Mecklenbeck
Beschwerde ans Innenministerium

Mittwoch, 01.06.2011, 23:06 Uhr

Münster-Mecklenbeck - Die Situation in den maroden Obdachlosenunterkünften am Schwarzen Kamp lässt Matthias K. keine Ruhe. Der arbeitsunfähige Hartz-IV-Empfänger wohnt seit einem Jahr mit seiner sechsköpfigen Familie, einem Hund und einer Katze in einer 89 Quadratmeter großen Wohnung am Schwarzen Kamp 59. Aus dieser möchte er lieber heute als morgen raus. Da er sich von der Stadt - wie berichtet - im Stich gelassen fühlt, will K. sich jetzt mit einer Dokumentationsmappe über die aus seiner Sicht untragbaren Zustände in den städtischen Notunterkünften an die Kommunalaufsicht des nordrhein-westfälischen Innenministeriums wenden.

Dem Mecklenbecker Sozialkreis und der Bundestagsabgeordneten der Linken, Kathrin Vogler, hat Matthias K. seine Mappe bereits zugesandt. Der Sozialkreis unterstützte ihn bei der Erstellung, indem er K. eine Reihe von Fotos für die Bebilderung zur Verfügung stellte. Vom Düsseldorfer Ministerium erhofft sich der 39-Jährige Druck auf die Stadt Münster , damit diese ihm eine andere Wohnung verschafft oder „zumindest für die Sicherheit Sorge trägt“. Denn es sei „zum Teil lebensgefährlich“ in den Obdachlosenunterkünften am Schwarzen Kamp zu leben.

In seiner Dokumentation listet Matthias K. zahlreiche Mängel auf, die ihm und anderen Bewohnern das Leben in den Übergangswohnungen zur Hölle machen: Unter anderem ist von ständig wiederkehrendem Schimmel und erheblichen Feuchtigkeitsschäden, fehlender Zentralheizung, undichten Fenstern und Türen, Kellerdiebstählen und extrem hohen Stromkosten die Rede. Die Stadt unternehme nichts: „Auf die Sicherheit der Bewohner wird keine Rücksicht genommen“, ärgert sich K. Seine Familie wolle in einem normalen Umfeld leben, doch die Stadt lasse dies nicht zu.

„Wir wissen, dass die Häuser am Schwarzen Kamp in keinem guten Zustand mehr sind“, sagt Michael Willamowski . Die Anfang der 60er Jahre erbauten Wohnungen, so der Leiter der städtischen Sozialamts, wiesen in der Tat einen schlechten Standard auf. Allerdings gebe es dort keine lebensgefährlichen Zustände: „Wenn dort wirklich etwas gefährlich wäre, würden wir uns unmittelbar darum kümmern.“

Die Stadt, so Willamowski weiter, sei ohnehin darum bemüht, die Situation am Schwarzen Kamp kurz- bis mittelfristig zu ändern. Die Tendenz gehe dahin, die Obdachlosenunterkünfte durch Neubauten zu ersetzen.

Im Falle von Matthias K. und seiner Familie könne ein Umzug nur dann stattfinden, wenn dieser sich selbst eine geeignete Wohnung suche. Die Stadt könne dies in seinem Falle nicht für ihn tun. Sie sei jedoch bereit, nötige Hilfe zu gewähren, indem sie zum Beispiel die Umzugkosten oder die Kaution übernehme: „Am Geld soll das nicht scheitern.“

Der Vorstand des Mecklenbecker Sozialkreises will sich in den kommenden Tagen erneut mit der Situation am Brennpunkt Schwarzer Kamp befassen. Laut Kreissprecher Helmut Scheuer ist in diesem Zusammenhang unter anderem ein weiterer Vor-Ort-Besuch geplant.

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