Schädlingsbefall
Steter Kampf gegen giftige Raupen

Münster-Kinderhaus -

Ihre Haare sind toxisch, können allergische Schocks auslösen: Die Raupen des Eichenprozessionsspinners plagen auch Kinderhaus. Rund um den Bröderichweg sind seit Wochen Experten im Einsatz, um den giftigen Raupen den Garaus zu machen. Wir haben sie bei ihrer Arbeit zwischen den 80 Eichen am Förderschulzentrum begleitet.

Donnerstag, 06.06.2019, 08:00 Uhr
Von der Arbeitsbühne eines Hubsteigers aus entfernt Bastian Lowinski die Nester des Eichenprozessionsspinners per Sauger.
Von der Arbeitsbühne eines Hubsteigers aus entfernt Bastian Lowinski die Nester des Eichenprozessionsspinners per Sauger. Foto: Peter Sauer

Erst dachten die Schüler der Münsterlandschule und der Martin-Luther-King-Schule dass die Maler kämen, als sie die beiden Männer in körperbedeckender weißer Schutzkleidung das erste Mal sahen. Als diese dann auch noch eine Schutzmaske nebst Atemventil überstülpten, ja da war die Neugier dann sehr groß.

Nein, hier wird kein Science-Fiction-Film gedreht, obwohl die Eichenprozessionsspinner schon ein bisschen an Aliens erinnern und ebenso zäh zu sein scheinen: Unzählige Nester saugen Bastian Lowinski und Daniel Wiermer von der Everswinkeler Garten- und Landschaftbaufirma Schulze-Tertilt täglich ab, aber fünf Nester sind allein an einer der bereits behandelten Eichen am Bröderichweg über Nacht von Dienstag auf Mittwoch wieder neu entstanden. Da heißt es, geduldig sein und manche Überstunde dranhängen.

Dabei gehen die beiden „Eichenprozessionsspinner-Jäger“ schon sehr intensiv zu Werke. Seit sechs Wochen kümmern sie sich im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe um die Förderschulen mitsamt Kita am Bröderichweg und um Gut Kinderhaus nebst umliegendem Waldgebiet.

  Foto: Peter Sauer

„Wenn man die Nester sieht, juckt es einen schon automatisch mehr als sonst am Körper.“ Bastian Lowinski muss sich für jeden Einsatz gut vorbereiten. Über einen besonderen Filter in seinem Schutzmaske kann der 35-jährige sicher sein, das keine Haare des Eichenprozessionsspinners in die Nähe seines Gesichtes kommen, blaue Handschuhe schützen die Hände. Durch den Ganzkörperschutzanzug muss er gerade jetzt sehr viel schwitzen. „Ich nehme mir jeden Tag fünf Liter Mineralwasser mit zur Arbeit.“

So geschützt kann Bastian Lowinski den giftigen Raupen ganz nahe kommen, muss er auch, um zunächst auch wirklich alle Nester zu finden, auch die noch so verstecktesten. Das ist nicht ganz so einfach – vor allem bei grellem Gegenlicht und starken Verschattungen.

Die Nester sind nicht nur in Bodennähe anzutreffen, sondern verbreiten sich auch mehrere Meter hoch bis in die Baumwipfel. Deshalb geht es mit einem Hub­steiger hinauf, um die Schädlinge mit einem Spezialsauger von den Stämmen zu entfernen. Da muss man schon schwindelfrei sein.

Hoch hinaus zum Schutz der Umwelt.

Hoch hinaus zum Schutz der Umwelt. Foto: Peterv Sauer

Am Boden wie in luftigen Höhen: Die Nester scheinen fast überall zu sein.

Am Boden wie in luftigen Höhen: Die Nester scheinen fast überall zu sein. Foto: Peter Sauer

Mit Argusaugen und Feingefühl steuert Lowinski die Hebebühne des Hubwagens so, das kein Ast beschädigt wird und er gleichzeitig jede Eiche einzeln von oben bis unten komplett kontrollieren kann – nach jeweiligem Befall. Allein 80 Eichen gibt es am Bröderichweg.

„Manche Nester sind nur wenige Zentimeter groß, manche einen halben Quadratmeter“, sagt Bastian Lowinski. Dann holt er seinen großen Spezialsauger hervor und entfernt die klebrigen Nester von den Bäumen. Durch das Absaugen verringert sich – im Vergleich zu anderen Techniken – die Gefahr des Aufwirbelns von Brennhaaren.

Die Nester der Eichenprozessionsspinner werden in einem Beutel aufgesaugt. Aber können sich die Spinner nicht durch den Beutel durchbeißen? „Auf keinen Fall“, antwortet Bastian Lowinski, „der Beutel ist auch für Asbest geeignet, so fest ist der.“ Wenn die Beutel mit den Nestern voll sind, werden sie zur Müllverbrennungsanlage gebracht.

Regelmäßig werden die Eichen noch bis Mitte Juli kontrolliert. „Das ist eine Never Ending Story“ sagt Daniel Wiermer und wird von einem Passanten angesprochen, der ihn gleich auf eine befallene Sitzbank hinweist und Insektizide gegen die Spinnerneste vorschlägt. „Auf keinen Fall“; entgegnet Bastian Lowinski, „Insektizide schaden den Baum in seiner Gänze.“

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