Büchereien haben wegen der Krise auf Bestellungen umgestellt
Lesestoff kommt nun frei Haus

Münster-Nordwest -

Wenn einem die eigene Decker auf den Kopf fällt, hilft häufig ein Griff zum Buch. Doch wenn die heimische Literatur durchstöbert ist, muss Neues her. Doch wie, wenn man nicht vor die Tür soll? Der heimische Buchhandel hat die Lösung.

Freitag, 03.04.2020, 18:50 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 18:16 Uhr
Buchhändlerin Kirsten Lambeck hat rasch gehandelt: Sie liefert nun Bücher aus und das inzwischen kistenweise.
Buchhändlerin Kirsten Lambeck hat rasch gehandelt: Sie liefert nun Bücher aus und das inzwischen kistenweise. Foto: sn

Es kam aus heiterem Himmel. „Vor einigen Wochen konnte ich mir das noch nicht vorstellen“, sagt Kirsten Lambeck , die Inhaberin der Gievenbecker Buchhandlung „Der Wunderkasten“. Über Nacht sei der Erlass des Landes Nordrhein-Westfalen gekommen, wonach auch Buchläden schließen müssen. Die Buchhändler in Münsters Stadtteilen geben dennoch nicht auf: Sie machen weiter, nur auf ganz andere Weise als vorher – nämlich online.

„Da sind die Kunden froh drüber“, meint etwa Horst Bilke vom Kinderhauser Buchzentrum. Die Möglichkeit, bei ihm auch per Internet zu bestellen, habe es zwar auch schon vorher gegeben, aber sonst habe er seine Kunden gebeten, die Bücher im Laden abzuholen. Das geht nun nicht mehr. Die Bestellung kommt frei Haus: „Am nächsten Tag ist sie schon da“, sagt Bilke, der auch telefonisch und per Mail für Lesewürmer bereitsteht. So machen es die anderen Buchhandlungen ebenso, der Service wird großgeschrieben. Und doch ist die Situation für alle ganz ungewohnt. „Am Anfang war die Angst groß“, bekennt Kirsten Lambeck angesichts der wohl vorübergehenden aber plötzlichen Ladenschließung. Verständnis für die Maßnahmen hat sie dennoch, auch angesichts der vielen älteren Leute im Stadtteil.

Also: Kein Publikumsverkehr, kein Stöbern in vollen Buchregalen. Gerade jetzt sei der Bedarf nach Büchern aber groß, sagt Lambeck. Puzzle und Rätsel würden etwa gut laufen und natürlich Schulmaterialien.

Die Gievenbecker Buchhandlung liefert persönlich mit dem Auto aus: „Mein Vater hilft mit, mein Sohn und mein Freund“, sagt Kirsten Lambeck. Das Ganze ist ein richtiges Familienprojekt. Zunächst werden die Bestellungen aufgenommen, dann in Tüten verpackt und nach Straßen sortiert. So kommen vollständige Lieferrouten zusammen, die täglich abgefahren werden. 

Per Rad ist jetzt Hildegard Vogel unterwegs, die Inhaberin der Mecklenbecker Buchhandlung „Lesezeit“. Sie liefert die Schmöker mit der Leeze aus. „Letzte Woche war das noch ganz angenehm, jetzt muss ich Handschuhe tragen“, sagt sie schmunzelnd mit Blick auf die kühlen Temperaturen der vergangenen Tage. Auch ihre Kunden sind heilfroh, dass Bücher auch in Corona-Zeiten erhältlich sind. Wie ist die Resonanz? „Ich bin ganz zufrieden“, sagt Hildegard Vogel. Und doch: Der Bringservice ohne offenes Ladengeschäft sei ein „Notpflaster“ und brauche mehr Aufwand.

Alle Buchhändler haben eines gemeinsam: Sie freuen sich darüber, dass die Kunden die alternativen Angebote annehmen. Sie würde viel Unterstützung im Stadtteil erfahren, sagt etwa Kirsten Lambeck. „Schön, dass es euch weiterhin gibt“, habe sie schon gehört, andere winkten von Weitem zu.

Der Bringservice solle auch in der „Nach-Coronazeit“ weiterbestehen, sagt sie. Trotz der neuen Erfahrungen und dem starken Zuspruch seitens der Kunden wünschen sich die Buchhändler in vielen Münsters Stadtteilen wohl eines am allermeisten: Dass sie ihre Ladengeschäfte wieder öffnen können und die Lesefans wieder persönlich begrüßen können.

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