„Riegel vor - sicher ist sicher“
Die Einbrecher kommen am Tag

Münster-Kinderhaus -

90 Prozent der Einbrüche ereignen sich am Tag. Die Polizei fasst darunter die Zeit zwischen 8.30 bis 21 Uhr zusammen, nachts seien Einbrecher bevorzugt im gewerblichen Bereich unterwegs – weil sich dann dort niemand aufhält.

Freitag, 22.11.2013, 07:11 Uhr

Polizeioberkommissar Volker Kriens (r.) beriet am Donnerstag im Mokido im Bürgerhaus mit seiner Kollegin Sigrid Busse viele Bürger. Auch Gerd Kuhlmann holte sich Tipps.
Polizeioberkommissar Volker Kriens (r.) beriet am Donnerstag im Mokido im Bürgerhaus mit seiner Kollegin Sigrid Busse viele Bürger. Auch Gerd Kuhlmann holte sich Tipps. Foto: kaj

Zum Schutz vor Einbruch gibt es vier Dinge, die jeder Haushalt nach Ansicht der Polizei erfüllen sollte: ein Telefon am Bett, geprüfter Aufhebelschutz an allen erreichbaren Fenstern und Türen, eine deutlich lesbare Hausnummer und ein Rauchmelder im Schlafzimmer, auf jeder Ebene und auf dem Fluchtweg. Diese Kriterien listete Polizeioberkommissar Volker Kriens auf, der am Donnerstag im Mokido im Bürgerhaus mit Kollegen innerhalb der landesweiten Aktion „Riegel vor“ Bürger beriet. Ihr Rat war sehr gefragt.

Ungesicherte Türen oder Fenster seien in 15 bis 30 Sekunden geknackt. „Die Täter setzen einen Zehn-Millimeter-Schraubenzieher von 40 Zentimeter Länge an und erreichen damit eine Hebelkraft von 500 bis 700 Kilogramm“, erläuterte der technische Fachberater der Polizei Münster. Eine gesicherte Tür hingegen halte drei bis fünf Minuten Stand.

Drei bis fünf Minuten sei ein Zeitraum, der Einbrecher schon überlegen lasse aufzugeben. Wenn er sich irgendwo wohlfühle, weil die Stelle, an der er einbreche zum Beispiel nicht eingesehen werden könne, lasse er sich eher mehr Zeit. „Einbrecher kalkulieren nüchtern Aufwand und Ertrag. Sie erwarten im Schnitt pro Einbruch 100 Euro und etwas Schmuck“, berichtete Kriens.

Eine die Tat vorbereitende Handlunge gebe es meist nicht. In der Kombination Frau mit Frau, Mann mit Frau oder Frau mit Mann und Kind zögen Einbrecher durch die Wohngebiete, schauten sich die Häuser an und entschieden sich dann spontan für ein Objekt. Die Zeitung vom gestrigen Tag, die verwittert aus dem Briefkasten schaut, kann dann schon eine Einladung sein.

Zehn Prozent der Einbrüche passierten von der Frontseite des Hauses aus, 20 Prozent von der Seite und 70 Prozent von hinten. Und bei 90 Prozent dieser Einbrüche von der Rückseite eines Hauses würden Fenster oder Türen aufgehebelt.

Da sich das Gros der Einbrüche tagsüber ereignet, berät die Polizei vor allem in puncto Sicherheitstechnik.

„Wir empfehlen keine Handwerker und keine Marken. Wir orientieren uns an DIN- und VDS-geprüften Systemen“, unterstrich Volker Kriens. Beim Landeskriminalamt gebe es eine Liste mit rund 450 Handwerksbetrieben, die qualifiziert seien, die empfohlene Sicherheitstechnik einzubauen. Kriens: „Sie haben die Monteure und das Material.“

Was im Einzelnen für eine Wohnung oder ein Haus infrage kommt, klärt die Polizei bei der Beratung vor Ort. Am einfachsten ist es, gleich beim Hausbau auf Sicherheit zu achten. Aber auch die Möglichkeiten der Nachrüstung sind vielfältig. Ist das geschehen, kontrolliert die Polizei noch einmal.

Prinzipiell gilt: Aufmerksame Nachbarn sind Gold wert. Fallen Unbekannte im vertrauten Umfeld auf, könne man sie durchaus ansprechen, rät Kriens. Manche Einbrecher klingelten sogar vorm Einbruch. Ihm fällt da jener Mann ein, der das Klingeln unter der Dusche nicht gehört hatte und, als er aus dem Badezimmer kam, zwei Unbekannte in seinem Flur traf, die sich mit fadenscheinigen Ausreden zurückzogen. Der Mann sei so irritiert gewesen, dass er erst eine Viertelstunde später die Polizei angerufen habe, so Kriens. Die kam und fasste die Einbrecher – im Nebenhaus.

Sie erwarten im Schnitt pro Einbruch 100 Euro und etwas Schmuck.

Volker Kriens
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