Nienberge
Bach setzt den Schlusspunkt

Montag, 06.09.2010, 18:09 Uhr

Münster-Nienberge - Wie könnte es in der Pfarrkirche St. Sebastian anders sein: Zum Ende des Auftaktkonzertes zum zwölften Nienberger Orgelsommer ertönte natürlich ein Stück von Johann Sebastian Bach . „Das gehört sich für unsere Kirche einfach so“, hatte Organisator Bernhard Puschmann das Selbstverständliche schon in seiner Begrüßungsrede auf den Punkt gebracht. „Präludium und Fuge in D-Dur“ war das Werk, das die rund 70 Besucher zum Abschluss zu hören bekamen, und ihm vorausgegangen war ein musikalischer Streifzug vom Früh- bis in den Spätbarock. An der Orgel: Jan Croonenbroeck.

Dieser begann das Konzert mit Michelangelo Rossis „Toccata settima“, bevor es mit zwei Motettenkolorierungen aus der Feder von Heinrich Scheidemann weiterging: Einmal von „Dic nobis maria“ nach Giovanni Bassano und danach von „Benedicamus Domino“ nach Hieronymus Praetorius. Bereits in der Einführung hatte Puschmann erwähnt, dass die Barockmusik - genau wie die barocke Architektur - reich an Verzierungen sei. Motettenkolorierungen habe es nur in dieser Zeit gegeben: Man „verziert“ ein Chorwerk auf der Orgel, entweder die Ober- oder die Unterstimme.

Es folgte „Es ist das Heyl uns kommen her“ von Matthias Weckmann. Mit seinen sieben Versen und fast 30 Minuten sei dieses Werk eines der längsten des Barock. Vier Verse hatte Jan Croonenbroeck ausgewählt, und die Zuhörer konnten sich im Zuge dessen einmal mehr davon überzeugen, welch kontrastreiche Klangfarben sich der Orgel ent­locken lassen.

Der nächste Komponist, Johann Kuhnau, wäre in diesem Jahr 350 Jahre alt geworden. „Er war Vorgänger von Johann Sebastian Bach als Thomaskantor in Leipzig, außerdem ausgebildeter Jurist und Schriftsteller - und als solcher zu seiner Zeit sogar recht bekannt“, berichtet Croonen­broeck aus Kuhnaus Biografie. Als Komponist errang er vor allem Ansehen durch seine Sonaten, die biblische Geschichten erzählten. „Die von David und Goliath zum Beispiel erklang hier schon beim Orgelsommer vor einigen Jahren.“ Orgelwerke habe Kuhnau nur drei verfasst. Sein vielleicht größtes, so Jan Croonenbroeck, die „Toccata in A“, brachte er beim Auftaktkonzert zu Gehör.

Anhand der Sonaten von Domenico Scarlatti, die Croonenbroeck im Anschluss dann auf der Orgel spielte, zeigte sich, dass viele Werke dieser Zeit nicht auf ein Instrument festgelegt sind, auch wenn sie zum Beispiel für Klavier, Orgel oder Cembalo ursprünglich geschrieben wurden. „So verhält es sich auch mit den Sonaten von Scarlatti“, erklärte der Organist. Einige davon eigneten sich sehr gut für die Orgel, wovon sich die Zuhörer überzeugen durften.

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