Musik von hier
Erstes Feuer brannte in der Schleife

Münster-Kinderhaus -

Aufwühlend, (t)rotzig ehrlich und mit klarer Ansage, melancholisch und rockig zugleich mit jeder Menge 1980er-Reminiszenzen: Die Alternative-Rock-Band „Burn“ setzt seit rund 25 Jahren Akzente. Die wenigsten wissen: Ihre Wurzeln liegen in Münsters Stadtteil Kinderhaus. Zeit für eine Spurensuche mit „Burn“-Mastermind Felix Friberg.

Mittwoch, 31.07.2019, 16:12 Uhr aktualisiert: 31.07.2019, 17:35 Uhr
„Burn“-Mastermind Felix Friberg besuchte nach längere Zeit wieder das Wuddi, wo die Karriere der Band 1995 begann.
„Burn“-Mastermind Felix Friberg besuchte nach längere Zeit wieder das Wuddi, wo die Karriere der Band 1995 begann. Foto: Peter Sauer

Mit seiner Dark-Wave/Gothic-Rock-Band „Burn“ rockte Felix Friberg schon vor 18 000 Menschen im Vorprogramm von „Unheilig“, stand unter anderem auch mit „Clan of Xymox“ oder „ASP“ auf der Bühne und gab unzählige eigene Konzerte. Doch vor dem 25-jährigen Band-Bestehen im Jahre 2020 macht der Sänger und Songwriter klar: „Die Schleife in Kinderhaus hat mich menschlich und musikalisch am meisten geprägt, dass man einfach seinem Instinkt folgen und nie aufgeben soll.“

Mit Sven Krachten, ebenfalls Kinderhauser, gründete er 1995 die Band. Großen Anteil daran hat das Jugendzentrum Wuddi, das Friberg am Dienstag nach längerer Zeit wieder besuchte. „Hier ist alles moderner und vor allem heller geworden.“

Der frühere Probenraum ist jetzt Veranstaltungsraum. „Wir konnten damals unsere Instrumente und Verstärker dort lagern, was nicht selbstverständlich war und uns sehr geholfen hat“, erinnert sich der heute 44-Jährige und blickt beim Cola-Frühstück mit Käsebrötchen auf die frühen „Burn“-Jahre zurück. „Wir haben Wuddi-Leiter Dieter Schmitz viel zu verdanken, weil wir viel Freiheit und Vertrauensvorschuss bekommen haben.“

So ging alles in den 1990er-Jahren im wuddi in Kinderhaus los. Analog=Arbeit, viel Arbeit

So ging alles in den 1990er-Jahren im wuddi in Kinderhaus los. Analog=Arbeit, viel Arbeit

Friberg wuchs in einem Hochhaus an der Killingstraße auf. „Dort bekam ich – trotz aller Anfeindungen wegen meiner Gothic-Frisur – eine offene Haltung zu den Menschen, weil damals schon alles sehr multikulturell war“, erinnert er sich.

Das „Kiss Me“-Album von „The Cure“ erweckte den damals 13-Jährigen 1988, wie er heute schmunzelnd sagt, „aus dem Dornröschenschlaf der Pubertät“. Er beschloss, selbst Rockmusiker zu werden, was über die Schulband an der Realschule und die regelmäßigen Proben im Wuddi gelang.

„Im Schwimmverein wäre es sicher billiger gewesen“, sagt Felix Friberg, um im gleichen Atemzug zu ergänzen: „Aber Musik zu machen, ist einfach einzigartig, etwas auszudrücken und zu erschaffen und Emotionen mitzuteilen.“

Mit wachsendem Erfolg. Erst auf Englisch, dann auf Deutsch. Das 2018er-Album Prophezeiung landete in den Top Ten der „Deutschen Alternativ Charts“. Genau so wichtig ist es Friberg aber auch, live auf der Bühne zu stehen, dann vorzugsweise geschminkt und mit Kajal um die Augen: „Der Kontakt zum Publikum gibt mir viel.“

Nicht ohne Grund haben „Burn“ ( burnmusic.de) gerade im Osten der Republik großen Erfolg, wie zuletzt in Rostock. „Wo es den Leuten schlechter geht, wo sie sich abgehängt fühlen, da öffnen sie sich gut für unsere etwas härtere und düstere Rockmusik“, sagt Friberg. Er erkennt auch Parallelen. „Im Osten gibt es diese gleiche leichte melancholische Tristesse wie in Kinderhaus, aus der aber auch viel Kraft erwachsen kann.“

Am 30. August verabschiedet sich Gitarrist Christian Wischer von der Band. „Wir werden das mit einem besonderen Konzert bei Rare Guitar feiern“, sagt Felix Friberg. Er schreibt gerade an Songs für das neue Album: „Vom Sound her werden wir wieder zurückkehren zu unseren Wurzeln. Auf jeden Fall mit vielen 1980er-Reminiszenzen.“

Da darf Kinderhaus nicht fehlen. „Unser nächster Videodreh könnte dort stattfinden, vielleicht auf dem Dach eines der Hochhäuser in der Schleife.“ So in bester „U2“-Manier, deren musikalische Entwicklung Friberg ebenso bewundert wie die seiner großen Vorbilder „The Cure“ und „Depeche Mode“.

Burn drehte im Gasometer in Münster eines ihrer coolsten Videos.

Burn drehte im Gasometer in Münster eines ihrer coolsten Videos.

Während er im Café nahe dem Wuddi in sein Käsebrötchen beißt, fallen seine wachen Augen auf, für das Leben ringsum, für das, was die Menschen hier bewegt. Denn auch wenn der „Burn“-Sänger mittlerweile – der Liebe wegen – in Gievenbeck wohnt, fühlt er sich „als Kind der Schleife“.

Diese Heimatliebe bringt Felix Friberg kraftvoll im „Burn“-Song „Denn wir sind die“ (vom 2016er-Album „Ein Monument aus Gold“) perfekt auf den Punkt: „Bis du hier aufgewachsen, und es lässt sich nicht verleugnen. Es bleibt wie ein Tattoo. Die Zeit hält dich ewig fest. Auch wenn du wegziehst. du kannst es nicht verlieren, weil es dich niemals verlässt.“

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Nächstes „Burn“-Konzert ist am 30. August (Freitag) bei Rare Guitar (Hafenstraße 64) um 21 Uhr mit „Mystigma“ als Support. Tickets: im Burn-Shop (VVK-Preis: zehn Euro) oder an der Abendkasse (zwölf Euro).     | burn-shop.de/  p/ticket-burn-live-30-08-2019

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