„Fantasielose 70er-Jahre-Architektur“
Pläne der Stadt fürs Mecklenbecker Neubaugebiet stoßen bei Bürgern auf harsche Kritik

Münster-Mecklenbeck -

Der Unmut war groß. Manch einer würde sogar von „sehr groß“ sprechen. „Können Sie denen im Amt nicht sagen: Die wollen das hier in Mecklenbeck so nicht. Die machen Terror?“, fragte eine erboste Teilnehmerin Andreas Kurz vom Stadtplanungsamt. Der Bebauungsplanexperte hatte am Dienstagabend die undankbare Aufgabe, bei einer öffentlichen Infoveranstaltung rund 150 Bürgern die Pläne fürs künftige Wohngebiet zwischen Meckmannweg, Weseler Straße und Schwarzem Kamp vorzustellen. Auf diese prasselte geballte bürgerschaftliche Kritik.

Mittwoch, 20.06.2012, 23:06 Uhr

„Fantasielose 70er-Jahre-Architektur“ : Pläne der Stadt fürs Mecklenbecker Neubaugebiet stoßen bei Bürgern auf harsche Kritik
Andreas Kurz vom Stadtplanungsamt erläuterte im Vorfeld der Bürgeranhörung Bezirksvorsteherin Elisabeth Westrup (2. v. r.) die aktuellen Pläne. Diese stießen wenig später auf geharnischte Mecklenbecker Kritik. Foto: sch

Im etwa 7,75 Hektar großen Projektareal sollen nach dem derzeitigen Stand 250 bis 290 neue Wohnungen entstehen: Im nördlichen Bereich zirka 70 Einfamilienhäuser (überwiegend als Reihenhäuser). Im südlichen – zur Weseler Straße gelegenen – Bereich Mehrfamilienhäuser, in denen 180 bis 220 Wohnungen Platz finden sollen. Grundlage für die Verwirklichung des Neubauterrains soll der überarbeitete Siegerentwurf des Städtebaulichen Realisierungswettbewerbs sein, für den das Planer-Duo Heiner Wortmann (Lüdinghausen) und Helmut Mohr (Münster) verantwortlich zeichnet. Doch gerade am preisgekrönten Entwurf ließ kaum jemand ein gutes Haar: „Das, was ich da sehe, ist fantasielose 70er-Jahre-Architektur“ oder „Ich bin maßlos enttäuscht, dass so wenig aus dem Städtebaulichen Wettbewerb geworden ist“, entrüsteten sich Versammlungsteilnehmer. Bereits im vergangenen Jahr habe es eine Bürgeranhörung zum geplanten Baugebiet gegeben. Doch von den damals geäußerten Bedenken, Vorschlägen und Einwänden sei „gar nichts angekommen“, ärgerte sich eine Anwohnern des Meckmannwegs. „Nimmt die Verwaltung uns gar nicht ernst?“. Die Liste der Kritikpunkte ist lang. Der Realisierungsentwurf birgt aus Sicht vieler Mecklenbecker hohes Konfliktpotenzial. Seitens der Anwohner, die mit der Erschließung über den Meckmannweg ohne zusätzliche Anbindung an die Weseler Straße alles andere als einverstanden sind, wird vor einer drastischen Erhöhung des Verkehrs gewarnt: Der ohnehin schon stark belastete Meckmannweg werde ebenso wie die Meyerbeerstraße unter unerträglichen Blechlawinen ächzen. Etliche halten den geplanten, 13-teiligen Riegel von viergeschossigen Mietshäusern entlang der Weseler Straße für entschieden zu hoch: „Passt nicht ins Umfeld.“ 2,5 bis drei Geschosse seien maximal verträglich. Auch das Vorhaben, in diesem verdichteten Bereich zwischen 49 und 56 Wohnungen pro Hektar (davon bis zu 50 Prozent im sozial geförderten Wohnungsbau) zu schaffen, lehnen etliche vehement ab. „Wir wollen keine Wohnsilos“, meldete sich ein Bürger zu Wort. Zu viele Menschen auf engem Raum, das fördere soziale Konflikte. Zudem wurde kritisiert, dass der Mietwohnungsriegel zu Lasten der Bewohner als Lärmschutz fürs Neubaugebiet herhalten solle. „Warum wird kein Lärmschutzwall gebaut, wie in anderen Stadtteilen?“, hieß es. Nicht minder starke Schelte gab es für das Vorhaben, die Unterkünfte für Wohnungslose als Neubauten geballt am bestehenden Standort beizubehalten. Integration ins Wohngebiet sei notwendig, keine „Ghettoisierung“. Darüber hinaus wurden im aktuellen Entwurf eine Kindertagesstätte, Altenwohnungen und weitere öffentliche Parkflächen vermisst. Auch der städtische Planungsausschuss, der laut Andreas Kurz in weiten Teilen für die Planungsvorgaben mitverantwortlich ist, bekam sein Fett weg: „Kennt der Ausschuss Mecklenbeck überhaupt? Wissen die, wie es hier aussieht?“, schimpfte eine Bürgerin.

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