Der MGV Cäcilia Kinderhaus gibt seinen Mitgliedern Lebensenergie
Mehr als nur ein Chor

Münster -

Familie – was ist das eigentlich? Vater, Mutter und ein Haufen Kinder. Klar. Wenn es gut läuft. Aber selbst dann: Die Kinder werden groß, ziehen in eine andere Stadt, gar in ein anderes Land. Irgendwann, hoffentlich erst spät, stirbt der Vater, die Mutter, der Ehemann, die Ehefrau. Übrig bleibt oft ein einziger Mensch.

Dienstag, 25.12.2018, 13:04 Uhr aktualisiert: 27.12.2018, 14:59 Uhr
Zusammen ist man stärker: Wenn die Stimmen der 60 aktiven Mitglieder des MGV Cäcilia Kinderhaus erklingen, wird Alter zur Nebensache.
Zusammen ist man stärker: Wenn die Stimmen der 60 aktiven Mitglieder des MGV Cäcilia Kinderhaus erklingen, wird Alter zur Nebensache. Foto: Jürgen Christ

Auf nur drei Dirigenten haben die Männer in den vergangenen knapp vier Jahrzehnten gehört. So manch andere Gruppe, so manche Firma und nicht zu vergessen so manche Partei in dieser Republik würde sich glücklich schätzen, wenn sie das geschafft hätte. Als Franz Graczol neulich beim großen Konzert, das der Männergesangsverein Cäcilia 1890 Kinderhaus einmal im Jahr im gleichnamigen Stadtteil von Münster gibt, durch die Eingangstür des dortigen Bürgerhauses kam, klatschten die Sänger, die ihn erblickten, spontan und hörbar im ganzen Saal.

Um die 500 Menschen fasst dieser Raum. Sie zollten ihrem langjährigen Chorleiter damit ihren tiefen Respekt, ihre tiefe Dankbarkeit und gewiss auch ihre tiefe Freude darüber, dass er als normaler Gast, obwohl es ihm gesundheitlich nicht gut geht, zum Konzert gekommen war.

Der Chor probt montags

60 aktive und 240 passive Mitglieder hat der MGV Cäcilia. Es ist Montag, kurz nach 19.30 Uhr. Langsam füllt sich – wie an nahezu jedem Montag im Jahr – das katholische Pfarrzentrum St. Josef. Hier probt der Chor.

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Die Pausen, das Ankommen und das Danach sind genauso wichtig, wie die Chorprobe selbst. Foto: Jürgen Christ

Die Männer, die nach und nach eintrudeln, bringen viele Jahrzehnte Leben mit zur Probe. Um die 50 sind es heute Abend. Die Jungspunde sind noch unter 70, viele aber bereits 80 und älter. Theo Welling ist sogar 91 Jahre. Er ist damit das älteste aktive Mitglied – und er macht nicht den Eindruck, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird. Etwas jünger ist Heinz Gerling. „Unfassbar wichtig“, sagt er, sei der Montagabend für ihn. Vielleicht sogar Familienersatz?

Kraft im Saal

Familie – was ist das eigentlich? Bei vielen, die nicht geheiratet und auch keine Kinder haben, sind es Freunde. Bei denjenigen, deren Kinder ein eigenes Leben führen und deren Partner dazu vielleicht schon gestorben ist, sind es im besten Fall auch der Tischtennisverein, der Kartenclub oder eben wie hier der Chor, der Halt gibt.

Traurig geht es beim MGV Cäcilia Kinderhaus montagabends aber keineswegs zu. Ruhig auch nicht. Und wenn die Stimmen der Männer zusammen erklingen, ist Kraft im Saal zu spüren.

Chorprobe beim MGV Cäcilia Kinderhaus

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  • Wenn die Stimmen der 60 aktiven Mitglieder des MGV Cäcilia Kinderhaus erklingen, wird Alter zur Nebensache.

    Foto: Jürgen Christ
  • Wenn die Stimmen der 60 aktiven Mitglieder des MGV Cäcilia Kinderhaus erklingen, wird Alter zur Nebensache.

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  • Die Pausen, das Ankommen und das Danach sind genauso wichtig wie die Chorprobe an sich.

    Foto: Jürgen Christ
  • Die Pausen, das Ankommen und das Danach sind genauso wichtig wie die Chorprobe an sich.

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  • Die Pausen, das Ankommen und das Danach sind genauso wichtig wie die Chorprobe an sich. Hier wird ein Geburtstagskind beglückwünscht.

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  • Die Pausen, das Ankommen und das Danach sind genauso wichtig wie die Chorprobe an sich.

    Foto: Jürgen Christ
  • Die Pausen, das Ankommen und das Danach sind genauso wichtig wie die Chorprobe an sich.

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  • Wenn die Stimmen der 60 aktiven Mitglieder des MGV Cäcilia Kinderhaus erklingen, wird Alter zur Nebensache.

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    Foto: Jürgen Christ
  • Wenn die Stimmen der 60 aktiven Mitglieder des MGV Cäcilia Kinderhaus erklingen, wird Alter zur Nebensache.

    Foto: Jürgen Christ
  • Wenn die Stimmen der 60 aktiven Mitglieder des MGV Cäcilia Kinderhaus erklingen, wird Alter zur Nebensache.

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  • Wenn die Stimmen der 60 aktiven Mitglieder des MGV Cäcilia Kinderhaus erklingen, wird Alter zur Nebensache.

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  • Wenn die Stimmen der 60 aktiven Mitglieder des MGV Cäcilia Kinderhaus erklingen, wird Alter zur Nebensache.

    Foto: Jürgen Christ
  • Wenn die Stimmen der 60 aktiven Mitglieder des MGV Cäcilia Kinderhaus erklingen, wird Alter zur Nebensache.

