Sanierungsstau in der Schleife
Schimmel und kaputte Aufzüge

Münster-Kinderhaus -

Die eigene Wohnung ist ein wichtiger Rückzugsort, ganz egal wie man wohnt. Und die Miete an den Vermieter soll eigentlich ein sorgenfreies Wohnen ermöglichen. Wenn dieser auch seinen Sorgfaltspflichten nachkommt. Nicht geschehen ist das bislang im Fall von 630 Wohnungen in der Kinderhauser Schleife. Ein Besuch vor Ort, der zeigt, was Mieter aushalten müssen – auch in einer Stadt wie Münster.

Donnerstag, 18.04.2019, 18:36 Uhr aktualisiert: 18.04.2019, 19:43 Uhr
Lothar Esser, Xamina Khorosh, Thomas Kollmann, und Andreas Delbrügge (v.l.) ärgern sich über den anhaltenden Sanierungsstau, nicht nur an der Killingstraße.
Lothar Esser, Xamina Khorosh, Thomas Kollmann, und Andreas Delbrügge (v.l.) ärgern sich über den anhaltenden Sanierungsstau, nicht nur an der Killingstraße. Foto: Peter Sauer

Ob im Wohn- oder Kinderzimmer, in den Fluren oder draußen auf den Balkonen: Der Schimmel ist allgegenwärtig und immer mehr Bewohner erkranken daran. Feuchte Wände, der Putz bröckelt, im Treppenhaus riecht es nach Urin, gleich drei Aufzüge sind außer Betrieb und lassen vor allem ältere Menschen im zehnten Stock hilflos erscheinen: „Mitten im Schimmel wohnt zum Beispiel eine Asthmakranke Mutter mit ihren mittlerweile auch erkrankten Kindern – unfassbar!“, sagt Thomas Kollmann , Leiter des Begegnungszentrums Kinderhaus.

Von den 1100 Wohnungen in der Schleife gehören 630 der Wohnimmobiliengruppe BGP. Bereits am 2. April verkaufte BGP seine bundesweit 16 000 Wohneinheiten, darunter auch die in Kinderhaus, an ein Konsortium aus dem deutschen Immobilienunternehmen ZBI Gruppe und der Fond-Gesellschaft Union Investment . Das teilten die Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. Ihre Mieter in Kinderhaus wissen offiziell noch nichts davon. Laut Union Investment ermögliche der Besitzerwechsel den Anlegern, in schnell wachsende attraktive Wohnimmobilienfonds zu investieren. Ab dem 23. April sollen neuen Kontingente des Fonds bereitgestellt werden. Der Deal der bundesweit insgesamt 16 000 Wohnungen dürfte an die zwei Milliarden Euro schwer sein, vermuten Insider. Das Unternehmen selbst macht keine Angaben dazu.

Die Fenster sind in einem schlechten Zustand.

Die Fenster sind in einem schlechten Zustand. Foto: Peter Sauer

Die Bewohner der 630 Wohnungen in der Kinderhauser Schleife hoffen, dass der Besitzerwechsel ihnen endlich die versprochen Sanierungen und Modernisierungen bringt. „Letztes Jahr auf einer .Versammlung hat uns der alte Besitzer BGP die Sanierungen zugesichert“, sagt Thoma Kollmann, passiert ist – bis auf kleine Reparaturen – nichts.“ Ganz im Gegensatz zu den umliegenden Gebäuden münsterländischer Eigentümer, wie Sahle Wohnen oder Wohn-und-Stadtbau, die umfangreich saniert haben.

„Unser Bestand ist zum Teil 50 Jahre alt“, sagt Kollmann. „Eine wissenschaftliche Studie hat ergeben, dass 50 Prozent der Haushalte Schimmelprobleme haben.“ Auch Beatrix Lorsbach hat Angst: „Ich habe die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, COPD. Nicht auszudenken, wenn es irgendwann auch in meiner Wohnung schimmeln würde.“

Seit 20 Jahren wohnt Andreas Delbrügge hier: „Jeden Winter haben wir das gleiche Problem: Ständig fallen Heizung und Warmwasser aus. Die Rohre sind zu alt, die Systeme überlastet.“ Auch der Notdienst funktioniere nicht richtig.

Auch auf den Balkonen bröckelt und schimmelt es.

Auch auf den Balkonen bröckelt und schimmelt es. Foto: Peter Sauer

„Das Gesundheitsamt und der kommunale Sozialdienst der Stadt Münster kommen zu dem Schluss, dass viele Wohnungen so gut wie nicht mehr bewohnbar sind“, sagt Kollmann. Bei den alten und neuen Besitzern der Wohnungen gibt es keine Reaktion, außer einer Pressemitteilung von Jörg Kotzenbauer von Union Investment: „Die Bewirtschaftung der Wohnungen verbleibt in den bewährten Händen der BGP-Mitarbeiter. Für die Mieter in den Wohnimmobilien ändert sich mit der Transaktion nichts.“

Genau das hatte die Mieterinitiative BGZ Kinderhaus befürchtet. Deshalb wird sie nun die Sanierungen einfordern. Für Mai wollen sie ein Mängelkataster erstellen bis hin zu den Gesundheitsgefahren. Das soll nicht nur den neuen Fond-Eigentümer erreichen. „Jetzt ist Schluss mit Monopoly. Wir lassen uns keine faulen Ostereier mehr ins Nest legen“, betont Initiativensprecher Thomas Kollmann. Es müsse auch schon deshalb etwas passieren, weil mögliche Fördermittel bald auslaufen. In der zweiten Mai-Woche trifft sich die Mieter-Initiative das nächste Mal.

  Foto: Peter Sauer

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