Digital total? – Technische Mediennutzung in der Schule
Intensive Nutzung digitaler Medien birgt auch Risiken

Münster-Kinderhaus -

Unter dem Titel „Digital total? – Technische Mediennutzung in der Schule und warum die Kreidezeit noch nicht zu Ende ist“ hatte ihn die Katholische Elternschaft Deutschlands (KED) im Bistum Münster in Kooperation mit den Schulen des Schulzentrums Kinderhaus ins Pädagogische Zentrum eingeladen.

Montag, 15.10.2018, 19:34 Uhr
Digitale Medien waren das Thema von (v.l.) Ralf Bolhaar (FH Münster), Marie-Theres Kastner (Vorsitzende der KED Münster), Dr. Walter Brinkmann (stellvertretender Schulleiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums) und Harald Holtwick (Leiter der Grundschule am Kinderbach).
Digitale Medien waren das Thema von (v.l.) Ralf Bolhaar (FH Münster), Marie-Theres Kastner (Vorsitzende der KED Münster), Dr. Walter Brinkmann (stellvertretender Schulleiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums) und Harald Holtwick (Leiter der Grundschule am Kinderbach).

„Kinder-Uhren mit Abhörfunktion oder ein in den Backenzahn implantiertes Telefon sind schon heute Realität“, so Ralf Bolhaar , Diplom-Sozialarbeiter und Lehrkraft an der Fachhochschule Münster . Er führte im Kinderhauser Schulzentrum in die aktuellen Entwicklungen rund um die Digitalisierung ein.

Bolhaar erläuterte vor mehr als 50 Zuhörern die Mediennutzung von Jugendlichen, heißt es in einer Pressemitteilung der KED. Der Umgang mit Medien bringe aufgrund der fast unbegrenzten Spiel-, Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten viele Vorteile und mache zudem auch Spaß. Schon 92 Prozent der zwölf- bis 13-Jährigen besäßen ein Smartphone. Die Nutzungstendenz steige in allen Altersgruppen – auch bei den Senioren – deutlich an.

Es gibt laut Bolhaar Risiken: „Laut aktuellen Studien zum Medienverhalten schauen Kinder und Jugendliche im Durchschnitt fast im Fünf-Minuten-Takt auf ihr Smartphone, aber auch Erwachsene lassen sich stündlich mehrmals durch das Handy ablenken.“ Insbesondere bei Jugendlichen spiele für die intensive Nutzung auch der Gruppendruck eine wichtige Rolle: „Fühlen sich Teenager genötigt, auf jede Whats-App-Nachricht zu reagieren oder nicht aus dem Online-Spiel auszusteigen, können sogar Burnout-Symptome wie Schlafstörungen, Unruhe und Konzentrationsschwierigkeiten auftreten“, verdeutlichte Bolhaar.

Der Umgang mit Medien an der Schule wird europaweit kontrovers diskutiert. So wurde in Frankreich sogar ein gesetzliches Verbot von Smartphones an Schulen erlassen. In Deutschland geht man individuellere Wege. „Unseren Schülerinnen und Schülern ist es bis zur Oberstufe untersagt, in ihren Pausen das Smartphone zu benutzen. So finden wieder mehr persönliche Gespräche statt“, so Ralf Cyrus, Leiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Die Entscheidung sei zwischen Eltern, Schülern und Lehrern nach längerer Diskussion in der Schulkonferenz getroffen worden.

„Kinder arbeiten gerade in der Schule oft sehr motiviert mit digitalen Medien – die Lerneffekte hängen aber vom fachgerechten Einsatz und einer guten thematischen Passung ab“, erläuterte Bolhaar. Voraussetzung für positive Auswirkungen sei die Förderung der Medienkompetenz bei Lehrenden und Schülern.

Zum Schluss appellierte Ralf Bolhaar: „Was Kinder brauchen, sind positive Erlebnisse auch ohne Medien. Treffen mit Gleichaltrigen, Zeit mit der Familie, ein regelmäßiges Hobby, Zeit in der Natur, ausreichend Schlaf – dann erübrigt sich meist die minutengenaue Berechnung und Begrenzung der Medienzeiten.“

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