Mecklenbeck
Sein Herz ist noch in Tansania

Dienstag, 09.09.2008, 23:09 Uhr

Münster-Mecklenbeck. Das kisuahelische „Habari za leo?“ hat Florian Tenk schon wieder gegen ein deutsches „Guten Tag!“ getauscht. Dabei kehrte der 20-Jährige erst Ende Juli aus seinem freiwilligen sozialen Friedensjahr in Tansania zurück – mit Koffern voller guter Erinnerungen und interessanten Geschichten aus einem faszinierenden Land.

Mit fünf weiteren Freiwilligen aus dem Bistum Münster war der Mecklenbecker vor einem Jahr nach Iringa in Ostafrika aufgebrochen, um in der rund 200 000 Einwohner zählenden Stadt in der katholischen „St. Dominic Savio Primary School“ seinen Ersatzdienst zu leisten. Denn dort rief 2002 das Bistum gemeinsam mit einem tansanischen Geistlichen das Projekt einer Grundschule mit drei angegliederten Kinderheimen ins Leben.

„Das Hauptaugenmerk der Freiwilligenarbeit liegt auf der Betreuung der rund 70 Aids-Waisen“, erklärte Tenk den Schwerpunkt seiner Arbeit vor Ort. So lebte er ein Jahr zusammen mit 15 Kindern im Alter von sieben bis zwölf Jahren und der „Hausmama“ – einer tansanischen Betreuungskraft – in einem Heim, begleitete den Alltag der Waisen, in dem es galt „Nähe und Wärme zu geben“.

Das hieß: „Morgens ab sechs Uhr war Leben in der Bude“, berichtete der Mecklenbecker, der direkt nach seinem Abitur 2007 an der Friedensschule nach Afrika ging. „Aufstehen, Frühstück und dann mit den Kindern in die Schule.“ Denn neben der Versorgung der Waisenkindern war auch die Weitergabe von Bildung ein Teil der Freiwilligenarbeit. Tenk war ein sogenannter Assistenzlehrer, der beim Unterricht half, Englischstunden gab und am Nachmittag Nachhilfe für seine Waisen anbot. „Ruhe gab es erst wieder gegen zehn Uhr abends“, so Tenk, der sich an seinen „Fulltime-Job“ erst gewöhnen musste.

Doch es waren auch diese Waisen, die ihm die Eingewöhnung in der ersten Zeit so leicht gemachten hatten. Es seien keine trauernden, sondern fröhliche Kinder gewesen, die unvoreingenommen auf ihn zugegangen seien, so der junge Mann. „Natürlich suchen sie Aufmerksamkeit und Zuwendung“, bestätigte er. „Doch die wollte ich ja geben.“ Florian Tenk berichtete stets mit einem Lächeln im Gesicht von seinen Erfahrungen vor Ort, sprach von „einer großen Familie“ und immer von „wir“.

Ja, sein Herz sei in Tansania geblieben. „Es war das wertvollste Jahr meines Lebens“, resümierte der Mecklenbecker, der mit mehr Zuversicht und Selbstvertrauen aus Afrika zurückkehrte. Umso größer war daher der umgekehrte Kulturschock bei seiner Ankunft in Deutschland: „Uns ist so wenig bewusst, wie gut es uns eigentlich geht.“ Dankbar sei er für die Chance, dass er eine gute Schulbildung genießen durfte und bald das Studium der „Public Administration“ an der münsterischen Universität aufnehmen kann.

Doch auch von hieraus möchte sich der junge Mann für die Schule in Iringa einsetzen: „Afrika ist mehr als Aids und Krieg.“ Tenk sieht sich als „Botschafter guter Nachrichten“ und koordiniert nun ein Patenschaftsprojekt, mit dem Menschen aus dem Bistum Münster Waisenkinder vor Ort unterstützen können.

Am Dienstag (16. September) wird Florian Tenk um 20 Uhr noch einmal über sein Jahr in Tansania berichten und im Pfarrsaal der St.-Anna-Kirche einen Bilder-Vortrag halten. |www.bistum-muenster.de/ auslandsdienste

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