Mecklenbecker Modersohn-Forschung
Rätsel um die „Sommerfreuden“

Münster-Mecklenbeck -

Karlheinz Pötter ist auf der Suche: Ein zweites Exemplar von Otto Modersohns Gemälde „Sommerfreuden bei Haus Kump“ ist aufgetaucht. Der Vorsitzende des Geschichts- und Heimatkreises möchte nun herausfinden, von wem es gemalt wurde.

Dienstag, 02.10.2018, 21:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 02.10.2018, 21:00 Uhr
Doppelte „Sommerfreuden“: Karlheinz Pötter mit Abbildungen der beiden Modersohn-Gemälde. Rechts die vermutliche Reproduktion, links das auch im Stadtmuseum zu sehende Original.
Doppelte „Sommerfreuden“: Karlheinz Pötter mit Abbildungen der beiden Modersohn-Gemälde. Rechts die vermutliche Reproduktion, links das auch im Stadtmuseum zu sehende Original. Foto: sch

Geht es um das Maler-Ehepaar Otto Modersohn (1865 – 1943) und Paula Modersohn-Becker (1876 – 1907) sowie deren Familie, dann kennt sich Karl-Heinz Pötter ganz besonders gut aus. Als Vorsitzender des Mecklenbecker Geschichts- und Heimatkreises hat er – wie wiederholt berichtet – bereits über mehrere Jahrzehnte intensive Modersohn-Recherchen betrieben. Umso erstaunter war Pötter jetzt, als er von der Existenz eines Modersohn-Gemäldes erfuhr, das ihm bislang überhaupt nicht bekannt war.

Aus dem Jahr 1889 stammt das Gemälde „Sommerfreuden bei Haus Kump“, das seit rund anderthalb Jahrzehnten im münsterischen Stadtmuseum zu sehen ist. Es zählt zu den wichtigsten Landschaftsgemälden aus der münsterischen Zeit von Otto Modersohn. Pötter trug maßgeblich dazu bei, dass die Stiftung NRW und das Stadtmuseum es im September 2002 aus Privatbesitz erwerben konnten. Jetzt ist ein zweites Exemplar der „Sommerfreuden“ aufgetaucht, und der Mecklenbecker Modersohn-Experte rätselt, was wohl damit auf sich hat.

Laut Pötter hatte der Sohn einer kunstinteressierten münsterischen Familie das Bild im vergangenen Jahr im Katalog eines Berliner Auktionshauses entdeckt. Es sei dort ohne jegliche Angaben abgebildet gewesen. Da er das „Sommerfreuden“-Motiv aus dem Stadtmuseum kannte, schlug der Münsteraner bei der Versteigerung zu und erwarb es, worüber Karlheinz Pötter jetzt zum 40-jährigen Bestehen des Geschichts- und Heimatkreises unterrichtet wurde.

„Es stellt sich die Frage, wer dieses Bild gemalt hat“, sagt der Modersohn-Experte. Er wolle versuchen, eine Antwort zu finden. Doch das werde Zeit in Anspruch nehmen.

Die vermutliche Reproduktion der „Sommerfreuden“ weist kräftigere Farben auf. Beim genauen Hinschauen fällt auf, dass etliche Details vom Maler weniger filigran herausgearbeitet wurden. Eine Signatur war vorhanden, konnte jedoch selbst mit der Hilfe von Restauratoren nicht mehr entziffert werden.

Ob Otto Modersohn das Bild selbst ein zweites Mal auf die Leinwand bannte? Oder war es gar sein Sohn Christian, der eine Kopie des väterlichen Gemäldes anfertigte? Pötter, der im Jahre 1992 das Buch „Otto Modersohn in und um Münster 1884 – 89“ herausgab, hofft, dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Auch Christian Modersohn (1916 – 2009) sei ein großartiger Maler gewesen. Er habe ebenfalls eine Vielzahl von Bildern mit Motiven aus dem münsterischen Aatal gemalt.

Im Hinblick auf das Werk und die Geschichte der Malerfamilie Modersohn habe Mecklenbecks Geschichts- und Heimatkreis sehr viel Vorarbeit geleistet, sagt Karlheinz Pötter. Otto Modersohn und seine Frau Paula seien Deutschlands bekanntestes Künstlerehepaar. Vielen sei gar nicht bekannt, das Otto Modersohn von 1874 bis 1889 in Münster gewohnt und gemalt habe. Falle der Name Modersohn, dann sei oftmals nur von seinen späteren Domizil Worpswede die Rede, bedauert Pötter. Er spricht sich deshalb dafür aus, Otto Modersohn ein angemessenes öffentliches Andenken zu bewahren.

„Die Stadt Münster sollte für ihren vielleicht bekanntesten Maler einen eigenen Anlaufpunkt schaffen“, unterstreicht der Vorsitzende der Geschichts- und Heimatkreises. In dieser Hinsicht schwebt ihm beispielsweise ein eigener Modersohn-Raum in einem der münsterischen Museen vor: „Modersohn“, unterstreicht Pötter, „geht weit über Münster hinaus.“

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