Flüchtlingsinitiative „Willkommen in Mecklenbeck“
Nach vier Jahren wieder vereint

Münster-Mecklenbeck -

Reichlich Grund zur Freude gibt es zum Jahreswechsel bei Familie Ali in der Mecklenbecker Flüchtlingsunterkunft am Hafkhost: Die syrische Familie lebt wieder auf.

Dienstag, 24.12.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 26.12.2019, 17:46 Uhr
Nach vier Jahren der Trennung ist die kurdische Familie Ali aus Aleppo wieder zusammen.
Nach vier Jahren der Trennung ist die kurdische Familie Ali aus Aleppo wieder zusammen. Foto: ann

Für Familie Ali wird dieses Weihnachtsfest ganz besonders sein. Obwohl sie Muslime sind und streng genommen zu diesem christlichen Fest keine unmittelbare Beziehung haben. Aber Vater Ali Reda und sein Sohn Mohamed leben bereits seit 2015 in Deutschland und haben schon ein wenig „Weihnachtserfahrung“. Zumindest was Sitten und Gebräuche in Zusammenhang mit diesem Fest angehen, haben sie sich ein wenig angepasst. Ihre Umgebung leitete sie sozusagen an.

Aber dieses Jahr wird alles anders sein, es wird ein echtes Familienfest mit einem Tannenbaum im Flüchtlingsheim am Hafkhorst werden, denn nach vier Jahren sind alle erstmalig wieder vereint. Nach langem Warten und bangen Sorgen konnten Ali Redas Ehefrau Mariam und ihre Söhne Juan, Sharivan und Miran endlich nach Deutschland reisen.

Die kurdische Familie lebte vormals in Aleppo. In ihrem vom Krieg verwüsteten Land sahen sie keine Zukunft mehr. Sie sparten eisern, um zunächst mal den beiden Männern der Familie – Vater Ali Reda und Mohamed, der damals 15 Jahre alt war – die teure Ausreise zu ermöglichen. Die glich allerdings mehr einer Flucht und führte zunächst von Aleppo in die Türkei, damals war das noch möglich. Von dort ging es per Schiff nach Griechenland und dann teils per Bus, teils zu Fuß über Kroatien, Serbien, Slowakei und Österreich nach Deutschland. Über Passau und Köln kamen sie nach Münster.

Mutter Mariam schlug sich mit den Söhnen Juan und Sharivan in Aleppo durch, bis sie der Krieg erreichte. Sie flohen nach Afrin im Nordwesten Syriens zur Großmutter, wo Mariam den Sohn Miran zur Welt brachte. Vater und Sohn in Deutschland versuchten über WhatsApp Kontakt zu halten, was nicht immer möglich war. So waren Angst und Sorge die ständigen Begleiter. Auch Afrin wurde vom Krieg heimgesucht und Mariam floh mit ihren drei Söhnen zurück nach Aleppo. Dort gab es zwar keinen Bombenalarm mehr, aber kaum ein Stein stand auf dem anderen, das Leben war kaum möglich. Mit der Hoffnung auf Ausreise waren sie beständig in Wartestellung. Als dann die erlösende Nachricht kam – Münsters Bischof Felix Genn hat einen kleinen Sonderetat für spezielle Notlagen – musste alles sehr schnell gehen, für das Visum musste sie sogar noch zur Deutschen Botschaft nach Beirut.

Der Empfang Anfang September am münsterischen Flughafen war ein Meer der Tränen – Freudentränen. Mohamed hat alles per Handy festgehalten. Sie konnten es nicht glauben, dass sie sich in den Armen hielten. Vater Ali Reda sah zum ersten Mal seinen jüngsten Sohn Miran.

Ali Reda ist Maschinenbauer, hat fleißig Deutsch gelernt und ist mittlerweile gut in Deutschland angekommen. Mohamed hat die Hauptschule abgeschlossen und wird zum Kfz-Mechaniker ausgebildet. Was seinen Ehrgeiz und Eifer angeht, werden es ihm die Neuankömmlinge der Familie wohl nachtun. Mutter Mariam lernt mit Hilfe der Ehrenamtlichen von „Willkommen in Mecklenbeck“ schon eifrig Deutsch, Sharivan möchte Arzt werden und Miran, der Jüngste, geht begeistert in den Kindergarten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7150945?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F140%2F
Nachrichten-Ticker