Reformatorische Tafelrunde in Kinderhaus
Gabeln galten als Teufelswerk

Münster-Kinderhaus -

Im Markus-Gemeindezentrum ging es zu wie im Mittelalter: „Futtern wie bei Luthern“ hieß dort ein lukullischer Abend ganz im Zeichen des großen Reformators.

Sonntag, 07.05.2017, 19:05 Uhr

Reformatorische Tafelrunde: Doris Hummerich-Zimmermeier (l.) sowie Barbara Trubel und Olaf Trubel (1.u.2.v.r.) kredenzten Speisen aus Luthers Zeiten und ließen den Reformator durch seine „Tischreden“ auch selbst zu Wort kommen.
Reformatorische Tafelrunde: Doris Hummerich-Zimmermeier (l.) sowie Barbara Trubel und Olaf Trubel (1.u.2.v.r.) kredenzten Speisen aus Luthers Zeiten und ließen den Reformator durch seine „Tischreden“ auch selbst zu Wort kommen. Foto: sn

Gabeln gibt es nicht, die waren im 16. Jahrhundert verpönt. Und deswegen fehlten sie auch beim Schmaus im Markus-Gemeindezentrum am Freitagabend. „Futtern wie bei Luthern“ war das Motto, passend zum Reformationsjahr. Die Gäste konnten sich auf Speisen freuen wie sie damals üblich waren. Und auch auf geistigen Genuss: Tischreden gab es zu hören, die zu seinen Zeiten der Reformator höchstpersönlich gehalten hatte.

„Das sieht ja richtig festlich aus, hat man früher so gespeist?“, fragte ein Kinderhauser, der sich wie etliche andere Teilnehmer für den besonderen kulinarischen Abend angemeldet hatte. Ja, Kerzenschein gab es damals auch schon, nur war es noch etwas voller. An Luthers Tisch hätten damals seine Studenten, seine Familie, sowie Vertreter aus dem Adel und der Geistlichkeit gesessen. Mithin seien das bis zu 30 Personen gewesen, erklärte Barbara Trubel , die gemeinsam mit Olaf Trubel und Doris Hummerich-Zimmermeier die Speisen zubereitet hatte.

Die besagten Gabeln gab es nicht, sie galten als Teufelswerk. Messer mussten die Gäste Luthers selbst mitbringen, Löffel wurden gestellt. Da hatten es die Kinderhauser bequemer, sie brauchten kein Besteck dabei zu haben.

Allgemeine Spannung machte sich breit. Was sollte nun folgen? „Ich bin hier heute auch zu Gast“, meinte Pfarrerin Barbara Stoll-Großhans. Als erstes sollte eine Vorspeise serviert werden, nämlich „Lombardische Suppe“, was so viel wie Karottensuppe ist. Dann der Hauptgang: Brathering mit Erbsenpüree. Das sei Luthers Lieblingsspeise gewesen, so Barbara Trubel, die habe er immer verlangt, wenn es ihm schlecht gegangen sei. Erbsenpüree war damals eine übliche Nachspeise: „Kartoffeln gab es damals noch nicht“, erklärte Olaf Trubel. Und schließlich – nichts für Vegetarier – folgte ein Schmorbraten mit Fleisch vom Rind, Lamm und Schwein. Und natürlich gab es Luthers Weisheiten zu hören. Gott gebe die Welt den Sündern, so meinte er etwa: „Was meinst Du, wird er für Güter denen geben, die durch den Glauben gerecht sind worden?“

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