94-jähriger Mecklenbecker schreibt Romane
Schöpfer von Lebensgeschichten

Münster-Mecklenbeck -

18 Bücher hat er bereits verfasst, jetzt ist mit „Kiepenkerl Tönne Gausepohl“ ein neues Werk von Günter Sehrbrock erschienen.

Freitag, 21.12.2018, 19:00 Uhr aktualisiert: 28.12.2018, 16:54 Uhr
Der Mecklenbecker Romanschreiber Günter Sehrbrock hat mit „Kiepenkerl Tönne Gausepohl“ einen neuen Roman verfasst.
Der Mecklenbecker Romanschreiber Günter Sehrbrock hat mit „Kiepenkerl Tönne Gausepohl“ einen neuen Roman verfasst. Foto: ann

Ein allmähliches Erblinden ist für den Betroffenen zumeist eine Katastrophe. Auch wenn einfache Handreichungen im Alltag mit oft jahrelanger Erfahrung noch zu bewältigen sind, das Lesen als wichtige Informationsquelle und Orientierungshilfe entfällt recht schnell. „Ich kann doch nicht den ganzen Tag Hörbücher hören“, sagt Günter Sehrbrock . Er ist 94 Jahre alt und muss mit dem Schicksal der Erblindung fertig werden. Er klingt dabei aber weder niedergeschlagen noch resigniert.

Seinen Alltag hat der Mecklenbecker organisiert, und er kann ihn weitgehend ohne fremde Hilfe bewältigen. „Aber es ist sehr langweilig, wenn man nicht lesen kann und auch das Fernsehen nur begrenzt möglich ist“, stellt er fest. Der Fantasie und der Vorstellungswelt sind aber keine Grenzen gesetzt, und das ist für den Senior ein großes Glück. Er schreibt nämlich Romane, oder genauer: Er diktiert sie.

18 Bücher hat er bisher verfasst, ein Dutzend hat er schon mit sehr kleiner Auflagenzahl veröffentlicht. Einen Verlag hat er nicht, er beauftragt eine Druckerei, lässt die Werke binden und verschenkt sie dann an Inter­essierte. „Ein Exemplar wünscht sich auch immer die Universitätsbücherei“ , betont er nicht ohne Stolz. „Verkaufen kann ich sie nicht, die wären zu teuer. Hobbys kosten eben Geld“, erklärt er.

Gerade hat Günter Sehrbrock einen Roman fertiggestellt. In „Kiepenkerl Tönne Gausepohl“ entwirft er die Lebensgeschichte eines fliegenden Händlers, wie er für das Münsterland in früheren Zeiten typisch war. Auch wenn es diese Figur so nicht wirklich gegeben hat – es hätte sie durchaus geben können. Anders gesagt: Der Autor bettet eine fiktive Lebensgeschichte vage in historische Bezüge ein, sodass eine glaubhafte Biographie daraus wird. Sein Tönne – er habe bewusst einen sehr typisch münsterländischen Namen gewählt – wird 1792 geboren, geht bei einem Schreiner in die Lehre und übernimmt später die Verkaufsgänge seines Vaters als Kiepenkerl in die Umgebung von Münster. In gleichförmigem Erzählfluss ohne Kapiteleinteilung erzählt der Verfasser alltägliche Abläufe, ohne dabei allzu sehr auf örtliche Gegebenheiten oder historische Details einzugehen.

Günter Sehrbrock hat das Erzählen erst spät für sich entdeckt. Zunächst arbeitete er als Architekt, dann verlegte er sich aufs Restaurieren alter Burganlagen und wurde – wie er erzählt – als leitender Ingenieur ein gefragter Fachmann auf diesem Gebiet. Jetzt bewegt der Mecklenbecker sich – in gewisser Hinsicht ebenfalls als „Fachmann“ – als Erzähler und kreativer Schöpfer von Lebensgeschichten im Mikrokosmos seiner erdachten Welt.

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