Evangelische Johannes-Gemeinde
„Zelt des Glaubens“

Münster-Mecklenbeck -

Der 50. Geburtstag der Martin-Luther-Kirche wird am Reformationstag (30. Oktober) gefeiert. Das Mecklenbecker Gotteshaus ist etwas Besonderes: Es gilt als letztes Werk des Architekten Olaf Andreas Gulbransson.

Montag, 02.10.2017, 19:10 Uhr

Pfarrer Jan-Christoph Borries (l.) und Architekt Stefan Rethfeld vor der Martin-Luther-Kirche, die 50 Jahre alt wird.
Pfarrer Jan-Christoph Borries (l.) und Architekt Stefan Rethfeld vor der Martin-Luther-Kirche, die 50 Jahre alt wird. Foto: sn

„Wenn man hier sitzt, fühlt man sich wie im Bauch eines Wals“, meint eine Besucherin der Martin-Luther-Kirche. Die gewölbte Decke gibt dem Sakralbau eine ganz besondere Atmosphäre. Sie ist nur eines der vielen baulichen Stilmittel des Architekten Olaf Andreas Gulbransson , die in der Mecklenbecker Martin-Luther-Kirche ihre Verwirklichung fanden. Das ist nun schon 50 Jahre her. „Wir feiern den Geburtstag der Kirche“, erklärt Pfarrer Jan-Christoph Borries.

Gulbransson war der Sohn des norwegischen Karikaturisten Olaf Gulbransson. Mit dem Zeichenstift kannten sich beide aus, als Architekt sind schließlich detailreiche Grundrisse anzufertigen. Zunächst war der Junior Regierungsbaumeister im Münchner Innenministerium , ab 1953 durfte dann als freier Architekt seiner Kreativität freien Lauf lassen. „Sein Werk wird heute wieder entdeckt“, sagt Architekt Stefan Rethfeld , der sich eingehend mit den Bauten Gulbranssons beschäftigt hat. Insbesondere mit den kirchlichen Gebäuden, die auf Gulbranssons Entwürfen beruhen.

Die Martin-Luther-Kirche in Mecklenbeck gehört dazu, obwohl sie erst 1967 eingeweiht wurde, Gulbransson jedoch bereits 1961 im frühen Alter von 45 Jahren durch einen Autounfall ums Leben kam. Sein Büro aber habe noch einige Jahre weiter existiert, so Rethfeld, und habe dessen Ideen und Vorstellungen umgesetzt.

Es sind nicht die altehrwürdigen Kirchen, die das Vorbild des Architekten waren. Modernität, ohne jedoch die Funktionen einer Kirche zu vernachlässigen, zeichneten seine sakralen Bauwerke aus. Sie sollten „Wort, Gebet, Gesang und Orgelspiel“ Gehör verschaffen, soll er gesagt haben. Das tut die Martin-Luther-Kirche bis heute. Immer wieder berichteten etwa Musiker von der guten Akustik im Kirchenraum, sagt Borries.

Auffallend sind weitere Dinge: Der Altar ist nicht allzu sehr erhöht, die Bänke stehen in einem schrägen Winkel zueinander, auffällig auch die betonte Wölbung der Decke in den Innenraum hinein. So entstehe das Gefühl der „Geborgenheit“, sagt Rethfeld, der hier von einem „Zelt des Glaubens“ spricht: „Die Gemeinde wird zur Gemeinschaft“.

Übersichtlichkeit, Einfachheit und Klarheit, das sind bauliche Prinzipien, die Gulbransson auch bei der Martin-Luther-Kirche verfolgte. Typisch ist das Dach, das über dem Eingang und über dem Altar weit in die Höhe weist: „In das Himmlische und das Irdische“, sagt Rethfeld, der selbst Architekt ist.

Die Mecklenbecker waren es übrigens, die diese besondere Architektur, die Gulbransson in vielen Städten Bayerns verwirklichte, nach Münster holten. Sie hatten nämlich Gulbranssons St.-Michael-Kirche im unterfränkischen Hammelburg gesehen und sagten sich: „Sowas wollen wir auch.“ Nach einiger Zeit der Planung erfolgte am 19. Mai 1966 die Grundsteinlegung. Noch nicht einmal ein Jahr später, am 17. Februar 1967, konnte Richtfest gefeiert werden. Und kurz vor dem Reformationstag , am 29. Oktober 1967, gab es die Einweihung. 400 Gemeindemitglieder waren dabei, der damalige Oberbürgermeister Münsters, Albrecht Beckel, ebenso.

Die Martin-Luther-Kirche ist in ein bauliches Ensemble eingebettet. 1975 kam der markante Glockenturm hinzu, seit 1953 steht bereits das Gustav-Adolf-Haus, das als Versammlungsort für die Gemeinde dient. Die Kirche übrigens, die nun Geburtstag feiert, hat sich bestens gehalten. Im Jahr 2002 sei das Dach erneuert worden, so Borries, auch das Fensterglas sei ausgetauscht worden. Sonst aber präsentiert sich das Kirchengebäude genau so, wie es schon vor 50 Jahren der Fall war.

Gefeiert wird das 50. Kirchweihjubiläum mit einem Festgottesdienst am Reformationstag (31. Oktober) ab 18 Uhr, anschließend gibt es einen „Abend der Begegnung“.

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