Kinderhauser Rapperin Miss RWK
Reime gegen Intoleranz

Münster -

Eigentlich wäre ihr Song „Vibe“ gar nicht erschienen. Denn für eine Studioproduktion hat die 19-jährige Rapperin Miss RWK aus Kinderhaus noch kein Geld. Doch dann kam ihr ein Projekt zur Hilfe.

Dienstag, 14.05.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 14.05.2019, 08:06 Uhr
Rapperin Miss RWK alias Risper Wangui Kabui stammt aus Mombasa (Kenia) und lebt seit zehn Jahren in Münster. Die 19-jährige startet mit ihrem ersten Song „Vibe“ durch. Das Video entstand in der Kinderhauser Schleife, wie auch dieses Foto.
Rapperin Miss RWK alias Risper Wangui Kabui stammt aus Mombasa (Kenia) und lebt seit zehn Jahren in Münster. Die 19-jährige startet mit ihrem ersten Song „Vibe“ durch. Das Video entstand in der Kinderhauser Schleife, wie auch dieses Foto. Foto: Peter Sauer

Entschlossen setzt die zierliche Frau den großen Kopfhörer auf und mit den ersten Beats lässt sie das raus, was ihr schon lange auf der Seele brennt: „People told me: Look at your hair! You are different. Because of my skin.“ Für die 19-Jährige Münsteranerin Miss RWK ist das „unter Wert“, anders zu sein, nur weil sie eine schwarze Hautfarbe hat. Kraftvoll rappt Miss RWK, dass man intoleranten Stimmungen in der Gesellschaft oder im persönlichen Umfeld nicht folgen darf.

Das Licht der Welt erblickte Risper Wangui Kabui , wie Miss RWK im normalen Leben heißt, in Mombasa, Kenia. Mit neun Jahren kam sie nach Deutschland: „Eine Tante lud meine Mutter, mich und meine Schwester ein, sie zu besuchen. Uns gefiel es so gut, dass wir jetzt seit zehn Jahren in Deutschland leben.“ Über das niedersächsische Wagenfeld und über Coerde kam die Familie nach Kinderhaus. Seit November hat Risper Wangui Kabui eine eigene Wohnung. Sie spricht Swahili und Kikuyu, Englisch und akzentfrei Deutsch und diese Mischung prägt auch ihren Debüt-Song „Vibe“.

Eigentlich zu teuer

Es ist Risper Wangui Kabui wichtig „immer an sich zu glauben, nie zu verstummen“ – und das allen Neidern zum Trotz. „Ich wollte einfach etwas Sinnvolles machen. Über die Freiheit eines jeden Menschen singen und frei tanzen. Über das, was mich beschäftigt“, sagt die junge Frau mit den fein geflochtenen Rastalocken.

Eigentlich wäre ihr Song „Vibe“ gar nicht erschienen, denn für eine Studioproduktion hat die 19-jährige noch kein Geld. Da half ihr das Projekt „K-town Productions von Cactus Junges Theater“ unter der Leitung von Felix Beuse , bekannt als Rapper Sking, das in Kinderhaus junge Künstler unterstützt – von der ersten Idee bis zum fertigen Video. Gefördert wird es vom Paritätischen Jugendwerk, in Kooperation mit dem internationalen Kulturverein Atrium. „Felix traf ich das erste Mal Weihnachten 2017. Meine erste Aufgabe war ein eigenes Lied zu improvisieren, und ich sang von Snowman und Chocolate, halt davon, wie ich mich in der Weihnachtszeit so fühle“, erinnert sich Risper Wangui Kabui.

Rhythmus im Blut

Musiker Valon Labjani überarbeitete die Musik und produzierte den Song: „Ob Rap oder Chor-Refrain – Risper hat alles mehrstimmig eingesungen. In gerade einmal zwei Stunden.“

Produzent und Musiker Valon Labjani (l.) und Coach Felix van Beuse unterstützen Miss RWK bei der Produktion ihrer Songs.

Produzent und Musiker Valon Labjani (l.) und Coach Felix van Beuse unterstützen Miss RWK bei der Produktion ihrer Songs. Foto: Peter Sauer

Wie viel Rhythmus die Münsteranerin im Blut hat, zeigt sie in dem von Erich Saar gedrehten Video zum Song: Sie tanzt mit viel Feuer und Lebensfreude nicht nur auf einem Parkdeck, sondern auch auf einer Tischtennisplatte, kickt zwischendrin Fußball und zeigt den Zuschauern ihre „Hood“ in der Kinderhauser Schleife.

Dynamisches Tanzvideo

Für das Tanzvideo „DNC“ mit Afrotrap-Beats von Valon Labjani entwickelte Risper Wangui Kabui dynamische Soli und Gruppenchoreographien für die Tänzer. Mit der Tanzformation „No Label“ hatte sie sogar einen Auftritt beim damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Aktuell tanzt sie als Mitglied der „Independent Crew“ bei Jugend-Events.

Ihr Gesangsdebüt war auf dem Geburtstag von Barbara Kemmler, Leiterin von Cactus Junges Theater: „Ich sang vor den Gästen ,Happy Birthday’ und zitterte sehr vor Aufregung.“ Davon ist heute nichts mehr zu spüren: Selbstbewusst ist ihre Performance.

Beruflich geht Risper Wangui Kabui auf Nummer sicher. Die 19-Jährige macht an der Hildegardisschule gerade im kaufmännischen Bereich ihr Fachabitur. Nach der Prüfung möchte sie gerne im Verkauf arbeiten: „Mir ist es wichtig, mit Menschen zu arbeiten.“ Das gilt – neben Gastspielen als Stand-up-Comedienne („Jungens sind anders“ mit Kollegin Jiaju) – vor allem für ihre Musik. Wenn sie abends vom Berufskolleg nach Hause kommt, feilt sie noch an ihrem nächsten Song. „Der liegt halbfertig in der Schublade. Es geht um Sommer, Liebe, und echte gute Laune.“

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