Mecklenbeck
„Gegessen wird, um satt zu werden“

Mittwoch, 13.02.2008, 18:02 Uhr

Münster-Mecklenbeck. Als Florian Tenk im Juli vergangenen Jahres die Reise nach Iringa antrat, hatte der junge Mecklenbecker noch keine allzu genaue Vorstellung davon, was ihn in der 2,2 Millionen Einwohner zählenden Diözese im Südwesten Tansanias erwarten sollte. Dort absolviert der 20-Jährige in einer Grundschule mit drei angegliederten Aids-Waisenheimen ein freiwilliges soziales Jahr. Mittlerweile ist bereits mehr als die Hälfte davon vorüber. Den WN schickte Tenk eine E-Mail, in der eine persönliche „Halbzeitbilanz“ zieht: „Das Leben hier ist eine Insel voller Palmen, die einem Kokusnüsse in den Weg legen“, schreibt er.

Zusammen mit fünf weiteren Freiwilligen aus dem Bistum Münster arbeitet der Mecklenbecker, nachdem er im vergangenen Jahr das Abitur an der Friedensschule ablegte, in der katholischen „St. Dominic Savio Children’s Care Academy“. Aufgabe der jungen Leute ist es, die rund 450 Schüler der englischsprachigen Grundschule, zu denen auch 60 Waisenkinder zählen, zu betreuen. Sie assistieren den Lehrern, geben eigenständig Unterrichtsstunden, leiten ein Fußball- und ein Volleyballteam, eine Kunst-AG und eine Theatergruppe. Auch mit organisatorischen Tätigkeiten in der Schule und den Waisenhäusern sind Florian Tenk und seine Mitstreiter betraut.

Das Projekt wurde vom tansanischen Geistlichen Father Aidan Paul Ulungi und der Diözese vor knapp sechs Jahren ins Leben gerufen. Anfang 2004 nahm es den Schulbetrieb auf. Erklärtes Ziel ist es, so schreibt der Mecklenbecker, „Kindern aus finanziell schlechter gestellten Familien und Aidswaisen eine Bildungsmöglichkeit zu geben und die öffentlichen Schulen zu entlasten“.

Trotz der vielen Menschen um ihn herum habe er in den vergangenen Monaten mit der Einsamkeit zu kämpfen gehabt, gesteht Tenk: „Da spielen sich in einem Gedanken ab, die ich mir in Deutschland nicht gemacht hätte, da die Ablenkungsmöglichkeiten durch andere Dinge dort so groß sind.“ Einen Kulturschock habe er in dem ostafrikanischen Land allerdings nicht bekommen. Das liege sicherlich auch daran, dass andere junge Leute aus seinem Kulturkreis dabei seien, mit denen er Erlebnisse teilen könne.

Hartnäckiger Amöben-Befall hielt den jungen Mecklenbecker eine Zeit lang auf Trab, und beim Essen stellt er Tag für Tag fest, dass es in der tansanischen Diözese „nur bedingt eine Genusskultur“ gibt: „Gegessen wird, um satt zu werden und nicht, um sich verwöhnen zu lassen. Reis, Ugali, Bohnen und Kohl, seltener Fleisch, reichen aus. Andere Dinge wären viel zu teuer.“

Dank einheitlicher Sprache und fehlenden Stammeskonflikten habe sich Tansania zu einem echten Friedensgaranten entwickelt, meint Tenk. Gleichwohl ist ihm negativ aufgefallen, dass sich große ausländische Konzerne auf Kosten der Bevölkerung „in Afrika eine goldene Nase verdienen“, und in Tansania unter anderem die Korruption blühe. Doch trotz allem gehe es mit dem Land voran. „Nichts läuft nach Plan, aber das Ziel wird erreicht.“

Die Arbeit mit den Waisen macht dem Mecklenbecker viel Spaß. „Die Kinder tragen einen förmlich durchs Jahr!“, schreibt er in seiner E-Mail. Ganz besonders liegt ihm jetzt ein neues Projekt am Herzen: „Momentan steht in Iringa der Neubau eines Waisenheims an, um weiteren Aidswaisen durch eine gesicherte Unterkunft und durch Schulbildung eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Damit diese auch nach der Grundschulzeit auf einem weiterführenden Bildungszweig an der Schule einen Abschluss machen können, soll die St. Dominic Savio Children’s Care Academy ausgebaut werden.“ Für die Umsetzung dieser Idee sei jede Spende willkommen.

Spenden für das Projekt in Iringa können auf das Konto mit der Nummer 200 01 00 bei der Bistumskasse Münster (BLZ 400 60 265) überwiesen werden. Dazu ist die Angabe des Verwendungszwecks RTR 001–1.2211.2261 unbedingt notwendig.

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