Mecklenbecker Zahnarzt sucht mit mobiler OP-Einheit Patienten auf
Mittags geht‘s ins Seniorenheim

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Es gibt bislang noch nicht allzu viele Zahnärzte, die im Bedarfsfall auch außerhalb ihrer Praxis für Patienten im Einsatz sind: Der Mecklenbecker Patrick Plöger zählt zu ihnen.

Freitag, 18.12.2020, 23:55 Uhr aktualisiert: 19.12.2020, 00:00 Uhr
Patrik Plöger (r.) und sein angestellter Zahnarztkollege Amir Timo Marouf suchen mit der mobilen OP-Einheit Patienten zu Hausbesuchen auf. In Corona-Zeiten darf dabei allerdings eine Schutzausrüstung nicht fehlen.
Patrik Plöger (r.) und sein angestellter Zahnarztkollege Amir Timo Marouf suchen mit der mobilen OP-Einheit Patienten zu Hausbesuchen auf. In Corona-Zeiten darf dabei allerdings eine Schutzausrüstung nicht fehlen. Foto: sch

„Viele wissen gar nicht, dass es diese Möglichkeit gibt“, sagt Dr. Patrik Plöger . Im Mai vergangenen Jahres hat der Mecklenbecker Neuland betreten: Als einer von vielleicht einer Handvoll münsterischer Zahnärzte bietet er auf freiwilliger Basis mobile Hausbesuche an. Das gab es vereinzelt auch schon früher, allerdings nur auf bescheidenem Notfallniveau. Plöger ist indes als einer von wenigen mit einer mobilen OP-Einheit unterwegs. Diese macht eine umfassende Patienten-Versorgung möglich – fast so wie in der Praxis und in Zeiten der Corona-Pandemie von einem nicht zu unterschätzendem Vorteil.

Zusammen mit seinem Vater Dr. Theodor Plöger (77) betreibt der 38-Jährige im Zentrum von Mecklenbeck eine Zahnarztpraxis. Auf die Idee, in eine mobile Behandlungseinheit zu investieren, sei er gekommen, da etliche langjährige Patienten seines Vaters schlichtweg zu alt geworden seien, um die Praxis aufzusuchen. Manche von ihnen wollten oder könnten das Haus nicht mehr verlassen oder lebten mittlerweile in einem Senioren- beziehungsweise Pflegeheim. Sie wolle man nicht im Regen stehen lassen, ihnen auch weiterhin zahnärztliche Versorgung anbieten, obwohl es dafür keinerlei gesetzliche Verpflichtung gebe. Bis zur Anschaffung der transportablen Einheit – sie wird ins Auto gepackt und zum Einsatzort transportiert – sei das Leistungsspektrum dabei aber nur recht eingeschränkt möglich gewesen.

Besagte Einheit ist kaum größer als ein Reisekoffer und dennoch mit all dem ausgestattet, was ein Zahnarzt zur Behandlung seiner Patienten braucht: angefangen vom Kompressor, Bohrer und Absauger bis hin zum Zahnsteinentferner. Zusammen mit einer Mitarbeiterin, die viele Jahre in der Altenpflege tätig war, suchen Patrik Plöger oder sein angestellter Zahnarztkollege Amir Timo Marouf meist einmal pro Tag zur Mittagszeit Außer-Haus-Patienten auf, im Zeichen von Covid 19 natürlich mit der unabdingbaren Schutzausrüstung.

Viele Senioren – insbesondere Risikopatienten – trauten sich trotz Dentalbeschwerden derzeit nicht aus dem Haus, hätten Sorge, in die Zahnarztpraxis zu gehen. Aber auch Gehbehinderten, Pflegebedürftigen und Bettlägerigen – egal ob jung oder alt – denen die Zähne Probleme bereiteten, könne dank der mobilen OP-Einheit relativ unkompliziert geholfen werden. Selbst Wurzelkanalbehandlungen und Füllungen seien möglich.

Patrik Plöger ist sich sicher, dass der aufsuchenden Zahnmedizin angesichts einer steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung ohnehin künftig größere Bedeutung zukommen wird und sich auch andere Berufskollegen dem Thema widmen werden. Eine goldene Nase daran verdienen könne sich ein Zahnmediziner allerdings nicht: „Das wird nie ein wirtschaftliches Modell.“ Der Zuschuss, den die Krankenkassen für den Hausbesuch gewährten, sei unattraktiv.

In Mecklenbeck, Albachten, Roxel und Teilen der Aaseestadt – dem Einzugsbereich der Praxis – beginne sich das Außer-Haus-Angebot aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda schon herumzusprechen, sagt Plöger. Mittlerweile suche er Patienten nicht nur in deren eigenen vier Wänden, sondern unter anderem auch in den Senioreneinrichtungen Meckmannshof und Hof Schultmann auf. Was er dabei gerne noch mitnehmen würde, sei ein mobiles Röntgengerät. Doch das sei in Deutschland (noch) nicht möglich: „Das Amt für Strahlenschutz erlaubt das nicht.“

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