebotes mit den Worten zur Seite nahm, ob er sich denn keine andere Braut hätte aussuchen können.

Die Ehe von Bernhard Friedrich Kolthoff und Alwine Hesse, den Eltern von Elisabeth Gortheil, wurde in der Kirche St. Ludgeri in Münster geschlossen. Mitten im Krieg war das offenbar möglich. Pfarrer Reidick beurkundete, den beiden am 16. Juli 1942 das heilige Sakrament der Ehe gespendet zu haben. Ob das ausschließlich nach katholischen Ritus erfolgte, ließ er offen. Oder ob es tatsächlich eine ökumenische Trauung nach heutigen Verständnis war.

Die Konfessionen und die jeweiligen Geburtsjahre der Brautleute sind im Stammbuch notiert, nicht aber die Wohnorte und auch nicht die Berufe. Er war Hufschmied und Schlosser in Burgsteinfurt. Sie arbeitete vor der Hochzeit als Kellnerin und später, als die Kinder zu erziehen waren, im Hotel Detering in Burgsteinfurt als Zimmermädchen.

Auch Heinz-Dieter Thiele weiß aus eigener Anschauung, was es in der Nachkriegszeit hieß, Kind von Eltern zu sein, die ökumenisch getraut waren. In Freckenhorst, wo er 1948 geboren wurde, habe er häufig genug Ausgrenzungen erlebt. Heute lebt das Paar zufrieden in einer Wohnung in Hiltrup-West.

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