Kinderhaus
Solidarität nach Schicksalsschlag

Mittwoch, 22.07.2009, 18:07 Uhr

Münster-Kinderhaus - Es war im Mai 2008, als über die Kinderhauser Familie Toma eine Tragödie hereinbrach. Ihr Autounfall bei Binsheim , bei dem der Vater starb, die Mutter und drei der insgesamt vier Kinder zum Teil schwer verletzt wurden, schien alles zunichte gemacht zu haben. Familienglück, Zuversicht - auf einmal waren es Fremdworte. Das Schicksal der Familie Toma berührte in Kinderhaus viele, denn viele kannten und schätzten sie.

Und viele wollten helfen. Zumal die beiden Töchter auf sich allein gestellt waren, da sich ihr Bruder und ihre Mutter aufgrund der schweren Verletzungen monatelangen medizinischen Behandlungen unterziehen mussten. Erschwerend kam hinzu, dass umgehend eine neue Wohnung benötigt wurde, denn der heute 19-jährige Dany ist seit dem Unfall auf einen Rollstuhl angewiesen.

Nur, aus Kinderhaus wollte die Familie auf keinen Fall fortziehen, denn in dem Stadtteil hatte sie sich immer wohlgefühlt.

Und so sollte sich in dem tragischen Fall der Tomas bewahrheiten, was die Bewohner des Stadtteils längst wissen: „Kinderhaus ist ein Dorf“. Dementsprechend wurde der Familie geholfen.

Von der ersten Minute an betreut wurde sie von Angela Vrbanec, Sozialarbeiterin bei der Kinderhauser Arbeitslosen-Initiative (KAI). Sei es, um bei der Organisation der Beerdigung zu helfen oder die vielen Formulare auf den Behördenweg zu bringen.

Und Ismet Keles vom Begegnungszentrum Sprickmann­straße war es schließlich, der die Wohnungsbaugesellschaft Sahle auf den Fall aufmerksam machte und sie um Unterstützung bei der Wohnungssuche für die Familie Toma bat.

Adelgund Schmitz , Mieterbetreuerin bei Sahle, zögerte keinen Moment zu helfen. „Mich hat das Schicksal dieser Familie tief berührt“, sagt sie. Die Sahle-Geschäftsleitung habe danach sehr schnell grünes Licht gegeben, „die einzige geeignete Wohnung in unserem Kinderhauser Bestand freizumachen, indem den dortigen Mietern eine andere Wohnung zur Verfügung gestellt wurde“.

Danach sei es Schlag auf Schlag gegangen, um die 110 Quadratmeter große Wohnung in der Brüningheide behindertengerecht umzubauen. Aufgebracht wurden die 70 000 Euro Baukosten von der Haftpflichtversicherung der Familie. „Gerade einmal acht Wochen haben die Handwerker benötigt“, erinnert sich Rüdiger Policnik vom Sahle-Gebäudemanagement. Selbst der kleine Garten sei den Bedürfnissen des Sohnes angepasst worden.

Adelgund Schmitz ist immer noch beeindruckt von dieser „bemerkenswerten Kooperation im Stadtteil“. Alle hätten an einem Strang gezogen. „Selbst die Handwerksfirmen haben Überstunden gemacht, um alles fristgerecht fertig zu kriegen. Man spürte, dass alle Beteiligten mit Herzblut dabei waren.“

Dank der vielfältigen Hilfe ist auch wieder die Zuversicht in die Familie zurückgekehrt. Dany Toma blickt in den Garten und lächelt dabei ein wenig: „Ich bin sehr froh und dankbar, dass wir nicht woanders hinziehen mussten und in Kinderhaus bleiben können.“

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