Nienberge
Gefahrlos Schlägereien verhindern

Mittwoch, 11.03.2009, 21:03 Uhr

Münster-Nienberge - „Eine Passantin geht mit ihrem Hund spazieren und wird plötzlich blöd angemacht, angegriffen, abgezogen.“ So beschreibt Michael Geringhoff , Leiter des Jugendinformations- und -beratungszentrums (JIB), eine typische Notsituation im Alltag. „Und nun?“, fragt der ausgebildete Deeskalationstrainer und gibt den jungen Erwachsenen in seiner Kurzschulung zur Aktion „Noteingang“ selbst die Antwort. „Eine allgemeine Lösung gibt es nicht. Ich vermittle nur das Handwerkszeug für die richtige Reaktion in einer Bedrohungssituation. Gefährlich ist das für den Helfenden nicht, es reicht ja schon, wenn er nur das Handy zückt“, macht Geringhoff bewusst.

Die Aktion „Noteingang“, an der sich Nienberge im Rahmen des bundesweiten Projektes „Vielfalt tut gut“ beteiligt, entstand 1998 als Echo auf rechtsextreme Überfälle im brandenburgischen Bernau . Seitdem kleben im ganzen Bundesgebiet an den Türen verschiedener öffentlicher Einrichtungen rote Aufkleber mit dem Schriftzug „Noteingang“ - untertitelt von der Botschaft „Wir bieten Schutz in Bedrohungs- und Gewaltsituationen“ in fünf Sprachen. Wer sich bedroht fühlt, soll in solchen Einrichtungen möglichst schnell Zuflucht finden.

Jugendlichen zwischen 16 und 24 Jahren, die in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind, vermittelte der studierte Sozialpädagoge Geringhoff in einem zweistündigen Workshop die Grundlagen couragierten Eingreifens. Angeboren ist diese Fähigkeit nicht. Vagotone Schockphase heißt das, was unvorbereitete Menschen zunächst am Handeln hindert. „Das ist die erste Schrecksekunde“, übersetzt Geringhoff. Wegtrainieren kann man sie laut Geringhoff durch Schulungen. Bestes Beispiel sind Polizisten. Sie haben sich die Schockphase durch Training gewissermaßen abgewöhnt.

Wie notwendig die „Not­eingänge“ sind, erlebte Pastoralreferent Reinhard Kemper im vergangenen Jahr im Pfarrzentrum St. Sebastian. „Eine farbige Frau kam herein und bat ganz aufgelöst um ein Telefon. Als ich sie nach Hause brachte, erzählte sie von Verfolgern, die sie bedroht hätten“, erinnert sich Kemper.

Was tun im Ernstfall? Geringhoff rät zu Ruhe und zu aktivem, aber gefahrlosem Handeln. Wichtig sei, dem Opfer zu signalisieren, dass es einem nicht gleichgültig ist, was passiert. „Dann sollte man Passanten ansprechen, um Hilfe bitten, notfalls bei Anwohnern klingeln und die Polizei verständigen“, empfiehlt der Experte. Auch Tricks können weiterhelfen. „Man kann den Angreifer ablenken, indem man etwas Kleines in seine Nähe wirft und ihn irritiert. Oder man ruft Feuer statt Hilfe, wenn kein Anwohner oder Passant unterstützend eingreift. Auf Feuer-Rufe reagieren die Leute nämlich früher!“, so Geringhoff.

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