„Kinderhaus mon amour“ feiert Halbzeitparty
Müll erscheint in neuem Licht

Münster-Kinderhaus -

Die Kunstwerke versteckten sich zwischen Blumen und Pflanzen. Afrikanische Trommelklänge lagen in der Luft, während die letzten Strahlen der Abendsonne den Raum erhellten. In der Gärtnerei Moldrickx in Kinderhaus fand die Halbzeitparty der zweiwöchigen Kunstaktion „Kinderhaus mon amour“ statt.

Sonntag, 17.08.2014, 21:08 Uhr

Der Künstler Dilomprizulike erläutert bei der Halbzeitparty der Kunstaktion „Kinderhaus mon amour“ seine aus Schrott geformten Frauenskulpturen.
Der Künstler Dilomprizulike erläutert bei der Halbzeitparty der Kunstaktion „Kinderhaus mon amour“ seine aus Schrott geformten Frauenskulpturen. Foto: bsc

Das Ehepaar Moldrickx stellte die eigene Gärtnerei zur Verfügung, weil die Party wegen der Unwetterschäden nicht – wie ursprünglich geplant – im Bürgerhaus stattfinden konnte. Der international bekannte nigerianische Künstler Dilomprizulike und Christian Umeobika sorgten mit rhythmischer Trommelmusik für eine stimmungsvolle Atmosphäre.

In der weitläufigen Gärtnerei verweilten die Besucher bei kühlen Getränken, diskutierten und ließen sich inspirieren. Die Künstler präsentierten ihre in der ersten Woche der Aktion entstandenen Werke zum Motto „Kunst ist Müll ist Kunst“. „Die Ideen der Künstler gehen weit auseinander“, erzählte Mitorganisator Jochen Koeniger . Die Bandbreite umfasse die Darstellung von Verfallsprozessen und der Ästhetik des Mülls. Auch gesellschaftspolitische Themen kämen nicht zu kurz.

„Ich habe eine Möglichkeit gesucht, Ablehnung darzustellen“, erklärte Mechthild Weiling-Bäcker , eine in Kinderhaus wohnende Künstlerin. Ihr noch nicht vollendetes Bild handelt von einem mutmaßlichen Mord, der Anfang Januar Kinderhaus erschütterte. Ein Mann soll aus verweigerter Liebe erst seine frühere Partnerin und dann sich selbst umgebracht haben. „Der Mord ging mir sehr nahe, weil ich selbst in Kinderhaus wohne“, berichtete Weiling-Bäcker. Ein anderes, schon älteres Bild von ihr thematisiert die extremen sozialen Gegensätze, mit denen sie bei ihrer Arbeit im Sozialbüro täglich konfrontiert wird.

Organisator Koeniger betonte, dass es bei der zweiwöchigen Kunstaktion in den Stadtteilen Kinderhaus und Coerde auch um Stigmatisierung in den beiden sogenannten Problembezirken gehe. Koeniger selbst fand die Faultürme in der Kläranlage in Coerde „besonders spannend“ und malte sie. „Dieses Funktionalgebäude wirkt wie ein utopisches Gebilde aus einem Science-Fiction-Film“, schwärmte er.

Dilomprizulike, der trommelnde Stimmungsmacher, hat seinen Fokus auf die Verarbeitung von Schrott gelegt. Er formte Frauenskulpturen, die er auch bei seiner musikalischen Darbietung präsentierte. „Das Material hat seine ursprüngliche Funktion verloren“, erklärte er. Ähnlich verhält es sich mit alten Fahrrädern, die der Nigerianer zu Kunstwerken verarbeitet. „An diesen Fahrrädern hängen viele Emotionen“, sagte er, etwa weil es das alte Fahrrad der Oma sei. Anstatt die Räder wegzuwerfen, würden die Leute sie ihm anvertrauen. So hätten sie weiterhin einen Nutzen.

Die Kunstaktion als Spiegelbild einer Gesellschaft wird fortgesetzt: „Kunst ist Müll ist Kunst“ – am Sonntag (24. August) öffnet um 11 Uhr im Atrium am Sprickmannplatz die Ausstellung.

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