Interview mit Stephan Brinktrine
Im September ist Schluss

Münster-West -

Der Stadtbezirk Münster-West ist mit seinen etwas über 60 000 Einwohnern der größte im gesamten Stadtgebiet. Entsprechend viel ist dort auch in Bewegung. Das größte Projekt ist zweifelsohne die Entwicklung des Oxford-Areals. Aber es gibt noch weitere Herausforderungen.

Montag, 30.12.2019, 17:38 Uhr aktualisiert: 30.12.2019, 17:44 Uhr
Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei verrät er unter anderem, dass er seinen Posten aufgibt und seine Arbeit auf den Rat beschränken möchte.
Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei verrät er unter anderem, dass er seinen Posten aufgibt und seine Arbeit auf den Rat beschränken möchte. Foto: Kay Böckling

Über das vergangene Jahr sprach unser Redakteur Kay Böckling mit Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine – nicht ohne einen Ausblick nach vorn zu wagen.

Herr Brinktrine, beginnen wir unser fast schon traditionelles Jahresinterview mal etwas anders: In dieser Konstellation werden wir künftig nicht mehr zusammensitzen – zumindest werden wir thematisch nicht mehr über Ihre Eindrücke als Bezirksbürgermeister sprechen. Das Amt werden Sie nämlich nicht mehr ausüben nach dem 13. September. . .

Brinktrine: Ich werde mich um einen Platz im Rat der Stadt Münster bewerben. Und was nicht funktioniert, ist Rat und Bezirksvertretung gleichzeitig. Das war so ja auch nie auf Dauer angelegt. Als Ehrenamtler ist dieser Aufwand nicht mehr leistbar: Bezirksbürgermeister, Bezirksvertretung und Mitglied des Rates, im Aufsichtsrat der Wohn- und Stadtbau, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Konvoy sowie die Arbeit in verschiedenen Ausschüssen. Somit ist es der Plan, Mitglied des nächsten Rates zu werden. Ob das klappt? Mal abwarten.

Man soll ja bekanntlich nicht mit Traditionen brechen: Wir befassten uns in den vergangenen Jahren stets mit dem Oxford-Quartier. Wie geht es da weiter? Die Baustraße gibt es ja bereits.

Brinktrine: Das ist alles schwer abzusehen. Ich habe eine Zahl noch sehr gut im Kopf, weil es mich persönlich betraf: Im Jahr 2014 auf einer Veranstaltung zur Oxford-Kaserne, die ich als Bezirksbürgermeister besucht habe, hat man mir gesagt, dass ich 2018 die ersten Häuser in meiner Funktion als Bezirksbürgermeister einweihen werde. Jetzt stellt es sich so dar, dass ich als Bezirksbürgermeister dort gar nichts einweihe. Ich glaube noch nicht einmal, dass ich dort einen Grundstein legen werde.

Worüber haben Sie sich im vergangenen Jahr am meisten geärgert?

Brinktrine: Über die in meinen Augen falsche Entscheidung, die bezüglich des Uhrenturm-Gebäudes auf dem Oxford-Areal getroffen wurde. Die Nutzung wird am Ende wahrscheinlich nicht im Sinne des Bürgerbeteiligungsprozesses ausfallen. Die Nutzung wird nur zu einem Teil so ausfallen, wie sich das die Bürger und die Politik gewünscht haben. Wer die Schuld daran trägt, interessiert mich gar nicht mal so sehr.

Gehen wir mal nach Nienberge: Wo genau wird sich das neue Baugebiet befinden?

Brinktrine: Es soll ausgewiesen werden an der Feldstiege hinter dem Areal des SC Nienberge.

Wäre es nicht sinnvoll, zugunsten des Zusammenwachsens von Wohnbebauung das Sportareal zu verlegen? So hat es den Anschein, das Sportgelände spaltet ein Wohngebiet. . .

Brinktrine: Das hat wohl liegenschaftliche Gründe. Aber es soll diesbezüglich noch Gespräche geben.

