Altenhilfezentrum Meckmannshof
„Farben für die Seele“

Münster-Mecklenbeck -

„Ästhetische Wahrnehmungsförderung durch Farben“ - so heißt ein nicht alltägliches Projekt, das derzeit von der münsterischen Fachhochschule durchgeführt wird. Senioren des evangelischen Altenhilfezentrums in Mecklenbeck nehmen daran teil.

Donnerstag, 11.05.2017, 20:05 Uhr

Wenn Hände und Arme zur Erlebniszone werden – Bodypainting im Meckmannshof mit (v.l.) Bewohnerin Hanni Genning, Studentin Maike Hölker, Sozialpädagoge Gero Sandhagen, Meckmannshof-Leiterin Heike Achenbach, Bewohner Lothar Pfohl und Anneliese Voss (sitzend) sowie Heilpädagogin Heike Montreal und Dozentin Prof. Dr. Kulkänti Barboza.
Wenn Hände und Arme zur Erlebniszone werden – Bodypainting im Meckmannshof mit (v.l.) Bewohnerin Hanni Genning, Studentin Maike Hölker, Sozialpädagoge Gero Sandhagen, Meckmannshof-Leiterin Heike Achenbach, Bewohner Lothar Pfohl und Anneliese Voss (sitzend) sowie Heilpädagogin Heike Montreal und Dozentin Prof. Dr. Kulkänti Barboza. Foto: ann

Anneliese Voss und Lothar Pfohl wohnen im Altenhilfezentrum Meckmannshof. Dort haben sie sich kennengelernt, dort leben sie seit acht Jahren zusammen. Beide haben eine aufgemalte halbe Rose auf dem Handrücken. Wenn sie die Hände zusammenlegen, werden die Hälften zu einer Blüte. Die Senioren freuen sich darüber, weil es viel über ihre Gefühle aussagt.

Studentin Maike Hölker hat mit Geschick und Hingabe Handrücken und Arme der beiden bemalt. Sie nimmt am Bodypainting-Projekt der Fachhochschule Münster „Ästhetische Wahrnehmungsförderung durch Farben“ teil, das erstmalig von Prof. Dr. Kulkänti Barboza und Heike Montreal durchgeführt wird. 15 Studierende des Bereichs Sozialwesen bemalen dabei über fünf Monate Menschen im Alter von drei bis 99 Jahren in unterschiedlichen Einrichtungen.

Während das Schminken bei Festen in Kindergärten sehr populär ist, ist es in einem Altenheim eher ungewöhnlich. Glück für die Bewohner des Meckmannshofs, dass Leiterin Heike Achenbach sofort begeistert war, als ihr der Heilpädagoge Gero Sandhagen davon berichtete. Die Geragogik oder Alterspädagogik, die dieser Idee zugrunde liegt, beschäftigt sich mit didaktischen Methoden und Inhalten des Lernens von älteren Menschen.

„Farben für die Seele“ nennt Montreal ihr heilpädagogisches Konzept, das sie mit langjähriger therapeutischer und künstlerischer Erfahrung als Kinderkrankenschwester und Heilpädagogin entwickelt hat. „Farbwahrnehmung hat viel mit Gefühl zu tun und der Farbauftrag mit einem besonderen Körperempfinden“, sagt sie. Mit diesen „farbigen Streicheleinheiten“ würden Lebensfreude gestärkt und Selbstheilungskräfte freigesetzt. Die Teilnahme an dem neuartigen Projekt ist freiwillig, insgesamt 13 Bewohner haben sich dafür entschieden. Manche gleich für zwei Sitzungen, so wie Hanni Genning. „Ich fand das super“, sagt sie. „Ich war der Star!“

Tatsächlich ist die Kommunikation während des Malens – Welches Motiv wird gewählt und warum? - ein wichtiger Bestandteil des Projekts, der auch dokumentiert wird. Zudem entsteht durch körperliche Berührung eine größere Nähe als es bei unverbindlichem Plaudern der Fall ist. „Mit einer solchen Resonanz haben wir nicht gerechnet“, staunt Heike Achenbach. „Viele sind auch im Alter glücklicherweise noch neugierig.“ Und auch ein bis­schen eitel. „Meine Blume war aber viel schöner“, frozzelte eine 83-Jährige, deren Bodypainting aus der Vorwoche inzwischen verwaschen ist.

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