Krötenzäune in Mecklenbeck
„Krötentaxi“ ins Laichrevier

Münster-Mecklenbeck -

Engagierte Amphibienschützer: Berit Philipp und Annette Flessenkemper bewahren in Mecklenbeck Kröten, Frösche und Molche beim Überqueren der Mecklenbecker Straße vor dem drohenden „Asphalttod“. Sie bringen die Tiere über die vielbefahrene Verkehrsader.

Dienstag, 05.04.2016, 23:04 Uhr

Engagiertes Duo: Berit Philipp (r.) und Annette Flessenkemper sammeln derzeit jeden Morgen die Frösche, Kröten und Molche aus den Auffangeimern ein und bringen sie über sicher über die Mecklenbecker Straße in ihre Laichreviere.
Engagiertes Duo: Berit Philipp (r.) und Annette Flessenkemper sammeln derzeit jeden Morgen die Frösche, Kröten und Molche aus den Auffangeimern ein und bringen sie über sicher über die Mecklenbecker Straße in ihre Laichreviere. Foto: sch

Die undurchlässigen grünen Folienzäune mit den dahinter platzierten Auffangeimern wurden vom Naturschutzbund bereits im Februar an der Mecklenbecker Straße aufgestellt. Doch erst jetzt geht es dort im Hinblick auf die Amphibien-Wanderung so richtig rund: Frösche, Kröten und Molche zieht es wieder in ihre angestammten Laichreviere .

Der Frühling hat begonnen: Aus dem Winterquartier, den Grünflächen südlich der Mecklenbecker Straße, zieht es die Amphibien in die Tümpel auf der anderen Straßenseite. Dort legen die weiblichen Tiere ihre Eier ab. Um 2000 bis 4000 Eier handelt es sich dabei bei den Erdkröten-Weibchen.

Damit die behäbig wandernden Amphibien beim Überqueren der Straße nicht überfahren werden, hat der Naturschutzbund auf mehreren Hundert Metern entlang der Mecklenbecker Straße und des Christoph-Bernhard-Grabens dichte Schutzzäune installiert. Dahinter befinden sich im Boden eingelassene Plastikeimer, in die die Tiere auf der Suche nach Querungsmöglichkeiten hineinplumpsen. Dort bleiben sie dann so lange, bis Dr. Berit Philipp und ihre Mitstreiterin Annette Flessenkemper sie sicher ins Laichrevier bringen.

Bereits seit drei Jahren führt der Naturschutzbund im Frühling die Amphibienschutzaktion durch. Genauso lange ist auch Berit Philipp als „ Krötentaxi “ in Aktion. Die Mecklenbecker Biologin kennt sich mit dem Fortpflanzungsgeschäft von Fröschen, Kröten und Molchen bestens aus. Bei Temperaturen von plus zehn Grad und leichtem Regen zögen die laichplatztreuen Tiere zu später Stunde besonders zahlreich in die angestammten Feuchtbiotope. Morgens leeren die vom Bodensee nach Mecklenbeck gezogene ehrenamtliche Amphibienschützerin und ihre Nachbarin dann die Auffangeimer und transportieren die Tiere über die Mecklenbecker Straße.

Natürlich wird die Aktion jedes Mal exakt dokumentiert: Am 5. März landete der erste Grasfrosch in einem der alle neun Meter im Erdreich eingelassenen Auffangeimer. Kaltes Wetter mit Nachtfrösten war dann dafür verantwortlich, dass die Wanderung erst ab 21. März besser in Gang kam. Am vergangenen Sonntag konnten die Frauen vom „Krötentaxi“ gleich 36 Erdkröten und zwei Teichmolche vor dem „Asphalttod“ – sprich dem Überfahren auf der Mecklenbecker Straße – retten.

„Die Laichsaison wird mindestens noch zwei Wochen andauern“, sagt Berit Philipp. Insbesondere bei den Erdkröten werde es in den nächsten Tagen einen Ansturm geben, ist sich die Biologin sicher. Wurden im Jahr 2014 von ihr insgesamt 210 und 2015 dann 259 Amphibien gerettet, so fällt das Resultat anno 2016 mit bislang 131 Tieren noch recht bescheiden aus. Allerdings findet die Laichwanderung diesmal – wetterbedingt – auch ein wenig später statt.

„Erdkröten legen bei ihrer Wanderung bis zu zwei Kilometer zurück“, sagt die Amphibienschützerin. Molche brächten es immerhin auf bis zu 700 Meter.

Bei ihrem Engagement als „Krötentaxi“ haben die Mecklenbeckerinnen tatkräftige Unterstützung: Berit Philipps achtjährige Zwillingssöhne Luis und Justus sowie Annette Flessenkempers Filius Matthias (9) und auch ihr Ehemann Günter mischen ab und an ebenfalls bei der Schutzaktion mit.

Daran, dass ihr ehrenamtliches Engagement Früchte trägt, haben die Frauen keinen Zweifel: „Ich habe schon den ersten Froschlaich im Gewässer auf der anderen Straßenseite gesehen“, freut sich Berit Philipp.

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