Mecklenbecker erforscht die Frühgeschichte seiner Heimat
Die Schätze des Herrn Schlösser

MÜNSTER-MECKLENBECK -

Der Boden unter unseren Füßen birgt manche Geheimnisse. Um sie zu lüften, muss man gute Augen haben und manchmal auf die Knie fallen.

Samstag, 01.09.2018, 06:30 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 01.09.2018, 06:30 Uhr
Diesen Puppenkopf aus Pfeifenton barg der Hobby-Paläontologe Manfred Schlösser aus einem Acker. Er könnte über 100 Jahre alt sein. Wer mag ihn wohl einst verloren oder weggeworfen haben?
Diesen Puppenkopf aus Pfeifenton barg der Hobby-Paläontologe Manfred Schlösser aus einem Acker. Er könnte über 100 Jahre alt sein. Wer mag ihn wohl einst verloren oder weggeworfen haben? Foto: jans

Seine Schätze glitzern nicht. Aber sie erhellen die Vergangenheit. Manfred Schlösser macht seit über 20 Jahren den Rücken krumm und erforscht die Besiedlungsgeschichte zwischen Sentrup, Roxel, Mecklenbeck und Süd-Gievenbeck.

Der 62-Jährige geht mit gesenktem Blick über Äcker und Felder, immer auf der Suche nach Relikten aus der Vergangenheit. Stets dabei: ein Block und ein tragbares GPS-Gerät, um die Lage von Pfeilspitzen oder Tonscherben vor dem Einsammeln bestimmen zu können.

1995 begann Schlösser seine lange Suche: Im Feuchtgebiet am Aasee stieß er auf Relikte aus der Steinzeit. Seit 2003 hat er nach eigenen Angaben zwischen Meckelbach und Gievenbach jede Ackerfläche untersucht. Das ist seine Leidenschaft.

Dabei hilft ihm seine Fachkenntnis: Schlösser ist geologisch-paläontologischer Präparator in Diensten des LWL-Museums für Naturkunde und zudem Grabungstechniker. Er kennt sich also mit Lebewesen und Lebenswelten aus, die es vor über 10 000 Jahren gab, kann Relikte aus dieser Zeit fachgerecht bergen und auflisten. Mehrere 10 000 Funde verwahrt der Hobby-Forscher inzwischen geordnet und beschriftet in Pappkartons.

Feuersteinmesser

Zwei „Schaber“ genannte Feuersteinmesser aus der Mittleren Alt-Steinzeit (300 000 v. Chr.) sind dabei. „Die ersten Menschen in diesem Gebiet waren Neander­taler“, weiß Schlösser deshalb. Jene Vorfahren der heutigen Menschen benutzten diese Werkzeuge nämlich. Sie lebten auf einer Grassteppe.

In Mecklenbeck und Altenroxel entdeckte er zwei Siedlungsplätze von Jägern und Sammlern aus der Mittelsteinzeit (8000 bis 6000 v. Chr.). Unter anderem 30 „Mikrolithen“ – winzige steinerne Widerhaken für Pfeile – fand Schlösser. Pfeilspitzen aus Feuerstein entdeckte er ebenfalls – Belege für die lebenswichtige Jagd in den dichten Wäldern dieser Zeit.

Eine weiterer Schwerpunkt der Funde ist für Schlösser gleichzeitig der Beweis für eine bäuerliche Besiedlung der Gegend schon um 2000 v. Chr.: Vor sechs Jahren entdeckte er in Mecklenbeck ein Hügelgrab aus dieser Zeit.

Knochenkamm

Ein weiterer Fundschwerpunkt führte Schlösser näher an die Gegenwart heran. Er stieß auf Keramik-Scherben und Fragmente eines Knochenkamms aus dem achten bis zehnten Jahrhundert – Hinweise auf eine bislang nur vermutete frühmittelalterliche Siedlung bei Haus Kump.

Und dann gibt es da noch jene Dinge aus der Vergangenheit, die auch Laien sofort einen Blick in ferne und gar nicht so ferne Jahrzehnte ermöglichen. So klaubte Schlösser jüngst einen fein aus Pfeifenton modellierten Puppenkopf aus einem Feld. 100 Jahre mag er vielleicht alt sein. Wer ihn wohl einst verlor?

Auch eine Spüli-Flasche aus den 1960er-Jahren ist unter den Funden. „Die war ganz platt gedrückt“, erinnert sich Schlösser schmunzelnd. 85 Pfennig hat das rosa Fläschchen laut Aufdruck mal gekostet. Ein lächelndes Spülkind winkt von der Plastik-Pulle und erinnert genauso an einen fernen Alltag, wie jene „Spinnwirtel“, auf die Schlösser in einer Mecklenbecker Bauerschaft stieß. Mit diesen Scheibchen wurden vor Jahrhunderten Wollfasern zu Fäden verdreht.

Fachzeitschriften

„Mir geht es darum, etwas Neues zu entdecken“, sagt Schlösser mit Blick auf seine Funde. Nun allerdings möchte er seinen Schatz wissenschaftlich auswerten und die Ergebnisse in Fachzeitschriften publizieren. Über die Äcker der Umgebung wird Manfred Schlösser aber wohl weiter mit wachem Blick auf den Boden streifen, denn: „Das lässt einen nie mehr los.“

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„Archäologische Highlights aus Mecklenbeck“ stellt Manfred Schlösser am 18. Oktober (Donnerstag) ab 19.30 Uhr im Hof Hesselmann vor.

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