Vortrag über Artenvielfalt auf dem möglichen JVA-Gelände
Glücksfall für viele Lebensformen

Münster-Handorf -

Die mögliche Fläche für den Bau eines Gefängnisses ist für die Artenvielfalt wertvoll. Dort Denn hier gibt es auf über 300 Hektar zusammenhängender Fläche ungedüngte Magerwiesen.

Montag, 07.07.2014, 19:07 Uhr

Prof. Dr. Thomas Fartmann skizzierte die große Artenvielfalt auf dem möglichen JVA-Gelände.
Prof. Dr. Thomas Fartmann skizzierte die große Artenvielfalt auf dem möglichen JVA-Gelände. Foto: reg

Ringelnatter, Laubfrosch, Gartenrotschwanz, Knäk- und Löffelenten – sie alle waren einst nicht der Rede wert, waren zuverlässig vorhanden in Jahrhunderte alter heterogener Landschaft. Dass sich dies grundlegend geändert hat, dafür seien vor allem drei Faktoren verantwortlich, erläuterte der Landschaftsökologe Prof. Dr. Thomas Fartmann am Freitagabend in seinem Vortrag zur Artenvielfalt auf dem Standortübungsplatz in Münsters Osten, der seit letztem Jahr als Bauplatz für die neue Justizvollzugsanstalt (JVA) im Fokus steht.

Fartmann ist Mitglied der Bürgerinitiative um ÖDP-Ratsherr Franz Pohlmann , Daniela Kaminski und Angelika Uekötter gegen den Bau der JVA auf der Brachfläche. Die drei Faktoren, die laut Fartmann einer gesunden Biodiversität zu Leibe rücken, sind die zunehmenden Siedlungs- und Verkehrsflächen, steigende Landschaftsfragmentierung und hohe Nährstoffanreicherung durch intensive landwirtschaftliche Nutzung.

Und genau diese Faktoren beziehungsweise deren Abwesenheit machten den Standort in Münsters Osten, auf dem die JVA nach dem vorläufigen Willen der Landesplaner gebaut werden soll, so wertvoll, so der Experte. Denn hier gebe es auf über 300 Ha zusammenhängender Fläche ungedüngte Magerwiesen, die in extensiver Nutzung nur von Schafen oder durch seltene Mahd kurz gehalten werden.

Ein Glücksfall für viele Lebensformen seien die hier vereint vorhandenen diversen Lebensraumtypen, die im gesamten Münsterland ihresgleichen suchten. „Von ähnlicher Qualität sind nur die Rieselfelder bei Gelmer, die Hohe Ward und Davert bei Hiltrup und das Gelände Dorbaum-Hornheide“, sagte Fartmann.

Das Hauptproblem bei einer möglichen Bebauung der Fläche liegt für den Ökologieprofessor der Uni Münster in der notwendigen Absenkung des Grundwasserspiegels vor dem Bau und deren Folgen für die umliegende Fläche.

Für SPD-Ratsherrn Ludger Steinmann ist es hingegen vor allem die von der JVA ausgehende „permanente Lichtverschmutzung für die nächsten 100 Jahre“, die es zu verhindern gelte. Er forderte die Anwesenden auf, ihre möglichen Vorbehalte auch vor die Ratsmitglieder zu tragen.

Eine Entscheidung für oder gegen den JVA-Standort wird es in diesem Jahr wohl nicht mehr geben. Die Bürgerinitiative wird sich weiter gegen die Bebauung der Brachfläche engagieren.

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