Baugebiet Meckmannweg / Schwarzer Kamp
NS-Opfer als Namensgeber

Münster-MEcklenbeck -

Es geht darum, vier jüdische Frauen, die in der Zeit des Nationalsozialismus bittere Schicksale erlitten, in Erinnerung zu halten: Aus diesem Grunde sollen die Straßen im Baugebiet Meckmannweg / Schwarzer Kamp nach den verstorbenen Münsteranerinnen benannt werden.

Freitag, 06.10.2017, 20:10 Uhr

Der Ausbau der Erschließungsstraßen im künftigen Baugebiet Meckmannweg / Schwarzer Kamp rückt näher. Es wird Zeit, ihnen Namen zu geben. Exakt das soll die Bezirksvertretung Münster-West gemäß einer Beschlussvorlage des Vermessungs- und Katasteramts auf ihrer Sitzung am Donnerstag (12. Oktober) tun: Vier Straßen innerhalb des Areals zwischen Meckmannweg, Weseler Straße und Schwarzem Kamp stehen zur Debatte. Sie sollen allesamt nach verstorbenen jüdischen Frauen aus Münster benannt werden.

Folgt das Stadtbezirksparlament dem Vorschlag der Verwaltung, dann wird es im angehenden Neubaugebiet künftig eine Goldenbergstraße, einen Henriette-Hertz-Weg, einen Henny-Waldeck-Weg und einen Hedwig-Feibes-Weg geben. Getreu dem von der Bezirksvertretung im Mai diesen Jahres gefassten Beschluss, neue Straßen so lange nach Frauen zu benennen, „bis beide Geschlechter gleichermaßen bei Straßennamen repräsentiert sind“, wird bewusst auf Männer als Namensgeber verzichtet.

Die künftige Goldenbergstraße, die zugleich Haupterschließungsader des neuen Baugebiets wird, soll der einstmals in Münster wohnhaften jüdischen Familie Else (1903-1979), Mirjam (1937-1944) und Siegfried Goldenberg (1900-1980) gewidmet werden. Diese wurde von den Nazis in Konzentrationslager verschleppt. Im Vernichtungslager Auschwitz ließ das siebenjährige Töchterchen Mirjam ihr Leben. Ihre Eltern überlebten die NS-Herrschaft und kehrten nach dem Krieg nach Münster zurück. Dort machten sie sich mehr als drei Jahrzehnte lang um den Aufbau der jüdischen Gemeinde verdient. Den Eheleuten wurde im Jahre 1975 die Paulus-Plakette der Stadt Münster verliehen.

Der Henriette-Hertz-Weg soll das Andenken an eine jüdische Münsteranerin bewahren, die vom NS-Regime verfolgt und um Hab und Gut gebracht wurde. Henriette Hertz (1913-2001) erlebte dessen Schreckensherrschaft untergetaucht im Rheinland. Nach der Befreiung verbrachte sie ein Jahr in den USA, um anschließend wieder nach Münster heimzukehren. „Von ihrem früheren Besitz wurde nur ein Bruchteil erstattet“, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Bei Henny Waldeck (1884-1944), nach der ebenfalls ein Weg im Neubaugebiet benannt werden soll, handelt es sich um eine jüdische Geschäftsfrau aus Münster. Die Mutter von fünf Kindern betreute zu Lebzeiten alte und kranke Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Auch sie wurde verschleppt und im KZ Auschwitz ermordet.

Im selben Konzentrationslager fiel auch Hedwig Feibes (1895-1943) der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie zum Opfer. Als letzte Angehörige der seit 1849 an der münsterischen Salzstraße ansässigen einstigen jüdischen Firma J. M. Feibes soll auch ihr ein Andenken bewahrt werden.

Stephan Brinktrine hält die Namensvorschläge des städtischen Vermessungs- und Katasteramts für angebracht und unterstützungswürdig. „Ich kann das nur begrüßen“, sagt der Bezirksbürgermeister. Er hoffe, dass sie in die Tat umgesetzt würden.

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