Vandalismus
Jugendliche zünden Matratze im Kreisel an

Münster-Kinderhaus -

Woche für Woche kümmern sich Senioren ehrenamtlich darum, dass im Zentrum von Kinderhaus Pflanzen blühen, vor allem in den Mittelinseln zweier Kreisverkehre. In einem Kreisel haben die Blumen jetzt gebrannt. Jugendliche hatten nachts eine brennende Matratze ins Kreiselgrün geworfen.

Freitag, 19.07.2019, 16:10 Uhr aktualisiert: 19.07.2019, 16:56 Uhr
Die Ehrenamtlichen vom Projekt „Grüne Insel Kinderhaus“ sind geschockt vom Vandalismus im Kreisel.
Die Ehrenamtlichen vom Projekt „Grüne Insel Kinderhaus“ sind geschockt vom Vandalismus im Kreisel. Foto: Wolfgang Wagner

Donnerstagmorgen trauten die Ehrenamtler von der Aktion „Grüne Inseln für Kinderhaus“ ihren Augen nicht. Auf dem Mittelkreisel an der Kristiansandstraße lag eine abgefackelte Matratze und ein Teppichrest. Im Umkreis von zwei Metern war die von den Ehrenamtlern aufwendig und üppig bepflanzte und gepflegte bunte Vegetation völlig niedergebrannt.

Wie stark es bei der trockenen Witterung gebrannt haben muss, zeigt auch das Verkehrsschild nebenan – es ist völlig verrußt. Für die ehrenamtlichen Senioren, die seit 2012 regelmäßig zwei Kreisel und die Blühstreifen dazwischen gärtnerisch versorgen, ist das ein Schlag ins Gesicht. „Es macht uns traurig und sauer“, sagt Ehrenamtlerin Andrea Möbius gegenüber dieser Zeitung, „dass unsere Arbeit so mit Füßen getreten wird“.

Auf Nachfrage erklärt die Polizei Münster, dass sich in der Nacht zu Donnerstag um 2.25 Uhr ein Zeuge gemeldet habe. Der habe berichtet, dass er vier Jugendliche mit dem Fahrrad gesehen hätte, die eine Matratze in Brand setzten und sie in den Mittelkreisel der Kristiansandstraße warfen. Der Zeuge habe den Vorfall auch gefilmt. Das Video wird derzeit von der Polizei ausgewertet.

Herbeigerufene Polizisten konnten unmittelbar nach der Straftat einen Jugendlichen im Nahbereich antreffen. Mit dem Rad wollte er sich vor der Polizei davon machen. Die Beamten waren schneller und holten ihn an der Pestalozzistraße ein. Dort entdeckten sie zudem ein brennendes Fahrrad.

Abgebrannte Sonnenblumen

Abgebrannte Sonnenblumen Foto: Peter Sauer

Gegen den jungen Mann und die noch flüchtigen anderen drei Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 17 Jahren (so die Zeugenangabe) wird Strafanzeige wegen Sachbeschädigung durch Feuer gestellt. Laut Polizei trugen sie Kapuzenshirts, sowie ein helles und schwarzes Hoodie.

Der Brandfleck im Mittelkreisel fällt Passanten schon von Weitem auf. Allein die abgebrannten Sonnenblumen stimmen – nicht nur vom Symbolgehalt her – traurig. „Diese Missachtung unserer Arbeit ärgert mich sehr“, sagt Andrea Möbius. „In der Vergangenheit haben sich schon Leute an den Blumen einfach selbst bedient. So wurden zum Beispiel Rosensträucher mit einem ganzen Busch entwendet. Die Senioren von der Aktion „Grüne Insel Kinderhaus“ kümmerten sich bereits um die Entsorgung der Matratze und des Teppichrestes.

Auch ein Verkehrsschild wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Auch ein Verkehrsschild wurde in Mitleidenschaft gezogen. Foto: Peter Sauer

Am frühen Donnerstagabend musste die Polizei übrigens am Sprickmannplatz eingreifen und dort ein Lagerfeuer löschen. Ein Zusammenhang konnte aber bislang nicht bestätigt werden.  

Kommentar: Kein Dummer-Jungen-Streich

Sie sind im Rentenalter, tragen Woche für Woche munter Pflanzen, Gießkannen sowie Blumenerde über die Straße in zwei Mittelkreisel, gehen in die Hocke, um Umkraut zu beseitigen und abgestorbene Pflanzenteile heraus zu schneiden und zu stark verzweigte Triebe auszudünnen und alles in Form zu schneiden. Damit Kinderhaus auch in seinen Verkehrskreiseln aufblühen kann. Die Aktion „Grüne Inseln für Kinderhaus“, angeregt vom ehemaligen Kreisgärtnermeister Erich Welling, ist ein Musterbeispiel für nachhaltiges Ehrenamt. Das auch die Generationen verbindet. So packten zum Beispiel noch im Juni Schüler der Münsterlandschule eifrig mit an, um den Senioren zu helfen. Nachdem in der Vergangenheit die ehrenamtlichen Gärtner immer häufiger wilden Müll statt Unkraut aus dem Kreiselgrün rausholen mussten jetzt also dieser Fall von Verrohung statt Wertschätzung. Warum? Offenbar gibt es immer häufiger Zeitgenossen, die sich gerade am Schönen vergreifen müssen. Ob mit wilden Graffiti an frisch sanierten Häuserwänden, ob mit wilder Müllentsorgung, oder jetzt mit Vandalismus in den Kreisel-Blumenparadiesen. Für die eigene Selbstbestätigung per Handy-Video, aus Langeweile, für einen kurzen Kick etwas Verbotenes zu tun oder aus Neid, etwas Schönes zu sehen, das man selbst nicht geschaffen hat? Egal – für Kopflosigkeit kann es keine Entschuldigung geben. Peter Sauer

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