Podiumsdiskussion über Altersarmut
Lebensabend in Armut - Betroffene nehmen häufig erst spät Hilfe in Anspruch

Münster-Kinderhaus -

Im Alter sehen sich viele Menschen mit Armut konfrontiert. Welche Auswirkungen das haben kann, erläuterten Fachleute der Diakonie, der Stadt und des Sportbundes mit Bürgern in einer Podiumsdiskussion in Münster-Kinderhaus.

Dienstag, 28.01.2014, 12:01 Uhr

Über Altersarmut informierten
Über Altersarmut informierten Foto: dpa

Armut hat viele Gesichter. Eines davon ist die immer stärker zunehmende Armut im Alter. Die staatliche Grundsicherung – die alleine in Kinderhaus 156 Rentner beziehen – reicht selten aus, um in Würde den Lebensabend zu verbringen. Anlässlich dieses großen Problems luden Diakonie und Caritas zum Thema „Arm, alt, ausgegrenzt? – Gemeinsam gegen Altersarmut “ interessierte Bürger in die Markus-Kirche ein.

Der von Thomas Krollmann vom Begegnungszen­trum Sprickmannstraße und Dr. Norbert Ammermann von der Markus-Gemeinde moderierte Abend skizzierte gleich zu Beginn die Situationen von drei Rentnern, die in einer ZDF-Reportage von ihrem Leben erzählten: ein älterer Herr, der nachts in Containern nach Essen sucht, oder eine Dame, die ihren gesamten Schmuck verkaufen muss, um ihre Existenz zu sichern – einige der Besucher in der Markus-Kirche kannten solche Geschichten.

Viele Bürger reagierten am Donnerstagabend sehr emotional: „Es ist schrecklich, was hier passiert“, versicherte eine Bürgerin in einer Wortmeldung. Ihrer Meinung nach sei Altersarmut „vor allem weiblich“.

Gabriele Völker-Honscheid vom Sportbund Münster schilderte, wie schwer es für viele bedürftige Rentner sei, aus der Situation zu entkommen: „Armut ist ein Teufelskreis. Das ist eine Spirale, die sehr schnell immer enger wird.“ In ihrem Vortrag referierte die Sportlehrerin, „dass Isolation und Armut auch schnell mit der Vernachlässigung der Gesundheit einhergehen“.

Die Expertinnen von der Diakonie, Bettina Krämer und Marion Lischka , bieten Schuldnerberatung und Präventionsangebote an. Sie informieren über die Haushaltsführung oder die Rentenvorsorge. Jedoch sei es auch für die Beratungsstellen schwer zu helfen, wenn ein günstiger Zeitpunkt für Hilfe schon längst überschritten sei: „Prävention ist schwer, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, berichtete Marion Lischka.

Wie sensibel das Thema ist, zeigten auch einige Reaktionen auf die Vorträge der Referenten: „Den Armen nur Tipps zu geben, hilft auch niemandem“, sagte ein Bürger. Statistische Zahlen, die Kristina Lichte vom Sozialamt vorstellte, untermauerten die Annahmen vieler Bürger: Der demografische Wandel wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen: Bereits jetzt sind 25 Prozent der Bevölkerung im Stadtteil über 60 Jahre alt – die Tendenz ist steigend. Besonders die Gruppe der über 80-Jährigen wird größer: Dort kann mit einem Anstieg um 63 Prozent gerechnet werden.

Armut ist ein Teufelskreis. Das ist eine Spirale, die sehr schnell immer enger wird.

Gabriele Völker-Honscheid
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