Friedhof an der Gasselstiege
Sie fielen in den letzten Kriegstagen

Münster-Kinderhaus -

Der kleine Friedhof an der Gasselstiege ist als Denkmal eingetragen. Erläuterungen für Passanten fehlen.

Dienstag, 13.10.2015, 22:10 Uhr

Zehn schlichte Steinkreuze  erinnern an der Gasselstiege an die Soldaten, die dort kurz vor Kriegsende fielen. Drei von ihnen waren nicht älter als 18 Jahre. Ein Schild, das die Geschichte des Friedhofs erzählt, gibt es nicht.
Zehn schlichte Steinkreuze  erinnern an der Gasselstiege an die Soldaten, die dort kurz vor Kriegsende fielen. Drei von ihnen waren nicht älter als 18 Jahre. Ein Schild, das die Geschichte des Friedhofs erzählt, gibt es nicht. Foto: kaj

Professor Gustav Dieckheuer schätzt die ländlichen Spazierwege am Rand von Kinderhaus. Als er unlängst den kleinen Friedhof an der Gasselstiege passierte, stieß er dort auf junge Leute, die sich nach der Bedeutung dieses Ortes erkundigten. „Eine Gedenktafel oder ein Hinweisschild“, so Dieckheuer, würde er an diesem Ort begrüßen.

Zehn schlichte steinerne Kreuze erinnern auf diesem Friedhof an Soldaten, die in den letzten Kriegstagen starben. Drei von ihnen waren gerade mal 18 Jahre alt.

Seit dem 6. Januar 1993 ist dieser Friedhof als Ehrenfriedhof in der Denkmalliste der Stadt Münster eingetragen. „Kurz vor Kriegsende, am 2. und 3. April 1945, fielen bei der Verteidigung Münsters zehn zum Teil erst 17- und 18-jährige deutsche Soldaten in der Nähe des Hofes Große-Jüdefeld. Sie wurden von der Besitzerfamilie des Hofes, Holtmann , auf eigenem Grund bestattet und das Hofkreuz zu den Gräber transloziert“, schreibt die Denkmalbehörde zur Beschreibung der historischen Nutzung und Bedeutung.

Das Grundstück, auf dem der Friedhof liegt, sei 1961 der Stadt Münster geschenkt worden, um das Ruherecht der Gefallenen an diese Stelle und die weitere Grabpflege zu sichern. Die Planung, den Friedhof aufzuheben und die Toten auf eine größere Anlage umzubetten, sei 1962 endgültig fallengelassen worden. Die Obhut für den Friedhof hat seit 1963 der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge übernommen.

Das neugotische Wegekreuz des Friedhofs stammt aus dem Jahr 1884 und wurde ursprünglich in der Nähe des Hofes Lütke-Jüdefeld aufgestellt, „um für die glückliche Vollendung der Hofgebäude zu danken“, so die Denkmalbehörde.

Der Friedhof sei als eine der wenigen Kriegsgräberstätten Münsters ein wichtiges Zeugnis von Sepulkralkultur der Weltkriegszeit: Er erlangt Denkmalwert aus stadt- und kulturgeschichtlichen, das Kreuz als ehemaliges Wegekreuz zusätzlich aus hof- und siedlungsgeschichtlichen Gründen“, wertet die münsterische Denkmalbehörde.

Der Ehrenfriedhof fand 2013 auch Aufnahme in eine Denkmalserie der Stadt Münster, die sich dem Gedenken am Wegesrand widmete. Aus über 100 Objekten in Münster an Straßen, Gebäuden, in Parks und auf Friedhöfen, die an Opfer von Krieg und Gewalt erinnern, wurde auch der kleine Friedhof an der Gasselstiege ausgewählt. In der Denkmalserie wird ausgeführt, dass die Leichen der Soldaten von Theodor Holtmann und einem Nachbarn gefunden wurden. „Sie wickelten sie in Zeltplanen ein, bevor sie aus Nächstenliebe und Achtung vor den Menschen für eine würdige Bestattung sorgten. Nachdem Pastor Rensing von der Dreifaltigkeit-Pfarre den Boden gesegnet hatte, wurden die sterblichen Überreste der Soldaten im Schatten des Kreuzes beerdigt. Ihre Stahlhelme hingen an den Kreuzen…“ heißt es in der Denkmalserie der Stadt Münster. Die Familie Holtmann habe sich bis zur Übergabe 1961 an die Stadt Münster um die Grabstätten gekümmert.

Auch den münsterischen Künstler Emil Stratmann muss dieser kleine Friedhof berührt haben. Er hat ihn gezeichnet.

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