Mit Strategie auf die Strecke
„Bitte keinen Rückenwind“

Münster-Kinderhaus -

Rückwärtsläufer Markus Jürgens ist 100 Kilometer gelaufen – ein Ultramarathon. Ohne Wettkampfstrategie geht das nicht.

Mittwoch, 15.05.2019, 19:00 Uhr
Zwölf Stunden, 20 Minuten und 37 Sekunden war die Zeit, die Markus Jürgens zum Sieg führte. Das nächste Mal geht Jürgens beim Münster-Marathon am 8. September an den Start.
Zwölf Stunden, 20 Minuten und 37 Sekunden war die Zeit, die Markus Jürgens zum Sieg führte. Das nächste Mal geht Jürgens beim Münster-Marathon am 8. September an den Start.

„Der einzige Gegner ist der eigene Kopf“, meint Rückwärtsläufer Markus Jürgens , der das geschafft hat, was viele noch nicht einmal im Traum schaffen: 100 Kilometer ist er gelaufen (wir berichteten). „Am Stück“, so der Sportler. Dieser Ultramarathon hatte es in sich.

„Herzlichen Glückwunsch zum Weltrekord!“, wird er spontan begrüßt auf der Anlage des Fachbereichs Sportwissenschaft am Horstmarer Landweg. Jürgens arbeitet dort in der Lehre, und sein Erfolg hat sich herumgesprochen. Der Kinderhauser, der inzwischen an der Taubenstraße wohnt, konnte einen Triumph erzielen, der nicht alltäglich ist.

Zunächst einmal ist die Streckenlänge „ultra“. Obwohl Jürgens der Meinung ist: „Wenn man einmal die Marathon-Distanz gelaufen ist, dann ist es nicht mehr so schwer, auch 50, 70, 80 oder 100 Kilometer zu laufen.“

Beim WHEW-Turnier in Wuppertal lief er nach Essen und wieder zurück, über eine alte Bahntrasse, die inzwischen ein Fahrradweg ist. Alte Industriegebiete, aber auch viel Grün waren zu sehen, abwechslungsreich war das Ganze. „Ich mag es, durch die Natur zu laufen“, meint er.

Wichtig ist die Wettkampfstrategie: Manchmal helfen vertraute Personen und immer die kontrollierte Einteilung von Kraft und Strecke. Freundin Jenny Wehm­schulte, die sich auch selbst dem Rückwärtslaufen verschrieben hat, war dieses Mal mit dem Fahrrad mit von der Partie und sorgte für Motivation und die richtige Verpflegung.

Ultramarathon-Läufer Peter Klein begleitete Markus Jürgens ebenso – im Vorwärtsgang. Er „dirigierte“ den Rückwärtslauf, was insbesondere gegen Ende von entscheidender Bedeutung war. „Dann werden die Beine müde“, so Markus Jürgens. Wenn in dieser Situation ein Bordstein in der Nähe sei, könne das mitunter zum Sturz führen. So aber lief alles wie am Schnürchen. Zwölf Stunden, 20 Minuten und 37 Sekunden war die Zeit, die zum Sieg führte.

Jürgens teilte sich das Tempo ein: „Am Anfang darf man nicht zu schnell sein.“ Gegen Kilometer 80 könne man dann bei so einer Distanz einschätzen, ob der Lauf gelungen sei oder nicht. Offenbar war alles perfekt.

Seit 2014 ist Markus Jürgens passionierter Rückwärtsläufer. Bereits im ersten Jahr wurde er Weltmeister im Rückwärts-Halbmarathon. Seitdem sammelt der Sportler Titel. Der neueste Turniersieg in Wuppertal ist ein inoffizieller Weltrekord. Inoffiziell deshalb, weil es für den Rückwärtslauf keinen organisierten Laufverband gibt. Mit seiner Zeit ist Jürgens aber der Schnellste, der jemals die 100 Kilometer rückwärts gelaufen ist.

In wenigen Monaten wird Jürgens das nächste Mal am Start sein: beim Münster-Marathon am 8. September. Weil er auch dort rückwärts läuft, hat er einen Wunsch: „Bitte keinen Rückenwind. Das ist nicht gut für mich“, sagt er schmunzelnd.

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