Ruth-Pfau-Ausstellung eröffnet
Beherzter Einsatz für Leprakranke

Münster-Kinderhaus -

Dem Leben und Wirken der Ordensschwester und Lepraärztin Ruth Pfau können Besucher des Lepramuseums in einer Ausstellung nachspüren.

Montag, 28.01.2019, 20:00 Uhr
Dr. Ralf Klötzer (r.) eröffnete die Ruth-Pfau-Ausstellung im Kinderhauser Lepramuseum.
Dr. Ralf Klötzer (r.) eröffnete die Ruth-Pfau-Ausstellung im Kinderhauser Lepramuseum. Foto: sn

Die Lepraärztin Dr. Ruth Pfau führte gleich mehrere Kämpfe. Nicht nur den gegen die Krankheit selbst, sondern auch den gegen die gesellschaftliche Stigmatisierung, unter der die Betroffenen noch immer zu leiden haben. Dem Leben und Wirken der Ordensschwester können jetzt Besucher des Lepramuseums in einer Ausstellung nachspüren.

Auf einer ihrer Rundreisen durch Pakistan entdeckte sie ein erkranktes Mädchen, das von ihren Angehörigen lebendig eingemauert worden war. Durch ein Loch bekam es nur Wasser und Fladenbrot. Pfau befreite das Mädchen, nahm es mit in ihr Hospital und behandelte seine Erkrankung.

„Wie viele von Ihnen haben Ruth Pfau noch gekannt?“, fragte Dr. Ralf Klötzer, Vorsitzender der Gesellschaft für Leprakunde (GfL), bei der Eröffnung in die Runde der vielen Besucher. Ungefähr die Hälfte zeigte auf. Regelmäßig sei Pfau zu Gast hier im Lepramuseum gewesen, sagte Klötzer. Es gibt nicht nur menschliche Zeitzeugen: Die Siecheneiche vor dem Heimatmuseum hat die Lepraärztin 1987 selbst gepflanzt. Manche Ableger hat es schon gegeben.

Anfang Dezember vergangenen Jahres kontaktierte Klötzer den Historiker Dr. Christopher Görlich und trug an ihn die Idee einer Ruth-Pfau-Ausstellung heran. Görlich sagte kurzerhand zu und konnte für das Projekt auf einen reichen Fundus zurückgreifen, nämlich auf die „Ruth-Pfau-Sammlung“ der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe, die an die GfL übergegangen ist. „Die Quellenlage ist toll“, meinte Görlich.

Und so konnte er bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag, die nicht zufällig mit dem Weltlepratag zusammenfiel, zunächst das Leben von Pfau Revue passieren lassen.

War es der frühe Tod des Bruders? Entschlossen widmete sich Ruth Pfau dem Medizinstudium, hier hatte sie ihre Bestimmung gefunden, doch nicht nur: Auch die Religion entdeckte sie für sich. In Paris trat sie dem Orden „Gesellschaft der Töchter vom Herzen Mariä“ bei. Ab 1960 lebte sie als Lepraärztin in Pakistan, dort gründete sie in der Stadt Karachi das Hospital „Marie Adelaide Leprosy Centre“. Hingebungsvoll und aufopfernd war ihre Arbeit. Es gebe Bilder, die sie bis zu den Oberschenkeln in Schlamm stehend bei einer Operation zeigten, so Christopher Görlich. Ihr war es wichtig, nicht nur die Menschen in der Stadt zu versorgen, sondern auch die in den unterentwickelten ländlichen Gebieten. Schließlich beriet sie auch die pakistanische Regierung bei der Durchführung von medizinischen Programmen gegen die Lepra.

Als Ruth Pfau starb, war das für alle ein Schock, so Görlich weiter. In Pakistan habe am 10. August 2017 für einen Augenblick das Leben stillgestanden, so steht es auf einer der sieben Schautafeln der Ausstellung. Für die christliche Ordensfrau gab es in dem islamisch geprägten Land ein Staatsbegräbnis.

Viele Ehrungen wurden ihr noch zu Lebzeiten zuteil, die Seligsprechung sei auf dem Weg. „Jeder, der sie erlebt hat, wird sie nicht vergessen“, meinte eine Ausstellungsbesucherin. „Die größte Ehre, die wir ihr zuteil kommen lassen können, ist, ihre Arbeit fortzusetzen“, sagte Klötzer überzeugt.

Einen großen, noch unerfüllten Wunsch hatte Ruth Pfau: Dass man eines Tages keine Krankenhäuser mehr brauche, sondern nur noch Museen, die sich mit der dann besiegten Krankheit beschäftigten. Ganz so weit ist es noch nicht, die Lepra gibt es immer noch. Aber, so erfuhren die Kinderhauser, ein Impfstoff befindet sich gerade in der Testphase: Und: In Brasilien ist gerade ein Lepramuseum eröffnet worden.

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