Kunst am Rand
„Vollendung ist eine Illusion“

Münster-Kinderhaus -

„Das Dasein“ verändert sich. Nach der Fertigstellung der Skulptur von Volker Wessendorf haben jetzt Sonne, Wind und Regen freie Hand.

Donnerstag, 18.08.2016, 06:08 Uhr

Die imposante Skulptur  „Das Dasein“ von Volker Wessendorf erhielt das letzte fehlende Teil und wird von jetzt an nach und nach verwittern.
Die imposante Skulptur  „Das Dasein“ von Volker Wessendorf erhielt das letzte fehlende Teil und wird von jetzt an nach und nach verwittern. Foto: fre

Nun ist es soweit: Volker Wessendorfs Skulptur „Das Dasein“ ist rund zweieinhalb Monate nach der Eröffnung der Ausstellung „Kunst am Rand“ komplett und hat ihre volle Pracht erreicht. Die eindrucksvolle menschliche Figur ganz in Rot findet sich in der Kleingartenanlage Münsterblick an der Wienburgstraße und ist wegen ihrer beachtlichen Größe schon von Weitem zu sehen. Doch was es mit dem Artefakt auf sich hat, das besonders durch seine vier Arme auffällt, erklärt sich nicht von selbst.

Das Thema von „Kunst am Rand“, der Ausstellung, deren 60 Exponate noch bis zum 1. Oktober in den Außenanlagen von und in Haus Wilkinghege, in der Gärtnerei Moldrickx und in der Kleingartenanlage zu sehen sind, ist „Kunst und Alter“.

Wessendorf kam auf die Idee, eine vergängliche Skulptur zu gestalten. „Das Altern ist unausweichlich und allumfassend. Alles verändert sich. Jeder noch so kleine Stein ist permanent im Wandel. Das fasziniert mich sehr“, erklärt der Künstler.

Der Clou: Auch sein Exponat verändert sich ständig. Denn wo nun ein fertiges Menschenabbild zu sehen ist, stand zu Beginn der Ausstellung lediglich eine einfache Konstruktion aus Holz. „Die Figur soll den Wandel zeigen und selbst mitmachen“, sagte Wessendorf. So kamen immer neue Einzelteile hinzu.

„Es ist ein tolles Gefühl, nun das letzte Stück anzubringen“, schwärmte der Künstler.

Fertig sei sein Kunstwerk allerdings noch längst nicht. „Die Vollendung ist bloß eine Illusion. Das Altern ist ein Prozess ohne Anfang und Ende, und wir sehen nur den Prozess.“ Sämtliche Körperteile der Skulptur bestehen deswegen aus rot bemalter Pappe. „Wind und Wetter werden dafür sorgen, dass die Figur bis zum Ende der Ausstellung zunehmend an Gestalt verliert“, erklärt der Künstler.

Auch das Rätsel um die vier Arme, die in alle Himmelsrichtungen zeigen, löste Wessendorf: „Das symbolisiert den allumfassenden Aspekt des Alterns.“

Wer es nicht schafft, dem „Dasein“ mehrere Besuche abzustatten, kann die Entwicklung der Skulptur auch auf Facebook verfolgen. Auf Wessendorfs Seite findet sich eine ausführliche Dokumentation in Bildern. Wer diesen Prozess direkt verfolgen möchte, stattet der Kleingartenanlage Münsterblick hin und wieder einen Besuch ab. Zumal sich dort noch etliche weitere Exponate von „Kunst am Rand“ befinden.

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