„Apokalypse Münsterland“
Virtuelle Reise ins Mittelalter

Münster-Kinderhaus -

Und plötzlich ist man im Mittelalter: Die Besucher am Lepramuseum hatten am Samstag  im Rahmen des Kulturfestes „Schauraum“ die Gelegenheit, in eine fremde, vergangene Welt einzutauchen.

Sonntag, 08.09.2019, 18:20 Uhr aktualisiert: 09.09.2019, 18:40 Uhr
Sie zeigten, wie die virtuelle Zeitreise in die Welt des Mittelalters funktionierte: Rieke Köhler, Kulturbüro Münsterland, Sophia Schnermann, Dominik Kissmann und Julian Lesieur (v.l.). Auf dem Bildschirm ist die Lepra-Puppe zu sehen.
Sie zeigten, wie die virtuelle Zeitreise in die Welt des Mittelalters funktionierte: Rieke Köhler, Kulturbüro Münsterland, Sophia Schnermann, Dominik Kissmann und Julian Lesieur (v.l.). Auf dem Bildschirm ist die Lepra-Puppe zu sehen. Foto: sn

„Apokalypse Münsterland“ hieß die Aktion, innerhalb derer 28 Exponate aus ebenso vielen Museen im gesamten Münsterland digitalisiert wurden. Diese Arbeit machte nun virtuelle Zeitreisen möglich. Die Lepra-Puppe aus dem Kinderhauser Museum wurde da plötzlich zur lebendigen Frau.

Rieke Köhler ist Projektassistentin vom Kulturbüro Münsterland, das das Ganze auf die Beine gestellt hat. Der Gedanke sei ein fiktives Szenario gewesen: „Das Münsterland hat ein SOS aus der Zukunft erhalten.“ Dort sei alles digital, es fehle an Kultur. Also sende man diese aus der Gegenwart.

Im vergangenen Jahr konnten Besucher von 28 Museen im Münsterland jeweils ein Exponat für die Aktion aussuchen. In Kinderhaus erhielt die Lepra-Puppe, die im Eingangsbereich des Museums sitzt, die meisten Stimmen. Die Studenten der „Münster School of Architecture“ (MSA) schufen anhand des Originals ein kleines Modell, das sie per 3-D-Drucker erstellten. „Das 3-D-Programm wird häufig in der Architektur verwendet“, erklärte Dominik Kissmann , einer der Studenten. Um das Exponat herum wäre dann eine „Welt erbaut“ worden. Das sei wie das Designen eines Computerspiels, so Kissmann weiter.

Und so wurde es möglich, dass mit Hilfe einer sogenannten VR-Brille eine virtuelle Realität entstand, in die jeder Besucher eintauchen konnte. Plötzlich saß da die erkrankte Frau direkt vor einem, Verbände an Händen und Füßen und sichtbare Geschwüre im Gesicht. Das sei ein „bedrückendes Erlebnis“ für den Betrachter, so Kissmann. Viele kamen ins Nachdenken, auch weil die Figur alleine am Straßenrand sitzt – ausgestoßen von der Gesellschaft. Sie warnt mit einer „Klapper“ vor sich selbst, wie es Leprakranke im Mittelalter tun mussten. „Mir ist ein bisschen schwindelig geworden“, meinte eine Frau. Lag es an der VR-Brille oder an diesem Geschehen, das jetzt ganz plastisch war? So eine Reise in die Vergangenheit kann einen ganz schön zum Grübeln bringen.

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