Rechtsstreit nach Sturz in Aldi-Filiale
Folgenschwerer Discounter-Besuch

Münster-Mecklenbeck -

Den 15. April 2013 wird Alexander Carrié wohl nie vergessen: An diesem Tag zog er sich bei einem Unfall in der Mecklenbecker Aldi-Filiale schwere Verletzungen zu. Sie machen ihm noch heute zu schaffen. Doch für die Spätfolgen will der Discounter nicht aufkommen.

Freitag, 26.10.2018, 19:11 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 26.10.2018, 19:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 26.10.2018, 19:11 Uhr
Rutschte vor fünf Jahren in der Mecklenbecker Aldi-Filiale aus und zog sich dabei schwere Verletzungen zu, die ihm nach eigener Aussage noch heute zu schaffen machen: Alexander Carrié.
Rutschte vor fünf Jahren in der Mecklenbecker Aldi-Filiale aus und zog sich dabei schwere Verletzungen zu, die ihm nach eigener Aussage noch heute zu schaffen machen: Alexander Carrié. Foto: sch

Wer von Alexander Carriés Schicksalsschlag erfährt, mag es kaum glauben: Im April 2013 verletzte sich der heute 34-Jährige beim Besuch der Mecklenbecker Aldi-Filiale schwer. Er trug nach eigenem Bekunden unverschuldet Verletzungen davon, die ihm noch heute zu schaffen machen und für deren prognostizierte Spätfolgen offenbar niemand angemessen aufkommen will.

Wie es zu dem Unfall kam

Was war passiert? Beim Besuch der Discounter-Filiale sei er mit seinen Einkäufen in der Hand vor der Kasse ausgerutscht, auf den Boden geknallt und habe unter großen Schmerzen um Hilfe gerufen, sagt Carrié. Ein älterer Mann, ebenfalls Kunde, habe sich um ihn gekümmert. Seitens des Personals sei anfangs niemand zu ihm gekommen.

Dass er zu Boden ging, ist laut Carrié auf eine Reinigungsaktion zurückzuführen. Der Boden sei nass und glitschig gewesen, kein Schild habe davor gewarnt. Die Aldi-Filialleitung habe die Nässe beim Unfall zunächst bestritten. Doch der zur Hilfe gerufene Rettungsdienst habe ihm sofort bestätigt, dass er auf nassem Untergrund zu Fall gekommen sei. Von einer Mitarbeiterin des Discounters habe er später erfahren, dass die Reinigungsmaschine defekt war und es deshalb in der Tat nass gewesen sei.

Mit Knochenbrüchen ins Krankenhaus

Nach der Einlieferung ins Clemenshospital dann der Schock: Durch den Sturz hatte sich Carrié einen komplizierten Spiralbruch des Schienbeins zugezogen. Auch das Wadenbein unterhalb des Knies war gebrochen. Vier Stunden habe die sofortige Operation gedauert. Eine mit zwölf Schrauben befestigte Metallschiene sei ihm dabei eingesetzt worden, so der einstige Mecklenbecker, der seit Kurzem in Everswinkel wohnt. Neun Tage musste er im Hospital verbringen.

Eine komplizierte weitere Operation, 52 Besuche bei verschiedenen Ärzten, fünf Krankenhaus- und Schmerzambulanztermine sowie 41 Physiotherapie-Sitzungen sollten bislang folgen. 24 Röntgen-, zwei MRT- und eine CT-Untersuchung musste der 34-Jährige über sich ergehen lassen. Er musste Schmerzmittel einnehmen und sich über Monate Spritzen geben lassen.

Wie der Sturz sein Leben verändert hat

Sein Leben habe sich durch den Unfall abrupt verändert. Habe er früher gejoggt und Badminton gespielt, so sei das selbst fünf Jahre nach dem Unfall nicht mehr möglich, sagt Carrié. Sein Orthopäde habe ihm den jetzigen Zustand als Abschlusszustand attestiert, der sich mit großer Wahrscheinlichkeit noch verschlechtern werde. „Ich habe bis heute starke Schmerzen, kann nicht mehr richtig laufen und auch keinen Schaltwagen mehr fahren“, bedauert Carrié. Autofahren sei schmerzbedingt nur noch mit einem per Darlehen finanzierten Automatik-Fahrzeug möglich. Der Unfall habe ihm „finanziell riesige Probleme“ bereitet.

Um seine Rechte geltend zu machen, musste das Unfallopfer vor Gericht gehen. Die Haftpflichtversicherung des Discounters zahlte ihm ein überschaubares Schmerzensgeld, und trug zudem die Arzt- und Krankenhauskosten. Für die von ihm befürchteten gravierenden Spätfolgen wolle sie aber nicht aufkommen, ärgert sich Carrié. Im August habe er einen entsprechenden Rechtsstreit beim Landgericht Münster gewonnen. Doch Aldis Versicherer habe Berufung eingelegt, um nun vors Oberlandesgericht in Hamm zu ziehen.

Hohe Prozesskosten 

Da er keine Rechtsschutzversicherung habe, müsse er fast 9000 Euro an Anwalts-, Gerichts- und Sachverständigenkosten zahlen: „Mehr als die Hälfte des Schmerzensgelds ist dafür bereits draufgegangen.“ Obendrein müsse er sich nun auch noch Sorgen darüber machen, was passiere, wenn sich sein derzeitiger Gesundheitszustand verschlimmere. Zumal er noch drei abgebrochene Schrauben im Bein habe, die nicht entfernt werden könnten.

Dass Aldis Versicherer mit seiner Krankenkasse im Hinblick auf Spätfolgen eine pauschale Abfindungsvereinbarung getroffen hat, versetzt Alexander Carrié ins Staunen. Denn ihm gegenüber werde vor Gericht gutachterlich argumentiert, er sei doch wieder gesund. Der Everswinkler will nun dafür kämpfen, auch als Privatperson im Falle einer weitergehenden Beeinträchtigung finanziell abgesichert zu sein. Bis heute habe sich vonseiten des Discounters übrigens niemand entschuldigt.

Von der zuständigen Aldi-Niederlassung in Greven war keine Stellungnahme zum Fall Carrié zu bekommen. Man bitte aus Datenschutzgründen dafür um Verständnis, hieß es.

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