    Foto: Jürgen Christ
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  • Die Pausen, das Ankommen und das Danach sind genauso wichtig wie die Chorprobe an sich.

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  • Guido Rath ist erster Vorsitzender und stolz auf seine Mannschaft.

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  • Die Pausen, das Ankommen und das Danach sind genauso wichtig wie die Chorprobe an sich.

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  • Wenn die Stimmen der 60 aktiven Mitglieder des MGV Cäcilia Kinderhaus erklingen, wird Alter zur Nebensache.

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  • Notenausgabe: Die gehört natürlich dazu.

    Foto: Jürgen Christ
  • Das Klavier kommt zum Vorschein. Die Probe kann gleich beginnen.

    Foto: Jürgen Christ
  • Wenn die Stimmen der 60 aktiven Mitglieder des MGV Cäcilia Kinderhaus erklingen, wird Alter zur Nebensache.

    Foto: Jürgen Christ
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    Foto: Jürgen Christ

Die "jungen" Vorsitzenden

Dass die Atmosphäre so unbeschwert und – ja – irgendwie jung ist, liegt sicherlich auch an diesen beiden „Jungs“: Guido Rath (gerade mal 50) und Wolfgang Weßling (gerade mal 54). Sie sind seit zwölf Jahren erster beziehungsweise zweiter Vorsitzender dieser Gemeinschaft. Guido Rath ist Mitglied seitdem er 18 ist; Wolfgang Weßling kam in den Chor, weil er sozusagen musste, erzählt er schmunzelnd und fügt launig hinzu, dass er eigentlich gar nicht singen könne.

Wer sagt, dass ich singen kann?

Wolfgang Weßling

Er wollte die Tochter von Hans Rath , Schwester von Guido Rath, zur Frau – und die habe es nur gegen das Versprechen gegeben, Sänger im MGV Cäcilia zu werden, erzählen alle drei mit sichtlichem Vergnügen. Familienbande halt – hier die klassischen. 28 Jahre war Hans Rath selbst Vorsitzender des Chores.

Immer unterwegs

Wolfgang Weßling ist inzwischen längst zum Überzeugungstäter geworden. Das spürt jeder, der sich mit ihm eine Weile unterhält. Von kirchlicher Musik erzählt er, von Auftritten auch in Gotteshäusern. „Wenn Sie dort singen, da läuft Ihnen ein Schauer über den Rücken – das kann man nicht erklären, das muss man selbst erleben.“

Die Männer des MGV Cäcilia Kinderhaus mögen ein beachtlich hohes Durchschnittsalter in die Waagschale werfen, das hindert sie aber nicht daran, ständig unterwegs zu sein. Am dritten Adventssonntag sang der Chor im Evangelischen Krankenhaus in Münster – jedes Jahr macht er das. Am Freitag davor waren die Sänger beim SC Westfalia Kinderhaus zu Gast, der Sportverein weihte eine neue Tribüne ein. Selbstredend haben sie nicht nur angestoßen, sondern auch ihre Stimmen erhoben.

Im Mühlenhof in Münster trat der Chor eine Woche zuvor auf, tags drauf gab es eine große Nikolausfeier im Pfarrzentrum.

Auch Reisen im Programm

Einmal im Jahr findet das große, schon erwähnte Konzert im Bürgerhaus mit 400 bis 500 Zuhörern und Zuhörerinnen statt, darunter viele Eltern. Eltern bei einem Gesangsverein mit alten Herren? Ja! Und ob! Denn der MGV Cäcilia bestreitet dieses Konzert nicht allein: Stets sind das Salonorchester Münster sowie ein junges Ensemble dabei. Dieses Jahr war es die Gruppe „Bigas“: drei junge Flötistinnen, eine junge Frau an der Geige oder der Bratsche sowie ein Musiker am Cello.

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Guido Rath ist Vorsitzender des Chores. Foto: Jürgen Christ

Eine mehrtägige Reise mit den Frauen steht alle zwei Jahre auf dem Programm – und jeder, ob er auf den Spazierstock angewiesen ist oder nicht, kommt mit, wenn er möchte. „Die, die nicht so gut laufen können, bleiben zwischendurch mal im Café, wir holen sie wieder ab“, macht Guido Rath deutlich, dass das Leben viel einfacher ist, als der Mensch oft denkt. Mitunter wird ein Chormitglied, das nicht mehr ganz so gut zu Fuß ist, einfach untergehakt oder auch nur an die Hand genommen – und mit geht‘s.

Familienbande im Chor

James Schäfer leitet seit einem Jahr den Chor. Geprobt wird zunächst eine Stunde. Es folgen 15 Minuten Pause, in denen es ein Glas Bier gibt. Anschließend wird erneut eine Stunde gesungen. Am vorletzten Montag vor Weihnachten gab es anno 2018 dann noch ein wirklich außergewöhnliches Ereignis: eine Neuaufnahme. Der 41-jährge Hakob Hambardzumyan ist das neuestes und das jüngste Chormitglied.

Sehr traurig, das sagen alle Mitglieder, seien sie, dass es Neuaufnahmen so gut wie nicht mehr gibt. Heinz Feldmann war 17, als er in den Chor eintrat. Das war 1954. Heute ist er 81. Die Sänger sind füreinander da, in guten wie in schlechten Zeiten. „Das steht sogar in unserer Satzung“, sagt Guido Rath.

„Immer“ – so lautet seine spontane Antwort auf die Frage, ob der Chor auch bei einer Beerdigung eines Mitglieds singe. Dreimal war das in diesem Jahr der Fall. „Das kann man nicht gut haben“, sagt Guido Rath. Aber gekniffen wird nicht. Familienbande eben.

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