„Es geht um fehlende Parkplätze“
45 Jahre alter Mammutbaum soll der Säge weichen

Münster-Mecklenbeck -

Klaus Hölker ist betroffen: Ein stattlicher Baum, den er vor Jahrzehnten hinter seiner Wohnung pflanzte, soll gefällt werden . . .

Mittwoch, 17.02.2021, 18:42 Uhr aktualisiert: 23.02.2021, 18:55 Uhr
Sorgt sich um den Mammutbaum im Hintergrund, den er vor 45 Jahren hinter seiner Wohnung an der Osterstraße pflanzte: Klaus Hölker.
Sorgt sich um den Mammutbaum im Hintergrund, den er vor 45 Jahren hinter seiner Wohnung an der Osterstraße pflanzte: Klaus Hölker. Foto: sch

Mammutbäume sind faszinierend: Sie können extrem alt und extrem groß werden, wie US-amerikanische Exemplare beeindruckend unter Beweis stellen. Um einen solchen Baum macht sich der Mecklenbecker Klaus Hölker (83) arge Sorgen, denn er steht in seiner Nachbarschaft an der Osterstraße und soll offenbar gefällt werden.

Vor 45 Jahren kaufte Hölker nach eigenem Bekunden im Fachhandel einen Setzling der Mammutbaumsorte, die man in der kalifornischen Sierra Nevada findet. Er pflanzte ihn im Garten des Mehrfamilienhauses an der Boeselagerstraße, in dem er seit Jahrzehnten wohnt. Als der Baum dann mannshoch war, setzte er ihn mit der Zustimmung seines Vermieters auf den Parkplatz hinter dem Mehrfamilienhaus um. Das sei alles andere als einfach gewesen: „Es hat richtig viel Mühe gemacht.“

Der Mammutbaum an der Osterstraße weist einen stattlichen Stammumfang auf.

Der Mammutbaum an der Osterstraße weist einen stattlichen Stammumfang auf. Foto: sch

Dort gedieh der Baum trotz Umpflanzungsmanöver und wuchs in den vergangenen Jahren auf geschätzte 15 Meter an. Umso mehr wunderte sich Klaus Hölker, als er am Dienstag zur Mittagszeit einen Trupp von Leuten beobachtete, der den Mammutbaum offenbar fällen wollte. Der 83-Jährige eilte hinaus und konnte die Fällaktion gerade noch verhindern: „Auf wütenden Einspruch von mir wurde der Rückzug angetreten, vorerst.“

Nun macht sich Hölker Sorgen darum, ob er die Aktion dauerhaft stoppen kann. Hintergrund ist, dass sein Vermieter das Mehrfamilienhaus an der Boeselagerstraße zum 1. März veräußert hat, und der neue Besitzer den Mammutbaum offenbar beseitigen möchte.

Sicher ist, das war vom städtischen Grünflächenamt zu erfahren, dass dies zulässig ist: Der Mammutbaum sei kein Naturdenkmal und auch nicht per Festsetzung im Bebauungsplan geschützt, so der zuständige Experte. Er könne die persönliche Betroffenheit Hölkers durchaus nachvollziehen. Grundsätzlich sei es um jeden gesunden Baum, der gefällt werde, schade. Im Hinblick auf eine mögliche Fällung des Mammutbaums handele es sich aber um eine „rein private Entscheidung“.

Auch der Nochbesitzer des Mehrfamilienhauses betonte auf Anfrage unserer Zeitung, dass er es bedauern würde, wenn der Baum abgeholzt werde. Er sei über ein derartiges Ansinnen auch nicht informiert worden und wolle mit dem Hauskäufer Kontakt aufnehmen. Von diesem erfuhr er schließlich, dass der Baum in der Tat der Säge weichen solle. Warum? „Es geht um fehlende Parkplätze“, sei ihm erläutert worden.

Obwohl auch er es einerseits nicht unbedingt gut finde, wenn der Mammutbaum verschwinde, so könne sein Mieter andererseits nicht erwarten, dass der Baum dort für immer und ewig stehen bleiben dürfe, stellt der Nochbesitzer des Mehrfamilienhauses klar.

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