Umstrittene Parkplatzüberwachung im Mecklenbecker Stadtteilzentrum
Firma zieht Knöllchen zurück

Münster-Mecklenbeck -

Die strikte Überwachung des Parkplatzes im Mecklenbecker Stadtteilzentrum ärgert nicht wenige Bürgerinnen und Bürger des münsterischen Stadtteils. Eine „Parksünderin“ hatte Glück: Ihr Knöllchen wurde aus triftigem Grund letztlich doch noch storniert.

Mittwoch, 20.01.2021, 22:12 Uhr aktualisiert: 20.01.2021, 22:20 Uhr
Der Parkplatz des Mecklenbecker Stadtteilzentrums wird im Hinblick auf die Höchstparkdauer seit Oktober 2020 streng überwacht. Das stößt bei so manchem mittlerweile auf harsche Kritik.
Der Parkplatz des Mecklenbecker Stadtteilzentrums wird im Hinblick auf die Höchstparkdauer seit Oktober 2020 streng überwacht. Das stößt bei so manchem mittlerweile auf harsche Kritik. Foto: sch

Frohe Kunde aus Dortmund: Nach unserem jüngsten Bericht über ein happiges Knöllchen, das eine schwangere Amelsbürenerin nach nur elfminütiger Überschreitung der Höchstparkdauer auf dem Parkplatz des Mecklenbecker Stadtteilzentrums zahlen sollte, hat sich die Überwachungsfirma gemeldet: Sie zieht die Vertragsstrafe nebst angefallener Mahn- und Zusatzkosten komplett zurück.

Wie berichtet, hatte die angehende Mutter in einer medizinischen Notlage die Internisten-Praxis des Stadtteilzentrums aufsuchen müssen. Diese durfte sie auf ärztliche Anweisung erst nach längerer Zeit verlassen, sodass sie die 90-minütige Parkdauer überschritt und wenig später eine 30-Euro-Vertragsstrafe bekam. Die wollte das Parküberwachungs-Unternehmen Loyal Parking trotz eingereichter Bescheinigung über die exakte Dauer des Praxis-Aufenthalts nicht zurücknehmen. Als Reaktion auf eine am Montag per E-Mail dazu verschickte Anfrage unserer Zeitung wendete sich zwei Tage später das Blatt.

Sowohl per Telefon als auch per E-Mail versprach Sami Issa von der Geschäftsführung der Dortmunder Loyal Parking Deutschland GmbH, dass die von der Amelsbürenerin geforderte Vertragsstrafe aus Kulanz storniert werde: „Das ist ganz dumm gelaufen und nicht in unserem Sinne.“ Das Servicepersonal seiner Firma habe im betreffenden Fall leider falsch gehandelt. „Dafür kann ich mich persönlich nur entschuldigen“, hebt Sami Issa hervor. Der schwangeren Frau wünsche er alles Gute.

Diese freut sich über die Nachricht. Sie sei sehr zufrieden über die Neuigkeiten aus Dortmund, mit denen sie gar nicht gerechnet habe. Gleichwohl müsse sich im Hinblick auf die 90-minütige Höchstparkdauer im Stadtteilzentrum aus ihrer Sicht möglichst bald etwas ändern. Ansonsten werde es dort bei Arztbesuchen wohl immer wieder Probleme geben.

Laut Sami Issa wird der Parkplatz am Dingbängerweg 33-47 von Loyal Parking seit Oktober vergangenen Jahres mittels Kennzeichensensorik automatisiert überwacht. Die ausgeschilderte Höchstparkdauer von 90 Minuten sei im Vorfeld unter Einbeziehung der Mieter als ausreichend festgelegt worden und gelte unverändert. Erklärtes Ziel sei es, Dauer- und Fremdparken zu unterbinden.

Dass man die Mieter mit ins Boot geholt und 90 Minuten vereinbart habe, sei nicht zutreffend, ist indes von der Inhaberin eines Ladenlokals im Stadtteilzentrum zu erfahren: „Mit mir ist darüber nicht gesprochen worden.“ Sie habe lediglich die Kennzeichen zweier Fahrzeuge für die Berücksichtigung zum uneingeschränkten Parken angeben dürfen.

Mit einem offenen Brief hat sich mittlerweile auch Bezirksbürgermeister Jörg Nathaus (Grüne) beim Discounter Lidl, Mieter des Parkplatzterrains im Stadtteilzentrum, gemeldet. Das Vorgehen der beauftragten Überwachungsfirma habe „zu großer Unzufriedenheit und Unverständnis im Stadtteil Mecklenbeck, aber mittlerweile auch darüber hinaus geführt“. Durch die 90-Minuten-Regelung und deren rigide Überwachung werde ein dem Einkauf bei Lidl nachfolgender Besuch anliegender Einzelhändler – beispielsweise um in der Buchhandlung zu stöbern, in Ruhe ein Eis zu essen oder im Café zu sitzen – „sehr stark eingeschränkt bis nahezu unmöglich gemacht“.

Das Vorgehen der von Lidl beauftragten Überwachungsfirma trage in Bezug auf die Aufenthaltsqualität ganz erheblich zur Entwertung des Stadtteilzentrums bei, schreibt  der Bezirksbürgermeister den Verantwortlichen des Discounters.

Nathaus stellt in Richtung Lidl klar: „Dieses Vorgehen lässt soziale Verantwortung vermissen.“ Und das gerade in einer schweren Zeit. Er lade zu einem Gespräch ein, um die Situation zu erörtern und eine für die Mecklenbecker Bürgerinnen und Bürger vernünftige Lösung zu finden.

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