Wissenschaftliche Untersuchung im Landschaftspark
Insektenfang mit Alkoholflasche

Münster-Mecklenbeck -

In Kooperation mit der Stadt Münster und dem Entomologischen Verein Krefeld führt der Naturschutzbund im Mecklenbecker Landschaftspark ein mehrjähriges Forschungsprojekt durch. Es widmet sich dem Insektenvorkommen im Stadtgebiet.

Dienstag, 24.09.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 25.09.2019, 12:16 Uhr
Im Mecklenbecker Landschaftspark befindet sich diese Malaisefalle. Sie ist eine von vier Fallen, die im Stadtgebiet aufgestellt wurden.
Im Mecklenbecker Landschaftspark befindet sich diese Malaisefalle. Sie ist eine von vier Fallen, die im Stadtgebiet aufgestellt wurden. Foto: sch

Von Weitem sieht es aus wie ein Mini-Zelt, das mitten im Mecklenbecker Landschaftspark aufgeschlagen wurde. Wer näher herangeht, sieht schon bald, dass das vermeintliche Zelt durchsichtig ist und niemandem Unterschlupf bietet. Es handelt sich vielmehr um eine sogenannte Malaise-Falle – sprich eine Zeltfalle zum Fang von fliegenden Insekten. Sie wurde von der Nabu-Naturschutzstation im Landschaftspark aufgestellt.

Bis Ende Oktober wird die Falle an Ort und Stelle bleibe. Sie dient einer wissenschaftlichen entomologischen (insektenkundlichen) Untersuchung, die die Nabu-Naturschutzstation Münsterland in Kooperation mit der Stadt Münster im Rahmen des Projekts „Münster summt auf“ durchführt.

Laut Naturschutzbund-Sprecher Dr. Thomas Hövelmann geht es darum, die Insektenpopulation im Stadtgebiet über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Dabei arbeitet die Naturschutzstation mit dem Entomologischen Verein Krefeld zusammen. Dessen Insektenkundlern sei es zu verdanken, dass die Diskussion um das dramatische Insektensterben in Deutschland losgetreten worden sei.

Die nach dem schwedischen Insektenforscher René Malaise (1892 – 1978) benannte Falle funktioniert folgendermaßen: Fluginsekten, die in den zugänglichen dunklen Unterteil der Zeltfalle gelangen, versuchen, diese über deren hellen Oberteil wieder zu verlassen. Dort geraten sie jedoch in eine Fangflasche mit hochprozentigem Alkohol, der die Insekten betäubt und durch Ertrinken tötet.

Laut Thomas Hövelmann wird die Fangflasche von Nabu-Mitarbeitern im 14-tägigen Turnus geleert und durch eine neue ersetzt. Den Krefelder Entomologen kommt anschließend die Aufgabe zu, den Fang auszuwerten: Sie stellen fest, wie viele Fluginsekten gefangen wurden. „Nach 14 Tagen sind mehrere Tausend Individuen in der Flasche“, erläutert Diplom-Biologe Hövelmann. Dabei handele es sich unter anderem um Honig- und Wildbienen, Schwebfliegen, Mücken, Wespen und Schmetterlinge.

Da das Projekt über längere Zeiträume und mehrere Jahre angelegt ist, erhoffen sich die Naturschützer verlässliche Ergebnisse zur Entwicklung der Insektenpopulation, zum mittlerweile vielbeklagten Insektenschwund sowie zum Insektenvorkommen innerhalb Münsters. Um auch Letzterem fundiert auf die Spur zu kommen, wurden drei weitere Malaisefallen im Stadtgebiet platziert: auf dem Zentralfriedhof, am Truppenübungsplatz in Dorbaum und an einer Maisanbaufläche in Nienberge-Häger.

Nach Auskunft Hövelmanns musste zur Durchführung der Untersuchungen eine behördliche Genehmigung eingeholt werden. Schließlich gelangen auch besonders geschützte Insektenarten in die Falle. Die Menge der Tiere, die innerhalb von zwei Wochen in einer Falle gefangenen werden, ist aus Sicht des Nabu-Fachmanns keineswegs bedenklich: „Das ist nur soviel, wie eine Spitzmaus am Tag frisst.“

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