Mecklenbecker machte sich um die Völkerverständigung verdient
Kulturpreis für „Manager“ Goebel

MÜNSTER-MECKLENBECK -

Er greift zu Hammer und Meißel, um damit Freundschaft zu schaffen.

Freitag, 18.10.2019, 05:30 Uhr
Helmut Goebel restauriert in seiner einstigen niederschlesischen Heimat seit Jahrzehnten vom Verfall bedrohte Denkmäler. Spenden dafür sammelte er von Kunden und Nachbarn.
Helmut Goebel restauriert in seiner einstigen niederschlesischen Heimat seit Jahrzehnten vom Verfall bedrohte Denkmäler. Spenden dafür sammelte er von Kunden und Nachbarn. Foto: s

Der Weg in die alte Heimat ist lang. 900 Kilometer sind es von Mecklenbeck bis Niederschwedeldorf in Niederschlesien, heute Polen. 113 Mal hat der Mecklenbecker Helmut Goebel seit 1959 diese Strecke zurückgelegt. 203 400 Kilometer kamen so zusammen. Diese „Kilometerfresserei“ dient einem großen Ziel: Goebel will die Vergangenheit bewahren.

Für seine Verdienste um die Rekonstruktion von Denkmälern in seinem Heimatort wurde Goebel vor einigen Wochen mit dem Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen ausgezeichnet. Bei einer Feierstunde in Wolfenbüttel nahm er die Urkunde und die zehn Kilo schwere Preis-Skulptur entgegen. Sie steht jetzt in Goebels Wohnzimmer an der Straße Am Getterbach.

Ha ns Jörg Neumann , Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Breslau, betonte in seiner Laudatio bei der Preisverleihung, Goebels „unermüdlicher Einsatz beeindruckte auch andere und regte zum Nachahmen an“.

Engagement

Das so gelobte Engagement begann für Goebel, den es nach dem Krieg nach Westdeutschland verschlagen hatte, mit einem Besuch im Heimatort. Der Fachmann für Produkte von Milchviehbetrieben wollte seiner Frau Irmgard 1959 mal zeigen, wie es in Niederschwedeldorf aussah. Über Ost-Berlin fuhren die beiden auf Einladung aus Polen mal hin. Besuche bei der Posener Messe nutzte Goebel in den nächsten Jahren, um immer wieder in Niederschwedeldorf vorbeizuschauen, wo sein Vater einst ein geachteter Mann gewesen war.

In den nächsten Jahrzehnten engagierte sich Goebel auf vielfältige Weise für die Verständigung zwischen Polen und Deutschen. Unter anderem gründete er 1963 in Münster den Verein Grafschaft Glatz. 1986 erhielt der Mecklenbecker das Bundesverdienstkreuz.

Erinnerungsstücke

Ab 1996 begann er die vielen, vom Zahn der Zeit arg angenagten Denkmäler in seinem Heimatort offiziell zu restaurieren, um sie für die Zukunft zu bewahren. Mit seinen Helfern sorgte er dafür, dass Bildstöcke und andere steinerne Erinnerungsstücke wieder strahlen.

Aber woher hatte Goebel das Geld für seine private Hilfsaktion? Er sammelte es bei Kunden und Nachbarn.

2002 wurde der Verein „Erzengel Michael“ als Trägerverein für die Restaurierungsarbeiten gegründet. Sieben Jahre später war die „Straße der Denkmäler“ in Niederschwedeldorf fertig. Über 30 restaurierte Denkmäler kann man auf diesem vier Kilometer langen Weg besuchen. Alle sind auf Polnisch und Deutsch beschildert.

Rückblick

Im Januar 2013 wurde Goebel für sein Engagement der Verdienstorden der Klasse V der Republik Polen überreicht. Im September 2019 folgte dann der Kulturpreis Schlesien. Goebel verwies in seiner Danksagung für diesen Preis darauf, dass seine Restaurierungsarbeit eigentlich schon 1959 begann. Damals richtete er das Grab seiner Großeltern wieder her. Im Rückblick auf seine langjährige Hilfe betonte der Mecklenbecker: „Es war eine schöne Zeit!“

„Ich war der Manager“, sagt Goebel, wenn er heute über seine Arbeit als Restaurator nachdenkt. Und die Arbeit für diesen ganz besonderen Manager wird weitergehen, so lange es Goebels Gesundheit zulässt.

Münchhausen

„Die nächste Welle läuft schon“, sagt er lächelnd. Zum 300. Geburtstag des „Lügenbarons“ Münchhausen im Jahr 2020 wird Helmut Goebel ein zweitägiges Festival in Niederschwedeldorf mit organisieren. Dort hatte der Baron nämlich eines seiner Schlösser. Und dort will Goebel wieder hin. Ungelogen.

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