Vorschlag der Bürgerinitiative Igelbach
Neue Wege für Fluten

Münster-Kinderhaus -

Statt durch Kinderhaus hindurch, könnte das Oberflächenwasser bei Extremregen um Kinderhaus herum zu Aa geleitet werden, schlägt die Bürgerinitiative Igelbach vor.

Freitag, 17.06.2016, 23:06 Uhr

An­dreas A. Franz , Sprecher der Bürgerinitiative Igelbach, war im Urlaub, als er zufällig mitbekam, dass Münster am 9. Juni ein Unwetter drohte. „Da habe ich schnell die Kinder angerufen, damit sie alle Fenster schließen.“ Regenmassen, gesteht er, machten ihn unruhig.

So geht es vielen Menschen, die beim Juli-Unwetter vor knapp zwei Jahren große Schäden erlitten haben. Knapp 300 Liter Regen pro Quadratmeter kamen vor zwei Jahren in Münster herunter. In Kinderhaus gründete sich daraufhin die Bürgerinitiative Igelbach. Sie hat jetzt einen Lösungsvorschlag zum Hochwasserschutz erarbeitet, der vom Tiefbauamt geprüft werde, so Franz. Die Idee der BI ist, das Wasser um Kinderhaus herumzuleiten, damit es nicht mehr durch den Stadtteil fließt.

„Wenn man am Kreisel bei Finke steht und nach Kinderhaus hinüberschaut, sieht man die abschüssige Lage“, sagt Franz. Durch diese „Tallage“, wie Franz sie bezeichnet, überfluteten die Wassermassen Hunderte von Kellern, das Zen­trum, Bürgerhaus mit Bücherei und Schwimmbad. Der Norden Münsters – Coerde, Kinderhaus – und auch Greven versanken in den Fluten. Die Folgen der Katastrophe sind bis heute nicht abschließend behoben.

Die Bürgerinitiative geht davon aus, dass das Kanalsystem auch in Zukunft solch enorme Wassermengen, wie Münster sie vor zwei Jahren erlebte, „nicht bewältigt“.

Sie schlägt vor, das Oberflächenwasser aufzufangen, das von Westen aus Richtung des Golfplatzes und von den Hochflächen am östlichen Ende des Altenberger Höhenzugs herabfließt. Es soll, so die Idee der Bürgerinitiative, in größtenteils schon vorhandene Gräben geleitet und dem natürlichen Gefälle folgend zur münsterischen Aa geführt werden.

Die bereits bestehende Entwässerungsgräben, die die Bürgerinitiative für ihren Vorschlag nutzen möchte, haben eine Länge von rund 3500 Metern. Doch führen sie bislang noch nicht durchgängig bis zur Aa. Zwei Entwässerungsgräben müssten neu angelegt werden: ein 770 Meter langer Graben im Bereich von Golfplatz und Gasselstiege sowie ein weiterer 360 Meter langer Graben über einen Acker.

Damit die Oberflächenabflussspitzen aufgenommen werden können, sollen streckenweise vorhandene Gräben „zu landwirtschaftlich nutzbaren Mulden“ vergrößert werden und eine Neuverbindung über kurze Strecken der vorhandenen Wasserwege geplant werden.

„Dammartigen Erhöhungen auf der Ortsteilseite“ in einige Bereichen sollen dafür sorgen, „die Gefährdung von umleitungsnahen Siedlungsbereichen sicher auszuschließen“. Die Lösung der Bürgerinitiative lasse eine „naturnahe Gestaltung ausdrücklich zu“ und verzichte auf hässliche Technik.

Dem Tiefbauamt sei das Konzept bereits vorgestellt worden, so Andreas Franz. Es werde geprüft und solle auch der Bezirksvertretung Nord vorgestellt werden. Im Vergleich zu den Millionenschäden, die durch das Hochwasser entstanden, seien die Investitionen in diese Arbeiten niedrig.

Die Bürgerinitiative geht davon aus, dass ihr Vorschlag in Kombination mit den geplanten hydraulischen Optimierungen des Abwassersystems Kinderhaus besser vor Starkregen schützt. 

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