Kinderhaus
Schlüssel ist übergeben

Mittwoch, 30.04.2008, 22:04 Uhr

Münster-Kinderhaus. Seit heute ist der Verein Schlaraffia Mimegarda Münster Eigentümer der 1956/1957 nach den Plänen des Architekten Professor Gustav Wolf erbauten Markus-Kapelle. Zur symbolischen Schlüsselübergabe trafen sich Pfarrer Winfried Reglitz von der Emmaus-Gemeinde und Werner Riemann gestern auf dem Grundstück am Borkumweg. Zwei Jahre haben beide miteinander verhandelt, offene Fragen in Ruhe besprochen und geklärt.

Mit dem Bau des Gemeindezentrums am Idenbrockplatz vor 25 Jahren verlagerte sich das Gemeindeleben. 1997 wurde der letzte Gottesdienst in der Markus-Kapelle gehalten. Die Mindereinnahmen der letzten Jahre hätten zur Suche nach einer dauerhaften Lösung geführt, so Pfarrer Reglitz.

Schlaraffia Mimegarda besteht in Münster seit 1920 und hat zurzeit 50 Mitglieder. Gegründet worden sei die weltweit tätige Organisation 1859 von Künstlern in Prag. Sie habe 11 000 Mitglieder in 263 Städten. Nach dem Krieg habe sich der Verein bei Pinkus Müller getroffen, die letzten 20 Jahren sei er in der Achtermannstraße 27 zuhause gewesen. Dort sei es etwas zu eng geworden, deshalb habe man sich nach einem neuen Domizil umgesehen, erläutert Werner Riemann.

Der Kontakt mit Kinderhaus sei über seine Anfrage beim Kreiskirchenamt zustande gekommen. Die Markus-Kapelle ist nicht das erste ehemalige kirchliche Gebäude, das von den Schlaraffen übernommen wurde. Auch in Koblenz habe der dortige Verein eine Kapelle erworben.

Die Markus-Kapelle hat „als Leistung eines bekannten Architekten Denkmalwert“, heißt es in der Beschreibung der städtischen Denkmalbehörde. Die Schlaraffen haben nun einen Förderverein gegründet, um erforderliche Renovierungsarbeiten in Abstimmung mit der Denkmalbehörde durchzuführen. Vorsitzender des Fördervereins ist Dr. Stefan Schüling, Telefon 0172 / 870 12 42.

Die Schlaraffen beschäftigen sich mit Musik, Kunst, Literatur. Innerhalb des Männerbundes trägt jeder einen Ritternamen. Welchen sozialen Status jemand im Alltag habe, spiele keine Rolle, so Riemann. Auch streitbare Themen – wie beispielsweise Politik – blieben außen vor. In den Anfängen im 19. Jahrhundert sei die Persiflage auf alles Staatliche ein wichtiges Element gewesen. Heutzutage widmeten sich die Schlaraffen vor allem der Pflege der Kunst und Kultur und seien sehr „humorbereit“, meinte Riemann schmunzelnd. „Man ist unter Freunden.“ Bei den Treffen – etwa zu einem Dichter – folgten auf die Darstellung der historischen Fakten über Leben und Werk kurze prägnante Vorträge.

Riemann selbst schätzt den jährlichen Tag, der Wilhelm Busch gewidmet ist: Dann werden zum Beispiel Vierzeiler vorgetragen, die Busch geschrieben hat „oder hätte schreiben können“, erzählt Riemann. In der Schlaraffensprache hat Busch übrigens den Namen „Ritter Huckebein“. Und der Vorsitzende der Schlaraffen trage den Namen Ritter Longinus Ventriloquist, weil sein Hobby die Bauchrednerei sei.

Ein- bis zweimal im Jahr gibt es auch Veranstaltungen gemeinsam mit den Frauen.

Am letzten Wochenende im September planen die Schlaraffen in Kinderhaus einen Tag der offenen Tür mit allen Nachbarn.

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