Diskussion im Bürgerhaus mit Landesbauminister Michael Groschek über hohe Mieten
„Vieles ist schief gelaufen“

Münster-Kinderhaus -

Birgit Fofana (43) ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern, voll berufstätig und in Münster auf Wohnungssuche. Etwas Bezahlbares zu finden, sagt sie, sei eigentlich unmöglich. Mehr als 900 Euro könne und dürfe sie nicht ausgeben, weil sie vom Jobcenter zusätzliche Leistungen erhalte. So wie ihr geht es rund 4600 Menschen in Münster, die bei Wohnungsgesellschaften auf der Warteliste stehen.

Freitag, 13.09.2013, 20:09 Uhr

Über zu hohe Mieten in Münster diskutierte Landesbauminister Michael Groschek unter anderem mit der alleinerziehenden Mutter von drei Kindern, Birgit Fofana, die zurzeit eine bezahlbare Wohnung in Innenstadtnähe sucht.
Über zu hohe Mieten in Münster diskutierte Landesbauminister Michael Groschek unter anderem mit der alleinerziehenden Mutter von drei Kindern, Birgit Fofana, die zurzeit eine bezahlbare Wohnung in Innenstadtnähe sucht. Foto: mfe

Weil Mieten in Münster zurzeit extrem in die Höhe schießen, hatte der WDR zu einem Stadtgespräch mit Birgit Fofana, dem Landesbauminister Michael Groschek, Hartwig Schultheiß, Dezernent für Planung, Bau, Wirtschaft und Marketing bei der Stadt Münster, und der Bauingenieurin Sabine Binken­stein in das Bürgerhaus eingeladen.

Münster sei die drittteuerste Stadt in Nordrhein-Westfalen, durchschnittlich neun Euro pro Quadratmeter müssten Mieter bezahlen. Eine 145 Quadratmeter große Wohnung im Kreuzviertel könne auch schon einmal 1900 Euro kalt kosten. Dass das zu Probleme führe, war den Beteiligten bekannt. Über mögliche Lösungen wurde viel diskutiert. Münster sei als Wohnstandort attraktiv, die hohe Nachfrage führe dazu, dass Mieten steigen, so Schultheiß. In Regionen mit Leerständen sei das anders. In Münster werde viel gebaut, erklärte er, gab aber auch zu, dass es zu wenig Investoren für Sozialwohnungen gebe. Das sei vielen nicht lukrativ genug. Auch der Politik gab er Schuld an der Misere, die Baugebiete meist nur für Einfamilien- oder Reihenhäuser ausweisen wolle. „Es fehlen aber Mietwohnungen.“ Zwar baue die städtische Gesellschaft Wohn- und Stadtbau zurzeit rund 200 Wohnungen. Dass das nicht reiche, sei ihm aber klar.

„In der Vergangenheit ist eine ganze Menge schief gelaufen“, betonte Groschek. Er forderte eine Mietpreisbremse. Dass der Bund die Britenwohnungen nur zum Höchstpreis verkaufe, hält Groschek für falsch. „Diese Immobilien müssten zu einem bestimmten Prozentsatz für Sozialwohnungen vorgehalten werden.“

Sabine Binkenstein warnte davor, nur die einkommensschwachen Familien in den Blick zu nehmen. Wenn die Mieten weiter so ansteigen, könnten sich auch Personen mit mittlerem Einkommen in den Städten keine Bleibe mehr leisten. Solvente berufstätige Paare ohne Kinder und Tiere seien vorrangige Zielgruppe der Vermieter in der Innenstadt.

Sorge machten sich Bürger darüber, dass viele Wohnungen in den nächsten Jahren aus der Sozialbindung fallen. „Dafür brauchen wir ein Maßnahmenbündel“, so Schultheiß, „bei dem alle mithelfen müssen.“ Wie das aussehen soll, sagte er nicht. Birgit Fofana ist mit einem Blick in die Zukunft auch nicht geholfen. Sie sucht jetzt und kassiert oft schon am Telefon Absagen. Auch schon einmal mit der Begründung: „Drei Kinder sind zwei zu viel.“

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