Kunst am Rand
Ästhetik für Entdecker

Münster-Kinderhaus -

Kunst am Rand ist das neue Ausstellungsformat in Kinderhaus. Die Vernissage war gut besucht. 60 Exponate von 45 Künstlern zum Thema „Kunst und Alter“ finden sich an drei Standorten im Stadtteil: in Haus Wilkinghege, in der Gärtnerei Moldrickx und in der Kleingartenanlage Münsterblick.

Montag, 06.06.2016, 18:06 Uhr

Sonnig und spannend: Der Auftakt von Kunst am Rand“ ist gelungen. „Ein Neuanfang war dringend nötig“, meinte Kurator Jochen Koeniger . Er verbindet mit dem Projekt das Ziel, die Kunstszene in Kinderhaus in den Fokus zu rücken. Die positive Außendarstellung für Kinderhaus betonte auch Bezirksbürgermeister Manfred Igelbrink.

Dr. Annette Georgi , die auch das Vorläuferprojekt „ Kunst trifft Kohl “ jahrelang begleitete, führte durch die drei Standorte Haus Wilkinghege, Gärtnerei Moldrickx und Kleingartenanlage Münsterblick. „Es ist gelungen, viele ganz tolle Künstler zu gewinnen, die das Projekt wirklich bereichern“, meinte die Kunsthistorikerin.

Eingeladen wurden Künstler, die sich an „Kunst trifft Kohl“ beteiligt hatten, zudem gab es die Möglichkeit einer Bewerbung. Das Thema: „Kunst und Alter“. Nun präsentieren 45 Künstler 60 Exponate in Kinderhaus.

„Wir hatten Kontakte mit dem Alten- und Pflegeheim Wilkinghege aufgenommen, so ist die Idee entstanden, dass wir das Alter zum Thema der Ausstellung machen“, sagte Kurator Jochen Koeniger. „Jedoch nicht einschränkend, sondern inspirierend. Es gibt viele lustige, aber auch ernste und nachdenkliche Zugänge von Seiten der einzelnen Künstler.“

Die Führung begann bei schönstem Sonnenschein am Haus Wilkinghege: Dort finden sich die Arbeiten sowohl draußen als auch drinnen. Die großen Außenflächen von Haus Wilkinghege bieten einen idealen Rahmen für Kunst.

Einige Werke entfalten sich erst durch die Mitwirkung der Besucher: So muss man beim Kunstwerk „Evolution“ von Volker Wessendorf kräftig in die Pedale treten, damit sich das übergroße rote Gesicht auffaltet. Die New Yorker Künstlerin JoAnn hingegen lädt bei ihrer Arbeit dazu ein, einen Baum zu umarmen. „Frauen in Münster“ heißt der Beitrag von Teresa Häuser: Frauen modellierten kleine Statuen von sich, in Anlehnung an Giacometti.

Ende August wird unter allen Künstlern ein Preisträger ermittelt. Zur Jury gehören Dr. Gail Kirkpatrick, Leiterin der Kunsthalle Münster, Kunsthistoriker Dr. Stephan Trescher und Judith Hofmann, Galeristin aus Enschede.

Auch das luftige Gewächshaus der Gärtnerei Moldrickx ist ein charmanter Rahmen für Kunst. Dort werden Arbeiten in den Gewächshäusern gezeigt, von Skulpturen über Malerei bis hin beispielsweise zur Installation „goldwert“ von Constanze Unger, bei der man sich mit Münzen die Füße waschen kann.

Bistra Brozio etwa hat Bulgariens berühmtesten Bettler, das 100-jährige „Großväterchen Dobri“ aus Baylowo gemalt, der selbst asketisch lebt, seit 20 Jahren in Sofia für die orthodoxe Kirche in Bulgarien bettelt und Zehntausende Euro spendete.

Zu den Werken, die sich sehr direkt mit dem Thema Alter auseinandersetzen, gehört etwa das Fotoprojekt „Wim & Suus“, das ein Ehepaar im hohen Alter sehr nah porträtiert. Joost Meyers Mondfische sind Hingucker – die Originale gleiten durch die Tiefen der Ozeane. „Alte Liebe“ findet sich im Gewächshaus ebenso wie der „Silent Dance“ von Jacomijn Schellevis, ein weißer Schwan aus Kerzen.

Zu Abschluss wechselte die Führung zur Kleingartenanlage Münsterblick. „Dort hat auch schon die allererste ‚Kunst trifft Kohl‘-Ausstellung stattgefunden“, erklärte Annette Georgi. Auch diesmal begrüßte der Vorsitzende Besucher und Künstler auf der Anlage: Heinz Theodor Vormann freute sich über die Gartenkunst. Mit viel Augenzwinkern ist Marlies Terörde mit ihrer Umarmungsfigur und dem Streichel-Tunnel unterwegs. Volker Wessendorf testete beides gut gelaunt, bevor es zu seinem Kunstwerk ging. Ein paar Handgriffe, noch dann steht „Das Dasein“: Die Arbeit wird er verändern in den Wochen bis zum Ende der Ausstellung.

„Circle of Dance“ von Andreas Laugesen, „Water my Babies“ von Danielle Spoellman, ein Videobeitrag im Kunstgartenhaus von Martina Lückener: Es gibt viel zu entdecken bis zum 1. Oktober.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4062652?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F139%2F4848147%2F4848154%2F
Nachrichten-Ticker