Am Getterbach: 55-jähriger Mecklenbecker holt sich Fahrerlaubnis vom Landgericht zurück
Der Verkehr, der Weg und das Bier

MÜNSTER-MECKLEnBECK -

Er hatte nach Feierabend in paar Flaschen Bier getrunken. Plötzlich kam die Polizei und dann war der Führerschein weg.

Samstag, 16.09.2017, 05:09 Uhr

An dieser Ecke spielte sich am 5. Juli 2016 das strittige Geschehen ab. Ein Anwohner zählt den Weg zu seinem Waldgebiet. Er malte bei Heckenschnitt-Arbeiten Verkehrszeichen auf den Asphalt, trank Bier und musste den Führerschein abgeben.
An dieser Ecke spielte sich am 5. Juli 2016 das strittige Geschehen ab. Ein Anwohner zählt den Weg zu seinem Waldgebiet. Er malte bei Heckenschnitt-Arbeiten Verkehrszeichen auf den Asphalt, trank Bier und musste den Führerschein abgeben. Foto: jans

Ein Happy End sieht sicherlich anders aus, aber ziemlich froh ist ein 55-jähriger Mecklenbecker momentan trotzdem. Er hat nämlich seinen Führerschein wieder.

Der wurde ihm 2016 wegen Trunkenheit im Verkehr entzogen. Zudem verurteilte ihn das Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 300 Euro. In einem Berufungsverfahren vor dem Landgericht stritt der unter anderem als Landwirt und Spediteur tätige Mann nun um das, was er für sein gutes Recht hält, denn: „Es geht hier um meine gesamte Existenz.“

Außenbereich

Dabei mussten sich Richterin, Beisitzer und Staatsanwalt ausgiebig mit einem Knackpunkt des Mecklenbecker Ortsverkehrs auseinandersetzen: der Straße Am Getterbach. Dort wohnt der Angeklagte im Außenbereich der Stadt, und dort ärgert er sich täglich über jene Autofahrer, die diese Verbindung zwischen Albachten und Mecklenbeck oft als Abkürzung zwischen den Stadtteilen nutzen und zu schnell fahren. Er ärgert sich doppelt, weil die Wegeverbindung teilweise durch Wald führt, der ihm nach eigenen Angaben gehört.

Am 5. Juli 2016 arbeitete der Mann dort. Wie er vor Gericht angab, war er tagsüber mit Heckenschnitt auf „seinem“ Wegeabschnitt beschäftigt. Der Mecklenbecker nutzte dazu auch einen zwei Meter langen und 1,80 Meter breiten Kompakt-Radlader. Der Mann stellte zur Warnung Signallichter am Weg auf. Um zudem Radfahrer zu warnen, malte er ein Fahrrad auf die Fahrbahn. Daneben schrieb er „6 km“ auf den Asphalt, um eine Geschwindigkeit für die Radler auszuweisen, wie der 55-Jährige dem Gericht erläuterte. Um zu verdeutlichen, dass der Weg über sein Land führe, hatte er einen ganzen Aktenordner voller Dokumente sowie ein Luftbild seines Hofs mitgebracht.

„Eigene Verkehrszeichen“

Um 18 Uhr machte der Mecklenbecker Feierabend, setzte sich auf eine Bank neben dem Radlader und trank ein paar Bier. Ein Nachbar hatte inzwischen die Polizei verständigt, weil der Angeklagte „eigene Verkehrszeichen“ aufgestellt habe, wie sich ein als Zeuge geladener Polizist erinnerte.

Die Streife kam und roch den Alkohol. Der Angeklagte verwies darauf, dass er auf seinem Land getrunken habe. Er erklärte vor Gericht, bei Eintreffen der Polizei auf der Bank gesessen und erst nach deren Eintreffen den Radlader zur Seite gefahren zu haben. Der Polizist gab an, den Mann beim Eintreffen der Ordnungshüter auf dem Gefährt gesehen zu haben. Die Beamten zogen den Führerschein ein.

1,29 Promille

Der Mecklenbecker weigerte sich, eine Atemalkoholprobe abzugeben. Auf der Wache wurde ihm eine Blutprobe entnommen: 1,29 Promille. Es kam zum Verfahren vor dem Amtsgericht, gegen dessen Urteil der Mecklenbecker Berufung einlegte.

Der Staatsanwalt verwies dabei in seinem Plädoyer vor dem Landgericht darauf, dass der Weg „öffentlicher Verkehrsraum“ sei und hielt die Strafe aufrecht. Der Mecklenbecker forderte für sich Freispruch.

Waldgesetz

Mit Blick auf die seit der Tat vergangene Zeit, das benutzte „langsame Gefährt“ und mögliche charakterliche Veränderungen beim Angeklagten gab die Richterin dem erleichterten Mecklenbecker noch im Gerichtssaal seinen Führerschein wieder. Die 300-Euro-Geldstrafe wegen Trunkenheit hielt sie aufrecht. Der Kampf des Mannes um sein Eigentum könne vor dem Strafgericht nicht geführt werden, machte die Richterin deutlich.

Der Mecklenbecker will nun in Revision gehen. Er verweist auf „das Waldgesetz“ und entsprechende Wegerechte. „Ich hätte eine Vollsperrung machen müssen“, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Auch vor dem Verwaltungsgericht will der Mann jetzt streiten. Er behält sich zudem einstweilige Verfügungen vor, unter anderem, weil die Stadt ohne seine Zustimmung Rohrleitungen durch sein Land verlegt habe.

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