Gertrudenmahl im Heimatmuseum
Reichlich Bier: Wasser war tabu

Münster-Kinderhaus -

Speisen wie im Mittelalter. 33 Gäste kamen am Freitagabend ins Kinderhauser Heimatmuseum zum Gertrudenmahl, in Erinnerung an das historische Fastenfestmahl für Leprakranke um 1600.

Sonntag, 19.03.2017, 00:03 Uhr

Der Vorsitzende der Gesellschaft für Leprakunde, Dr. Ralf Klötzer, griff persönlich zur Suppenkelle und versorgte die Gäste.
Der Vorsitzende der Gesellschaft für Leprakunde, Dr. Ralf Klötzer, griff persönlich zur Suppenkelle und versorgte die Gäste. Foto: con

„Bitte geben Sie den Löffel nicht ab.“ Mit diesem Aufruf sorgte Dr. Ralf Klötzer, Vorsitzender der Gesellschaft für Leprakunde, gleich zu Beginn für gute Laune. 33 Gäste kamen am Freitagabend ins Kinderhauser Heimatmuseum zum Gertrudenmahl, in Erinnerung an das historische Fastenfestmahl für Leprakranke um 1600. Dieses bedeutete nicht Verzicht, sondern das Beachten besonderer klösterlicher Vorschriften, was „fröhlich machen“ sollte, betonte Dr. Klötzer.

Verboten war der Verzehr von Produkten warmblütiger Tiere. Dafür standen zehn Fischsorten zur Auswahl. Am Freitag gab es zwei davon beim Vier-Gänge-Menü: Stockfisch und Karpfenfilet, kulinarischer Höhepunkt für einige Gäste.

Die neun Kranken wurden damals in Kinderhaus so gut versorgt, dass viele Hautkranke einen Fußweg nach Köln auf sich nahmen, in der Hoffnung, man könne Lepra diagnostizieren, berichtete Klötzer.

Eine Linsen-Graupen-Biersuppe eröffnete das Menü. Mit der Nachspeise konnten sich nicht alle anfreunden. Beim Apfel-Gewürz-Küchlein aus Weizenmehl vermissten viele die Sahne. Doch es sollte originalgetreu gekocht, getrunken und gegessen werden. Darum fehlte die Gabel als Besteck. Statt der damals noch unbekannten Kartoffel gab es Erbsenpüree. Pumpernickel war üblich, doch beim Festmahl auch feingeschrotetes Roggenbrot erlaubt und reichlich Bier, denn Wasser war tabu.

Bevor der Vorsitzende selbst zur Suppenkelle griff und servierte, kredenzte er historisches Wissen als Aperitif und stellte die mutigen Mittelaltergourmets untereinander vor. Manche waren extra aus Osnabrück oder Coesfeld angereist, einige zum ersten Mal dabei.

Nach Originalrezepten gekocht hatte das Team der WIVO GmbH, die auch das Evangelische Krankenhaus versorgt. Kulinarischer Höhepunkt für Klötzer und für viele eine Neuentdeckung war das Feigen-Apfel-Gemüse. Über all dem wachte auf einem Sonderplatz beim Festmahl die Patronin der Leprakranken, die heilige Gertrud, als Holzfigur, geschnitzt von Albert Nadolle.

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