In Albachten wird auch gebaut. Wann?

Brinktrine: Auch das sollte schon längst auf dem Weg sein. Das ist besonders ärgerlich für diejenigen, die auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum sind. Leider kam es auch dort zu Verzögerungen. Thema war dort hauptsächlich die Entwässerung.

In Albachten gab es ja Diskussionen um den Standort des Feuerwehrgerätehauses. Gibt es da Neuigkeiten?

Brinktrine: Der alte Stand ist der neue Stand. Es soll im neuen Baugebiet entstehen.

Das heißt, dass der alte Friedhof aus der Diskussion heraus ist?

Brinktrine: Ob das so ist, kann ich nicht sagen. Da ist noch nichts in trockenen Tüchern. Das Grundstück ist nicht im Besitz der Stadt Münster. Ob die katholische Kirche es verkauft oder verpachtet, muss man später sehen. Auch ob das Grundstück überhaupt von der Größe her passt. Es sind noch einige Fragen diesbezüglich offen.

Wo wir gerade bei Gerätehäusern sind, machen wir doch in Roxel weiter. Dort ist ein entsprechender Baubeschluss für den Standort Tilbecker Straße erfolgt. Wie sieht es in diesem Zusammenhang mit der Schaffung von günstigem Wohnraum für Feuerwehrleute aus?

Brinktrine: Dort ist auch Wohnbebauung vorgesehen. Ob das bezahlbarer Wohnraum sein wird, kann man nicht sagen. Eins aber steht fest: Roxel gehört nicht zu den günstigsten Stadtteilen Münsters. Aber: Ich finde die Idee sehr gut, für diese Klientel bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Denn in diesem Bereich wird ehrenamtlich soviel Arbeit geleistet, die man gar nicht genug wertschätzen kann.

Mecklenbeck gleicht aktuell ja einer Großbaustelle – zumindest im Bereich Weseler Straße/Heroldstraße/Schwarzer Kamp.

Brinktrine: Das ist richtig. Dort ist viel gebaut worden, und dort wird weiter viel gebaut. Diese Baustellen werden dafür sorgen, dass sich Mecklenbeck verändern wird. Ich glaube, die Mecklenbecker sind zum größten Teil zufrieden mit der Entwicklung.

Wo sehen Sie in Münsters Westen Entwicklungspotenzial?

Brinktrine: Zum Beispiel in der Debatte um die fehlenden Schwimmflächen. Da muss in den nächsten Jahren auf jeden Fall eine Entwicklung stattfinden. Es kann nicht sein, dass der größte Stadtbezirk in puncto Wasserflächen komplett abgehängt ist. In erster Linie denke ich da an die Schwimmzeiten für Schülerinnen und Schüler. Und auch was die Wohnbebauung angeht, sind wir noch lange nicht am Ende. Wir dürfen uns nicht ausruhen auf den beiden Konversionsflächen. Das wird nicht reichen, um die Nachfrage nach Wohnraum zu beruhigen.

Zurück zum Anfang: Nach der Kommunalwahl hören Sie als Bezirksbürgermeister auf. Was wollen Sie bis dahin noch erledigt wissen?

Brinktrine: In der Politik ist es nie so einfach wie in anderen Bereichen, wo man sich eine To-do-Liste macht und alles abhakt. In der Politik muss man mit einer gewissen Beharrlichkeit an den Dingen dranbleiben. Der stete Tropfen höhlt bekanntlich jeden Stein. Ich möchte weiter mithelfen, dass wir das Thema Wohnen in all seinen Formen voranbringen. Und wenn die Entscheidung noch so klein und das Baugebiet noch so winzig ist – wir müssen es auf den Weg bringen und die Dinge beschleunigen. Ansonsten möchte ich die Vereine besuchen, den zahlreichen Ehrenamtlern noch einmal danken, die diesen Stadtbezirk am Leben halten. Denn: Ohne die könnten wir gar nichts machen.

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