Nach der Unwetter-Katastrophe
Die Macht des Wassers

Münster-Nord -

Fazit der Stadt: Hallenbad Kinderhaus erst in eineinhalb Jahren wieder nutzbar.

Donnerstag, 28.08.2014, 08:08 Uhr

Blick auf die neue Kita Kinderbach,  direkt nach dem Unwetter: Auch Bürgerhaus und Hallenbad liefen voll. Über die Unwetterfolgen informierte die Verwaltung in der Sitzung der Bezirksvertretung Nord, die in der Speicherstadt stattfand.
Blick auf die neue Kita Kinderbach,  direkt nach dem Unwetter: Auch Bürgerhaus und Hallenbad liefen voll. Über die Unwetterfolgen informierte die Verwaltung in der Sitzung der Bezirksvertretung Nord, die in der Speicherstadt stattfand. Foto: Oliver Werner

Münsters Norden war von der Unwetter-Katastrophe extrem betroffen. Die Menschen werden sich noch Monate, zum Teil Jahre mit den Folgen ausein­andersetzen müssen. Auf Antrag der SPD zog Gerhard Rüller , Abteilungsleiter beim Tiefbauamt, in der Sitzung der Bezirksvertretung Nord in der Coerder Speicherstadt ein Fazit. Etliche Bürger besuchten die Sitzung, um sich zu informieren.

Eines machte Gerhard Rüller von Anfang an klar: Solch ein Naturereignis „ist mit technischen Mitteln nicht in den Griff zu bekommen“. Eine Aussage, die eine trügerische Sicherheit für die Zukunft vorgaukeln würde, sei von ihm nicht zu erhalten. Wohl gehe es darum, in der Zukunft bei ähnlichen Ereignissen Schäden zu mildern. 220 bis 230 Liter pro Quadratmeter, das war die Regenmenge, die Kinderhaus traf. Rüller: „Die Kanalnetze sind auf solch ein Ereignis nicht ausgelegt.“ Die Menschen erlebten die Macht des Wassers, Türen und Fenster zerbarsten.

Wichtig sei gewesen, dass viele Bürger Fotos geschickt und ihre Beobachtungen mitgeteilt hätten, wie es wo ausgesehen, welchen Weg sich das Wasser gesucht habe. „Wir sind auf die Infos der Anlieger angewiesen“, sagte Gerhard Rüller. In einigen Bereichen seien Keller von unten vollgelaufen: „ein altes Problem der Rückstau-Sicherung“. Das Tiefbauamt könne niemanden zwingen, sie einzubauen, nur empfehlen, es zu tun. Vollgelaufene Keller könnten aber auch ein Problem durch Fehlanschlüsse im privaten Bereich sein. Das Tiefbauamt sei stets bereit, gemeinsam mit den Anliegern die Ursachen zu erforschen: „Wir kommen raus und beraten persönlich.“

Der Igelbach hatte sich in Kinderhaus als großes Problem erwiesen: Die gesamte Kanalisation in dem Bereich soll von einem externen Ingenieurbüro nachgerechnet und überprüft werden, „damit wir wissen, an welchen Stellen die Probleme sind. Es soll ein vernünftiger Weg gefunden werden.“ Viele Experten gebe es nicht, die Büros kämen vom Niederrhein, aus Hannover oder Hamburg. Das Tiefbauamt warte zurzeit auf die Angebote dieser Firmen. Für die Verwaltung habe die Aufarbeitung der Katastrophe Priorität, andere Aufgaben würden verschoben. „Sie können sicher sein, dass wir die Hände nicht in den Schoß legen“, so Rüller. Die Verwaltung werde diesen Prozess transparent machen.

Udo Köster , Leiter der Bezirksverwaltung Nord und künftig Referent von Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer, war Mitglied des Krisenstabs. Er zog ein kurzes Fazit: über 3000 Feuerwehreinsätze von 3500 Helfern von Berufsfeuerwehr, THW und Freiwilliger Feuerwehr in vier Tagen, 25 000 betroffene Haushalte, ein Gesamtschaden von 30 Millionen Euro an der städtischen Infrastruktur (70 betroffene Gebäude von Kitas über Schulen bis zum Hallenbad). Das Untergeschoss der frisch eröffneten Kita Kinderbachtal befindet sich wieder im Rohbauzustand, die Inneneinrichtung ist komplett hinüber: Die Bezirksvertretung hilft mit einen Zuschuss von 10 000 Euro aus ihren Mitteln.

Das Untergeschoss von Bürgerhaus und Hallenbad sei vollgelaufen, weil Scheiben am Schwimmbad barsten, erläuterte Köster. Beim Bürgerhaus werde es wohl acht Wochen dauern, bis die oberen Räume wieder in Betrieb genommen werden können: Elektrik, Heizung, Lüftung, Brandmelder, IT und Telefonanlage – alles hinüber. Das Hallenbad werde wohl erst in eineinhalb Jahren wieder zu nutzen sein.

10 000 Tonnen Müll wurden in drei Wochen beseitigt, normal seien 6000 Tonnen im Jahr. Leider sei auch Sperrmüll abgestellt worden, der nichts mit dem Unwetter zu tun hatte, auch hätten Bürger aus dem Umland ihren Müll in Münster entsorgt.

Sowohl Köster als auch Bezirksbürgermeister Manfred Igelbrink dankten allen Helfern, den Profis und den privaten, darunter auch der Facebook-Gruppe „Regen in Münster“ für ihren engagierten Einsatz.

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